Wintersport

Schmidhofer mit Lake-Louise-Double in "Speed-Queen"-Spuren

Die Wartezeit auf den ersten Sieg im Ski-Weltcup war lange, das Ende der Durststrecke dafür umso spektakulärer: Einen Tag nach ihrem Premieren-Triumph ließ Nicole Schmidhofer am Samstag in Lake Louise das Abfahrtdouble folgen und bewegte sich damit in den Spuren der einstigen ÖSV-"Speed Queen" Renate Götschl.

Zwei Saisonsiege bereits für Schmidhofer SN/APA (Archiv/AFP)/MARK RALSTON
Zwei Saisonsiege bereits für Schmidhofer

Die Steirerin hatte vor 20 Jahren als bisher letzte österreichische Läuferin beide Abfahrten im kanadischen Ski-Resort gewonnen, nun gelang dieses Husarenstück auch einer engeren Landsfrau. "Mit der Renate im gleichen Satz zu sein, das ist schon etwas Besonderes und ganz schön cool. Ich bin ja noch ein Jahr zusammen mit ihr gefahren", sagte Schmidhofer.

Die 29-Jährige stieg im März 2007 in den Weltcup ein und absolvierte 128 Rennen, ehe sie die höchste Treppe des Podiums erklomm. "Unglaublich, und das in Lake Louise. Wo man es sich am wenigsten erwarten oder vorstellen hätte können, ist es gleich zweimal hintereinander passiert", jubelte Schmidhofer.

Die Hoffnung, am Sonntag im Super-G den Hattrick zu schaffen, waren nicht allzu groß. "Das ist zu viel des Guten. Ich bin in der Abfahrt um einiges besser drauf als im Super-G", berichtete Schmidhofer. Dabei ist die Speed-Spezialistin amtierende Super-G-Weltmeisterin. Dass nun auf Weltcup-Ebene die Bestätigung ihres bis dato größten Erfolgs gelang, sorgte bei Schmidhofer für spürbare Erleichterung. "Jetzt fällt die ungünstige Frage endlich weg, jetzt bist du Weltmeisterin, hast aber keinen Weltcupsieg."

Von ihrem Triumph am Samstag zeigte sich Schmidhofer selbst etwas überrascht. "Es war ein bisschen komisch am Start, mir sind fast die Füße über den Haufen gegangen. Ich war ein bisserl unter Zucker, nervös, da habe ich mir gedacht: Niki, jetzt bist viermal gut runtergefahren, dann wirst du es um Gottes Willen ein fünftes Mal auch noch zusammenbringen."

Während ihrer Fahrt hatte Schmidhofer das Gefühl, "fast zu schön" unterwegs zu sein. "Aber es war genau die richtige Passage, die ich schön und rund gefahren bin, und dann grün im Ziel mit dem Vorsprung, unglaublich."

Der Sieg tags zuvor hatte für Schmidhofer offenbar eine überaus befreiende Wirkung. "Ich war zumindest in der Früh mega ausgeschlafen um sieben. Geschlafen habe ich besser als in den letzten Tagen."

Die durchwachten Nächte, in denen Schmidhofer über große Rückstände rätselte, sind bis auf Weiteres vorbei. "Die Situation ist einfacher als in den letzten Jahren, wo ich heruntergefahren bin, abgeschwungen habe und nicht wusste, wo ich die zweieinhalb Sekunden hernehmen soll. Da schaust dir so viel Sachen an, da kannst jeden Tag einen Aufsatz drüber schreiben, was du anders machen sollst."

Mittlerweile läuft es für Schmidhofer - und auch für ihre Teamkolleginnen. Cornelia Hütter wurde Zweite, Ramona Siebenhofer Sechste und Stephanie Venier Neunte. "Bei Conny musste ich noch einmal gescheit schwitzen", erzählte Schmidhofer. "Zu zweit am Podest zu feiern, ist natürlich noch cooler."

Hütter war in der Freitag-Abfahrt an der zehnten Stelle gelandet und hatte daraufhin gemeinsam mit ihrem Servicemann Änderungen beim Material vorgenommen. "Wir haben gesagt, wir gehen 'all in' und wechseln ein bisschen etwas beim Ski und Skischuh. Das hat funktioniert."

Dass es nicht zu Rang eins gereicht hat, konnte die 26-Jährige relativ gut verschmerzen. "Ich hätte mich gerne etwas weiter vorne gesehen, aber so wie es heute ist, passt es definitiv", sagte Hütter mit Hinweis auf das starke Mannschaftergebnis. "Es ist gut, eine richtig starke Konkurrenz im eigenen Team zu haben. Da kannst du dich gut messen und das Trainingsniveau nach oben treiben, und das ist für alle gut."

Vor der Leistung von Schmidhofer zeigte sich Hütter beeindruckt. "Sie hat Routine, fährt gut Ski, und wenn du siehst, wenn sie daherkommt mit ihrem Buckel, wie sie sich reinklemmt, dann merkst du, dass sie sich gut fühlt. Sie wird sicher eine harte Konkurrenz", vermutete Hütter.

Die beiden aktuellen Aushängeschilder der ÖSV-Speed-Damen eint der Erfolg, trennt aber auch so manche Charakter-Eigenschaft. "Wenn ich so viel reden würde wie die Schmidi, hätte ich keine Luft zum Skifahren", schmunzelte Hütter und freute sich über den steirischen Doppelsieg. "Ich glaube, es wird Zeit für eine Steirerfahne in Lake Louise."

Quelle: APA

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