Wintersport

Ski-WM: Sprechen Sie "steirisch"?

"Griaß' di, schen, dass'd do bist" - so könnte die Begrüßung für Gäste der Alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2013 in Schladming (4. - 17. Februar 2013) im breiten Ennstalerisch klingen.

Ski-WM: Sprechen Sie "steirisch"? SN/APA
Typisch steirisch: Kürbiskerne.

Wer dann nur Bahnhof versteht, sollte sich noch rasch ein wenig in den (ober-)steirischen Dialekt einlesen. Der einfachste Einstieg ist die Begrüßung: "Griaß' di" heißt - ganz einfach - nichts anderes als "Grüß' dich". Ob man auch zu hören bekommt, dass das Gegenüber die Anwesenheit des Ortsfremden als schön empfindet, hängt im wesentlich von einem selbst ab.

"Griaß' di" deutet Nähe an, die dann aber oft nach Jahrzehnten treuen Besuches in der Dachstein-Tauern-Region noch keine Vertrautheit noch Verstehen des Einheimischen in seinem Verhältnis zum "Stadtinger" bedeuten muss. Verbürgt ist die Geschichte eines Grazers, der lange ein altes Bauernhaus hoch über dem Talgrund von einer Ennstaler Familie gepachtet hatte. Nach 30 Jahren rückte der Jungbauer, als es ums mögliche Verlängern der Pacht ging, mit der Frage heraus: "Du, oft geht's mi jo nix an. Aber hättst um des Göld nit was anders machen mög'n?" ... übrigens auch gerne gehört: "Oft" - wobei das nichts anderes als eine Art sinnfreies Zwischenwort ist. Klingt oft aber gut.

Sprachliche Eigenarten hat die Region und die Steiermark viele - Obersteirer und Menschen aus der hügeligen West- und Oststeiermark haben ganz unterschiedliche dialektale Ausdrücke: An der Enns "schwatzt" man, wenn man mit jemanden plaudert, südlich der Flüsse Mur und Mürz wird "dischkariert". Das Gegenüber heißt dann oft auch "da Soch'n" und wird mit "lous zua" zum genauen Hinhören ermahnt. "Bua lous" hatte einst eine ähnliche Funktion, dient aber nur mehr als Ausdruck von Überraschung. Und, ja, der Prolo-Bruder des Griaß di-Grußes: Auch wenn im Grazer Raum immer öfter "Tschüssi" ertönt, leistet das vom alten "Servus" verballhornte "Seas" als Begrüßung immer noch unbeugsamen Widerstand.

Außerdem sollte man über das Land des WM-Gastgebers noch wissen: Den Ausspruch "Steirerblut is' ka Himbeersaft" kann keiner mehr hören und Kernöl wird nicht in jede Mahlzeit gemischt, aber fast. Wenn die Ham and Eggs oder die Eierspeis grünlich brutzelnd auf den Tisch kommen, keine Angst vor möglichem Schimmel und zugreifen: Es handelt sich um Kernöl-Eierspeis oder "G'machti". Überhaupt, Kernöl: Eine Zeit lang die Hauptzutat aller möglichen Irrungen der innovativ sein wollenden steirischen Gastronomie - etwa im Kürbisgermknödel. Geblieben ist aus dieser Zeit das Kürbiskernwiener, mit subversiv unter die Brösel gemischten ... oft eh scho wiss'n. Und der bekannte Chocolatier Zotter reüssiert mit handgeschöpfter Schoko mit u.a. auch Kürbiskern- oder Kürbistrüffel-Füllung.

Eine Ennstaler Kraftnahrung ersten Ranges war der Steirerkas, auch Graukas genannt - krümelig und von deftigen Geschmack und gerne mit Brot zur morgendlichen Milch oder dem Kaffee eingenommen. In der Form gibt es ihn noch im Privaten, in der Gastronomie taucht er hin und wieder verfeinert als Zutat auf.

Und überhaupt: Globalisierung und gnadenloses Marketing machen es möglich - beste südsteirische Weine werden mittlerweile auf etlichen Schladminger Skihütten und Restaurants gereicht und in der hochalpinen Winterlandschaft genossen. An Bekanntheit ist der gegen Ende des Jahres verfügbare Jungwein "Steirischer Junker" mittlerweile dem beliebtheitsmäßig etwas ins Hintertreffen geratenen Schilcher ebenbürtig.

Wer es bodenständig liebt: Der WM-Ort hat eine eigene Brauerei. Das legendäre und früher in fast allen Gläsern zu findende "Knappengold" - eine hopfige Hommage an Schladmings Bergbautradition - wird nicht mehr produziert, dafür aber Schladminger Bier, Märzen, Bio-Zwickl oder Weißbier - 30.000 Hektoliter per annum. Sollte für beschwingte Zeiten während der Pistensause reichen.

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