Wintersport

Skispringen: Stefan Kraft holt als erster Österreicher WM-Double

Der Salzburger Skispringer Stefan Kraft hat als erster ÖSV-Skispringer überhaupt das WM-Double geschafft. Im Augenblick seines größten Erfolgs zeigte er auch noch menschliche Größe.

Es waren bange Sekunden, die Stefan Kraft im Auslauf der WM-Schanze durchstehen musste, bis auf der Anzeigetafel endlich die Eins aufleuchtete. Das Großschanzenspringen am Donnerstag in Lahti war generell nichts für schwache Nerven. Hauchdünne Abstände entschieden schließlich über die Medaillen - und am Ende stand wieder Kraft ganz vorn. 0,7 Meter Vorsprung hatte der "Goldadler" auf den zweitplatzierten Deutschen Andreas Wellinger, weitere 0,7 auf den Dritten Piotr Zyla aus Polen. Nachdem sich Kraft bereits zum Normalschanzen-Weltmeister gekrönt hatte, flog er auf dem großen Bakken zum Doppelweltmeistertitel. Der 23-jährige Salzburger ist damit der erste Österreicher, dem das WM-Double gelang. Vor ihm hatten das Kunststück seit der Einführung des zweiten Einzel-Wettkampfs im Jahr 1962 nur Björn Wirkola (NOR), Gari Napalkow (UdSSR), Hans-Georg Aschenbach (DDR) und Adam Malysz (POL) geschafft.

"Heute hat wieder alles gepasst. Ich muss echt brav gewesen sein, dass ich das verdient habe. Das mit den Geschichtsbüchern ist mir ehrlich gesagt wurscht", sagte Kraft, der schon nach dem ersten Durchgang geführt hatte und Nervenstärke bewies: "Es ist einfach nur unglaublich. Vor dem Sprung habe ich gedacht: Diesen Flug genieße ich jetzt. Aber als ich genau auf die grüne Laser-Linie gesprungen bin, wusste ich, dass es extrem knapp werden wird."

Wo Erfolg ist, ist auch ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel nicht weit. Er drückte im Schanzenauslauf die Daumen und meinte: "Ich bin vor einer Stunden in Lahti angekommen und jetzt das. Es ist großartig. Einen Doppel-Weltmeister im Skispringen hatten wir noch nie. Aber Stefan hatte heute die Nerven, er ist ein absolut würdiger Doppel-Weltmeister."

Kraft zeigte sich selbst im Augenblick seines größten Triumphs als Teamplayer. Er gratulierte vor laufenden TV-Kameras seinen Teamkollegen Michael Hayböck und Manuel Fettner zu "zwei geilen Sprüngen". Für sie reichte ein starker Sprung im Finaldurchgang allerdings nicht zu einem Spitzenplatz. Hayböck wurde Elfter, Fettner 18. Das gefiel auch dem "Vater" dieses historischen Erfolgs, ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin. "Unglaublich, wie er das macht. Stefan hat heute wieder zwei exzellente Sprünge herausgezaubert. Er hat immer eine Antwort parat und seine Fliegerqualitäten sind bemerkenswert", sagte Kuttin. Und die Medaillenjagd des "Goldadlers" ist noch nicht vorbei: Am Samstag steht das Teamspringen - wohl mit Gregor Schlierenzauer - auf dem WM-Programm.

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