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Nicole Hosp im Interview: "Mikaela macht das phänomenal"

Nicole Hosp ist dem Skisport auch nach ihrem Karriereende 2015 verbunden geblieben. Die Gesamtweltcupsiegerin von 2007 verfolgt die Ski-WM in Schweden als Zuschauerin, vor zwölf Jahren feierte sie am Aareskutan den größten Erfolg ihrer Laufbahn, wurde Weltmeisterin im Riesentorlauf. Freilich reiste deshalb auch ein wenig Sentimentalität mit in den Hohen Norden.

Hosp trifft in Aare auch alte Rivalinnen SN/APA (EXPA/Groder)/EXPA/JOHANN GR
Hosp trifft in Aare auch alte Rivalinnen

Im Interview mit der Austria Presse Agentur sprach die 35-jährige Hosp in Aare über ihre Erinnerungen an 2007, ihre Arbeit als ORF-Co-Kommentatorin bei Technik-Weltcup-Rennen der Damen (bei der WM allerdings nicht für den ORF im Einsatz), die Situation in Österreichs Riesentorlauf-Team und das Phänomen Mikaela Shiffrin.

APA: Welche Erinnerungen sind hochgekommen, als Sie in Aare eingetroffen sind?

Hosp: "Es war eine irrsinnig schöne WM für mich und mit zwei Medaillen ein Wahnsinn. Der Super-G ist mir brutal in Erinnerung, es war das erste Rennen und ich bin Vierte geworden. Da war ich voll enttäuscht, es war extrem bitter, weil es so knapp war und keine Medaille geworden ist. Abfahrts-Bronze und die Goldene im Riesentorlauf waren ein Wahnsinn, das vergisst man sein Leben lang nicht mehr. Im Nachhinein habe ich auch den vierten Platz verschmerzt."

APA: Was ist das Spezielle an Aare für Sie?

Hosp: "Die Umgebung, ich fühle mich hier brutal wohl. Mir gefällt die Landschaft extrem gut, ich finde die ruhige Art der Schweden extrem sympathisch und nett. Es ist halt vom Wetter her immer extrem, aber es hat immer eine ganz eigenartige Stimmung. Ich bin halt einfach so ein Wintertyp, der das gern mag."

APA: Sie sehen den Damen-Skirennsport jetzt aufgrund ihrer Tätigkeit für den ORF von der anderen Seite. Wie viel Ex-Rennläuferin und wie viel Journalistin ist in Ihnen?

Hosp: "Ich versuche das zu trennen. Ich frage schon das, was ich für das Kommentieren brauche, eh klar. Aber alles andere ist schon ein Gespräch als Ex-Teamkollegin. Mir taugt es, dass ich noch dabei bin und im Geschehen bleibe, es ist eine eigene Welt. Es ist sehr interessant, es jetzt auch von der anderen Seite zu beobachten und zu sehen, wie die Athletinnen reagieren und sich verhalten, das macht mir Spaß."

APA: Merken Sie jetzt, dass der Job des Journalisten abhängig vom Interviewpartner mitunter auch ein schwieriger ist?

Hosp: "Ja, voll. Man versteht vieles viel besser. Man kann vieles anders einschätzen. Denn als Athlet bist du in deinem Tunnel drinnen und fokussiert auf deine Sachen und ärgerst dich oft, wenn es nicht so gelaufen ist. Und dann bekommst du nach dem Rennen die Frage, warum es nicht gegangen ist. Von der anderen Seite betrachtet, weiß ich jetzt: was sollst du sonst fragen? Genau das will man ja wissen. Wäre oft fein gewesen, hätte man als Aktiver schon gewusst, was da dahintersteckt, dazugehört und wie die andere Seite so funktioniert."

APA: Im Riesentorlauf können Österreichs Damen nach Ausfällen nur auf eine Überraschung hoffen. Schmerzt das eine Ex-Weltmeisterin in dieser Disziplin besonders?

Hosp: "Natürlich tut das irgendwo weh, aber mit der Situation muss man umgehen, die zwei Besten sind mit Verletzungen weggefallen. Wir sind sicherlich ein sehr geschwächtes Team. Aber man muss das Positive sehen: bei einer Weltmeisterschaft ist immer alles möglich. Es gibt sehr oft Überraschungssieger, und warum soll nicht einmal eine Überraschungssiegerin aus Österreich kommen. Man muss mit eine positiven Einstellung hingehen und die Möglichkeiten sehen und nicht das Negative."

APA: Mikaela Shiffrin ist die dominierende Läuferin der Gegenwart. Wie dienlich sind Seriensiegerinnen dem Sport?

Hosp: "Natürlich ist das immer schwierig, Seriensieger machen irgendwo den Sport kaputt, weil es irgendwann langweilig wird, wenn sie so dominieren. Spannender ist es wie jetzt im Slalom, wo Shiffrin und Petra Vlhova sich so battlen, das ist lässig und macht es extrem interessant. Man sieht dann auch, dass die Mikaela auch anfängt Fehler zu machen und nicht mehr so dominant ist, als wenn sie ein bisserl Platz hinter sich hat. Aber es ist beeindruckend, mit welcher Konstanz und Reife und Art und Weise sie die ganzen Erfolge schafft. Eine Frage der Zeit, wenn sie sich nicht verletzt, dass sie den Rekord von Ingemar Stenmark auf jeden Fall einholt."

APA: Lindsey Vonn hat auch gemeint, sie müsse sich danach nicht mehr strecken, denn Mika würden den Rekord sowieso holen ...

Hosp: "Ja, brutal beeindruckend, wie sie das macht. Andererseits muss man sagen, dass momentan nicht die ganz große Dichte da ist wie es zu unserer Zeit war, wo eine Tina Maze, Anja Pärson, Marlies Schild, Maria Riesch, Lindsey Vonn, Janica Kostelic gefahren sind. Alles Läuferinnen, die sämtliche Rekorde aufgestellt haben in diesen Jahren. Das ist momentan nicht ganz so da, soll aber natürlich nicht die Leistung von Mikaela Shiffrin schmälern. Man muss auch die Zeit nützen, wenn sie da ist. Sie macht das halt einfach phänomenal."

Quelle: APA

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