Dennoch ist diese Tournee ein Erfolg

Die Dichte an der Spitze ist groß wie nie zuvor. Zum Leidwesen der Österreicher.

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Standpunkt Michael Unverdorben

Durch die österreichische Brille betrachtet ist die Vierschanzentournee enttäuschend verlaufen. Schon nach zwei von vier Bewerben war klar, dass kein ÖSV-Adler um den Gesamtsieg mitfliegen wird. Das hat die Stimmung im Springerteam gedrückt und auch bei den Fans war die Begeisterung rund um die tollkühnen Schanzen-Stars gefühlt schon einmal größer. Und dennoch ist diese Tournee ein Erfolg.

Der größte Gewinner ist das Skispringen selbst. Die Sportart ist exzellent vermarktet, doch der Kernmarkt in Mitteleuropa und Skandinavien ist überschaubar. Auch den Siegerlisten fehlte lange die internationale Breite, doch damit ist jetzt Schluss. An der Spitze der Tourneewertung findet sich mit Ryōyū Kobayashi ein Japaner, der in seiner Heimat ein breites Medienecho erhält. Er ist Seriensieger und eine Frohnatur, er steht auf hippe Kleidung und schnelle Autos und taugt für eine Generation junger Japaner somit zum Sportidol. Überhaupt finden sich unter den besten zehn des Tournee-Klassements nicht weniger als sieben verschiedene Nationen. Dazu hat mit Jewgenij Klimow in diesem Winter bereits ein Russe einen Weltcupbewerb gewonnen. Noch so ein Skisprung-Markt, der ungeheuerliches Potenzial birgt.

Als Erbe, wenn FIS-Renndirektor Walter Hofer 2020 nach fast 30 Jahren in dieser Funktion in Pension gehen wird, hinterlässt das Mastermind des modernen Skispringens mehr Premiumprodukt als Randsportart. Für die seit 32 Weltcupspringen sieglosen ÖSV-Adler ist das freilich ein schwacher Trost. Sie leiden derzeit mehr unter der neuen Dichte an der Weltspitze, als sie sich über das internationale Wachstum freuen können.

Aufgerufen am 19.01.2019 um 09:51 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/standpunkt-dennoch-ist-diese-tournee-ein-erfolg-63532945

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