Trainingsbestzeit von Reichelt in Kvitfjell-Abfahrt

Ski-Routinier Hannes Reichelt hat sich mit einer Trainingsbestzeit nach den für ihn enttäuschend verlaufenden Olympischen Spielen zurückgemeldet. In Kvitfjell war der Salzburger am Donnerstag auf ungewohnt präparierter Strecke der Schnellste. Otmar Striedinger auf Platz drei und Christopher Neumayer als Sechster trugen ebenfalls zu einem starken Eindruck der österreichischen Mannschaft bei.

SN/APA (ÖOC)/ERICH SPIESS
Gute Trainingsleistung von Reichelt

Doppel-Olympiasieger Matthias Mayer belegten den elften Platz, Daniel Hemetsberger wurde 13. Daniel Danklmaier (22.), Romed Baumann (23.), Johannes Kröll (24.), Vincent Kriechmayr (27.) und Christoph Krenn (28.) landeten beim ersten Abtasten im Mittelfeld, die beiden Kärntner Max Franz (44.) und Christian Walder (51.) waren davon etwas entfernt. Die norwegischen Hausherren Kjetil Jansrud (12.) und Olympiasieger Aksel Lund Svindal (17.) hielten sich zurück, Weltmeister Beat Feuz aus der Schweiz (35.) ließ es noch ruhiger angehen.

Das Training hatte um eine halbe Stunde verschoben werden müssen, da sich im oberen Teil der Olympia-Piste von 1994 Nebel breitgemacht hatte. Dann wurde auf verkürzter Strecke nur bis zur letzten Zwischenzeit gefahren, da anschließend der Untergrund an einer Schlüsselstelle aufbrach. Die lokalen Veranstalter und die FIS-Rennleitung wollen die Probleme bis Samstag (11.00 Uhr/live ORF eins), wenn die vorletzte Abfahrt der Weltcup-Saison stattfindet, ausgebügelt haben. Am Freitag (11.00 Uhr) ist ein weiteres Training anberaumt.

Prinzipiell zeigten sich die meisten Fahrer von der Präparierung aber durchaus angetan. Der Lauf sei unruhiger als in der Vergangenheit, es gebe mehr Schläge und zusätzliche Wellen, bekam man von verschiedenen Seiten zu hören. "Mir kommt die andere Pistenpräparierung entgegen. Es ist mehr Wasser drin, stellenweise ist es eisig", meinte Reichelt, der die Olympia-Abfahrt bei komplett anderen, weil viel aggressiveren Verhältnissen nur an der zwölften Stelle beendet hatte. Auch im Super-G war es für ihn in Südkorea als Elfter nur unwesentlich besser gelaufen.

"Es hat einfach nichts zusammengepasst", wusste der 37-Jährige. Zu sehen, dass selbst ein Perfektionist wie Marcel Hirscher keine taugliche Abstimmung für den Olympia-Slalom fand, hatte eine beruhigende Wirkung, gab er zu. Dennoch denke er nicht mehr zurück, die Spiele sind für Reichelt abgehakt. "Die Enttäuschung dauert bei mir meistens nur zwei Tage, dann geht es wieder weiter", zeigte er sich wieder voll motiviert. "Wenn sie die paar Passagen in den Griff kriegen, wird das ein sehr spektakuläres Rennen werden."

In Pyeongchang nicht dabei war Striedinger, der sich freute, endlich wieder schmerzfrei zu sein. "Der Sturz in Wengen hat sich doch mehr ausgewirkt, als ich ursprünglich gedacht habe", sagte der Kärntner. "Jetzt möchte ich es auch im Rennen zeigen, dass ich nicht so schlecht bin, wie die Ergebnisse vermuten lassen." Neumayer hat erst am Dienstag eine Europacup-Abfahrt in Kvitfjell gewonnen. "Das ist sicher ein Vorteil, da es im Europacup ähnlich gesteckt war wie im Weltcup", konstatierte der Salzburger, der darauf brennt, seine Form am Samstag zu bestätigten.

Im Abfahrtsweltcup könnte bereits vor dem Finale in Aare die kleine Kristallkugel vergeben werden. Feuz liegt aktuell 40 Punkte vor Svindal. Bei einem weiteren Sieg des Emmentalers müsste Svindal in Kvitfjell mindestens Fünfter werden, um noch theoretische Chancen zu haben.

Im Super-G (Sonntag/10.30 Uhr) liegt Jansrud zwei Rennen vor Schluss 46 Punkte vor seinem Landsmann Svindal, dahinter lauern in exakt dieser Reihenfolge Kriechmayr, Reichelt, Franz und Mayer. "Da ist noch alles drin", meinte Reichelt. "Ich habe selber einmal (in der Saison 2007/08/Anm.) 99 Punkte Rückstand gehabt und dann trotzdem gewonnen. Aber es ist natürlich nicht leicht gegen Jansrud, der eine sehr starke Form hat."

Mayer hingegen glaubt nicht so recht daran. "Ich habe es eigentlich schon in Lake Louise mit meinem Ausfall vergeben, sonst wäre ich ganz vorne dabei gewesen. Das kann man sich eigentlich nicht erlauben", befand der 27-Jährige, der nach den Olympischen Spielen erst wieder runterkommen musste. "Ich habe die Zeit genossen. Es war viel Rummel um meine Person." Mayer will die Saison gut zu Ende bringen, bestenfalls noch den einen oder anderen Sieg attackieren. Das Ziel für die kommende Saison wäre, "einmal um die Abfahrts-Kugel mitzufahren".

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