Wintersport

Trotz Stürzen 2016 große Vorfreude des ÖSV-Teams auf Kitz

Sturz-Orgie, das verletzungsbedingte Saisonende für mehrere Stars - die Erinnerungen an die Hahnenkammabfahrt vor einem Jahr lässt bei vielen heute noch die Gänsehaut aufsteigen. Ein Jahr später sind die Geschehnisse aufgearbeitet und zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Ob Streif-Opfer Aksel Lund Svindal heuer in Kitzbühel dabei sein wird, steht noch nicht fest.

Stürze und Abtransporte mit dem Hubschrauber prägten 2016 das Rennen. SN/APA/AFP/JOE KLAMAR
Stürze und Abtransporte mit dem Hubschrauber prägten 2016 das Rennen.

"Wir fahren nicht mit unguten Gefühlen hin, die Stürze sind aufgearbeitet. Die Athleten freuen sich auf Kitzbühel", versicherte ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher. Von Kitzbüheler Seite habe man versucht, alles zu machen, damit vor allem jener Teil, wo die Stürze passiert sind, sicherer werde. An der Hausbergkante wurde eine Flutlichtanlage montiert. "Wenn der Wetterbericht stimmt und wir schönes Wetter haben, dann können wir uns nur auf Kitzbühel freuen", weiß Puelacher.

Das Problem an der Schrägfahrt sei gewesen, dass durch das Rutschen eine leichte Kompression entstanden sei. "Darauf wird man nun Augenmerk legen. Die FIS will auch weniger Farbe verwenden. Nach der ganzen Woche war da so viel Farbe drinnen, es war alles blau, man hat die Konturen nicht gesehen. Durch das Rutschen hat sich die blaue Farbe der Querlinie verschoben", erinnerte Puelacher.

Die Chronologie der Ereignisse 2016: Gleich im ersten Training erwischte es Max Franz. Der Kärntner erlitt multiple Verletzungen an Knie, Hand und Sprunggelenk und kehrt nach seinem Sieg im Dezember in der Abfahrt von Gröden als einer der Mitfavoriten zurück. Im Donnerstag-Training warf die Streif Florian Scheiber ab. Der Tiroler erlitt Bänderrisse im Knie und beendete seine Karriere. Auch ein ÖSV-Trainier musste nach einem Ausrutscher mit Bänderrissen ins Spital.

Mit einem Super-G-Sieg bei strahlend schönen Wetter machte sich am Freitag der im Gesamtweltcup führende Svindal für den Abfahrts-Showdown bereit, Hannes Reichelt stimmte Ski-Österreich mit Platz drei auf weitere Erfolge ein. Im Kombi-Slalom am Abend rutschte Svindal jedoch raus und wurde wegen einer leichten Oberschenkelzerrung physiotherapeutisch behandelt. Er meldete sich für die Abfahrt aber "99,9 Prozent" fit.

Der "Super-Saturday" begann mit zwei Verschiebungen. Wegen Schneefalls startete die Abfahrt um 12.45 Uhr vom Ersatzstart oberhalb der Mausefalle. Der Reihe nach stürzten bei schlechter Sicht Georg Streitberger (Startnummer 7), Reichelt (17) und Svindal (19) in der Kompression vor der Einfahrt in die Traverse und landeten unter dem Aufschrei der 50.000 Zuschauer im Netz. Svindal hatte sich mehrfach überschlagen, stand jedoch auf und humpelte davon.

Bilanz: Saisonende für Svindal wegen eines Risses des vorderen Kreuzbandes und des Meniskus sowie eines Knorpelschadens im rechten Knie, Saisonende für Streitberger mit multiplen Bänderrissen im rechten Knie (vorderes Kreuzband, Seitenband, Innenband) und Pause für Reichelt wegen einer Knochenprellung im linken Knie.

Nach dem Sturz von Svindal intervenierte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel bei FIS-Renndirektor Markus Waldner, das Rennen abzubrechen. "Die Show ist die eine Sache, aber der Sport ist die andere. Und die Sicherheit der Läufer muss das Primäre sein", sagte der Skiverbands-Chef. Die Abfahrt wurde nach Startnummer 30 wegen immer schlechterer Sichtverhältnisse aus Sicherheitsgründen abgebrochen und mit dem Südtiroler Peter Fill als Sieger gewertet.

In der Mannschaftsführersitzung am Abend gingen die Emotionen hoch. "Wir wissen, dass diese Passage schwierig ist. Es sind Wellen dort, das Licht war flach. Es war sehr schwierig, die Wellen zu sehen, das hat wahrscheinlich die Fehler verursacht, die Konsequenz waren Stürze. Und wir wissen, dass diese Stelle keine Fehler erlaubt", sagte Waldner.

Und Puelacher meinte damals: "Es ist schon so viel blau gewesen, dass man die Kanten von den Wellen nicht gesehen hat." Um dies zu vermeiden, will man heuer mit der Farbe sparsamer umgehen. Warum es die beiden Topstars exakt an der gleichen Stelle erwischt habe, erklärte Puelacher damit, dass es die Linie zum Sieg gewesen sei. "Das hat man bei Peter Fill gesehen, der hat dann gewonnen. Der eine überlebt es, der andere überlebt es nicht", waren Puelachers drastische Worte.

Der Rettungshubschrauber war dann übrigens auch am Sonntag beim Slalom in der Luft, der Italiener Giuliano Razzoli erlitt bei einem Sturz einen Kreuzbandriss. Er kehrt genauso nach Kitzbühel zurück wie Franz, Reichelt und Streitberger. Noch keine neuen Informationen gibt es zu Svindal, der vergangene Woche wegen Knieschmerzen vorzeitig aus Wengen abgereist war.

Quelle: APA

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