Wintersport

Unverständnis bei Moser-Pröll nach Schwarzer-Aussagen

Alice Schwarzer hat in einem offenen Brief Österreichs ehemaliges Ski-Aushängeschild Annemarie Moser-Pröll der Lüge bezichtigt. Schwarzer habe Anfang der 1970er-Jahre der damaligen aktiven Rennläuferin keine Briefe geschickt, wie von dieser jüngst behauptet. "Ich jedenfalls weiß, dass Sie lügen", schrieb Schwarzer. Annemarie Moser-Pröll zeigt im SN-Gespräch Ungereimtheiten auf.

Große Frauen, große Differenzen: Salzburgs Skiidol Annemarie Moser-Pröll und Deutschlands bekannteste Feministin, Alice Schwarzer. SN/christian sprenger, johannes eisele/afp
Große Frauen, große Differenzen: Salzburgs Skiidol Annemarie Moser-Pröll und Deutschlands bekannteste Feministin, Alice Schwarzer.

Deutschlands bekannteste Feministin stößt sich an einer Behauptung, die Moser-Pröll in der Vorwoche in einem Interview mit der "Tiroler Tageszeitung" aufstellte. "Als ich 1971 an die Weltspitze fuhr, bekam ich jedes Monat von Alice Schwarzer einen Brief. Sie suchte Prominente, damit sie in Sachen Gleichberechtigung unterstützt wird", erklärte die 62-fache Weltcupsiegerin dort. Es ist eine Aussage, die Moser-Pröll in ähnlichem Wortlaut übrigens schon 2013 in der "Kleinen Zeitung" getätigt hatte.

Eine Richtigstellung sei für Schwarzer unumgänglich. "Sie lügen einfach zu dreist", schrieb die 76-Jährige. Und weiter: "Denn erstens ist es nicht meine Art, 'Prominenten' zu schreiben, damit sie meine Sache unterstützen. Und zweitens und vor allem war ich 1971 ganze 28 Jahre alt, lebte in Paris und hatte gerade erst gelernt, dass man Feminismus mit F schreibt. Und außerdem kannte ich Sie überhaupt nicht."

In der Frage der Missbrauchsvorwürfe im Österreichischen Ski-Leistungssport der Vergangenheit hatte Moser-Pröll erst kürzlich wieder betont, dass ihr keine Fälle bekannt seien. Schwarzer ("Sie kennen sicherlich die Volksweisheit: Wer einmal lügt ...") zog das in Zweifel: "Sie aber wollen von alldem nichts gewusst und auch nie etwas gemerkt haben. Und Ihnen selber ist sowieso nie etwas passiert. Wenn das wirklich so wäre, das wäre schön. Für Sie."

Österreichs Jahrhundersportlerin hat Montagnachmittag auf den offenen Brief von Schwarzer mit Unverständnis reagiert. "Jetzt kenne ich mich nicht mehr aus. Natürlich habe ich von Alice Schwarzer Briefe bekommen", so Moser-Pröll, "darin hat sie Prominente um Unterstützung in der Gleichberechtigung gebeten. Dazu stehe ich". Und Moser-Pröll ergänzt: "Frau Schwarzer sagt, dass ich mit ihr in den 80er-Jahren zusammen in einer Show von Blacky Fuchsberger gewesen bin - daran kann ich mich überhaupt nicht erinnern. Ich habe heute bei der ARD offiziell angefragt, ob sie das für mich nachprüfen können", so Moser-Pröll gegenüber den SN.

Der Hintergrund:

Annemarie Moser-Pröll war im Rahmen der Prozesse rund um Ex-ÖSV-Cheftrainer Karl Kahr als Zeugin aufgerufen. In einem Interview mit der "Tiroler Tageszeitung" (Ausgabe 1. Februar 2019) nahm sie zur Missbrauchsdebatte im Skiverband Stellung. Dabei antwortete sie unter anderem auf diese Fragen:

Frage: Wie empfinden Sie die über den Sport hinausgehende #metoo-Debatte?
Moser-Pröll: Anonym - dagegen wehre ich mich. Ich spiele jede Woche in einer Herren-Runde Tennis und fühle mich dort wohl und aufgehoben. Ich glaub' schon, dass es darauf ankommt, wie sich eine Frau verhält.

Entgleitet die Debatte also Ihrer Meinung nach?
Moser-Pröll: Ja, so sehe ich das. Als ich 1971 an die Weltspitze fuhr, bekam ich jedes Monat von Alice Schwarzer einen Brief. Sie suchte Prominente, damit sie in Sachen Gleichberechtigung unterstützt wird. Ich machte nicht mit, weil ich nie das Gefühl hatte, dass ich irgendwo benachteiligt wurde. Schön langsam tun mir die Männer leid.

Quelle: SN-Apa

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