Wintersport

Video: Maskottchen hoppelt fast blind zur WM

"Hopsi" ist einer der großen Stars in Schladming. Das konnte SN-Redakteurin Heidi Huber bei einem Rundgang im Hasenkostüm erfahren. Gesehen hat sie dabei aber nicht sehr viel.



Ein wenig Hüftspeck hat er verloren. Und die Pausbacken sind nicht mehr so prall gefüllt. Seit das WM-Maskottchen namens Hopsi 1982 in Schladming erstmals aufgetreten ist, ist aus ihm ein alter Hase geworden. Oder wie das Organisationskomitee meint: Reifer und moderner. Kommt immer darauf an, wer unter dem plüschigen Kostüm mit dem überdimensionalen Kopf steckt.

Petra Lammer vom Schladminger Veranstalter stattet die SN-Redakteurin für einen Probeversuch aus. Sie lässt die Hasen aus dem Stall. Zwölf Kostüme stehen zur Verfügung. Hineingeschlüpft in den Anzug, den Klettverschluss zu, kommen noch die Plüschhandschuhe, der Österreich-Schal und die steirische Kuhglocke dazu. "Er muss ein bisserl tanzen können, um gute Laune zu verbreiten. Hopsi spricht nicht, er bleibt immer stumm", sagt Lammer und schickt uns auf die Reise.

Platzangst darf man keine verspüren, wenn man den Hasenkopf überstülpt. Gerade einmal zwei Quadratzentimeter dienen als Sichtfeld - positioniert zwischen den Augen von Hopsi. Atmen fällt unter all dem Stoff schwer, was dazu führt, dass es nach zwei Minuten so heiß ist wie im Dampfbad. Fast im Blindflug tastet sich Hopsi durch das Ortszentrum von Schladming. Das Kostüm ist nicht für lange Spaziergänge gedacht. Bei jedem Schritt wackelt der mehrere Kilogramm schwere Kopf hin und her und nach vor und zurück. Der leicht betrunkene Gang scheint den Fans nicht aufzufallen. Im Gegenteil: Jeder grüßt den Kulthasen, vom Schladminger Pistenarbeiter bis zu den Bundesheer-Soldaten. Alle zehn Meter muss das Maskottchen posieren. Eltern mit Kindern wollen ein Erinnerungsfoto; ebenso die Vertreter der WM-Sponsoren, die den Hasen zum Fototermin schleifen. Blitzlichtgewitter da wie dort. Fernsehteams brauchen auch noch eine Filmsequenz. Also wieder posieren, winken, Daumen nach oben, mit der Kuhglocke läuten. Der grau-weiße Fellknäuel wird permanent umarmt. Zwar ist das Maskottchen stolz ob so vieler Sympathiebekundungen, es hat aber keine Ahnung, wie’s rundherum aussieht oder wer sich da anschmiegt. Hinter dem Mini-Visier herrscht Orientierungslosigkeit.

Derweil kämpft der Hase darunter mit Problemen körperlicher Natur. Die Nackenmuskulatur schmerzt, denn der Kopf samt abstehenden Riesenohren wird immer schwerer und fängt an, sich zu verselbständigen. Unkontrolliert läuft das Häschen deshalb auf die Straße und wird beinahe Opfer eines Wildunfalls. Von wegen gute Laune verbreiten. Nerven strapazieren.

An der nächsten Bar grölt schon eine Gruppe männlicher Fans. "Hopsi, geh her jetzt." Das Skihaserl ist noch schüchtern, folgt aber brav. Einzige Frage, die die Herren nach mehreren Bechern Glühwein beschäftigt, ist Hopsis Geschlecht. Das weiße Stummelschwänzchen am Hintern ist wenig aufschlussreich. Weil Hopsi aber verrät, dass darunter ein weibliches Geschöpf lauert, gibt’s gleich noch zwei Busserl. Den Glühweinbecher lehnt das Maskottchen vorschriftsgemäß ab.

Null Promille im Dienst. Ebenso dutzende Einladungen zum Hasenflirt mit Anmachsprüchen, die Hopsi bestimmt schon bei der WM 1982 gehört hat.

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