Wintersport

Vierschanzentournee: Kamil Stoch siegt, Stefan Kraft auf Rang vier

Tournee-Titelverteidiger Kamil Stoch hat den Auftakt der 66. Vierschanzentournee am Samstag in Oberstdorf für sich entschieden. Der Halbzeitvierte siegte mit 279,7 Punkten vor dem Deutschen Richard Freitag (275,5) und seinem polnischen Landsmann Dawid Kubacki (270,1). Oberstdorf-Vorjahressieger Stefan Kraft musste sich nach Platz eins in Durchgang eins mit Rang vier (262,8) zufriedengeben.

Kamil Stoch holte sich Oberstdorf-Sieg SN/APA (dpa)/Daniel Karmann
Kamil Stoch holte sich Oberstdorf-Sieg

Damit riss aus rot-weiß-roter Sicht eine lange Serie: Seit 2006 war in Oberstdorf stets zumindest ein ÖSV-Adler am Podest gestanden. Die Tournee übersiedelt nun nach Garmisch-Partenkirchen, wo am Montag das zweite Springen am Programm steht.

Stefan Kraft schaffte den perfekten Abschluss seines überaus erfolgreichen Jahres 2017 mit Rang vier nicht ganz. Die Ausgangsposition vor dem Neujahrsspringen ist trotz 16,9 Punkten Rückstand auf Stoch gut. Kraft hatte im ersten Durchgang als einer von wenigen Springern etwas Aufwind gehabt und die guten Bedingungen zur klaren Bestweite von 132 Metern und Halbzeitführung genützt. Anders als im Vorjahr musste er die Spitzenposition aber abgeben, nur 119 Meter bei starkem Rückenwind und ein etwas zu später Absprung warfen den zweifachen Oberstdorf-Sieger zurück.

"Der zweite war sicher nicht beste Sprung, aber trotzdem ganz okay. Bei diesen Bedingungen hätte ich einen perfekten Sprung gebraucht", meinte der Ex-Tourneesieger. Damit schaffte es erstmals seit elf Jahren kein Österreicher in Oberstdorf auf das Podest. "Ich wäre gerne heute auf dem Stockerl gestanden, aber es passt schon, ich bin voll dabei. Garmisch liegt mir jetzt ganz gut", erklärte Kraft.

Der 30-jährige Pole Stoch feierte nach Flügen auf 126 und die Tageshöchstweite von 137 Metern seinen 23. Weltcupsieg, den ersten der Saison und den ersten in Oberstdorf. Topfavorit Richard Freitag verpasste seinen vierten Saisonerfolg nach Weiten von 128,5 und 127 Metern um 4,2 Punkte. Sommer-Grand-Prix-Sieger Dawid Kubacki schaffte als Dritter (126,5/129 m) sein bestes Saisonresultat (9,6 zurück).

Stoch freute sich über den Sieg nach dem fünften Halbzeitrang. "Das ist fantastisch. Beide Sprünge waren wirklich gut. Es war ein harter Wettkampf, denn das Wetter war sehr schwierig", betonte der Doppel-Olympiasieger. Freitag meinte, es sei nicht einfach gewesen, alles auszublenden. "Aber ich habe eine Top-Ausgangslage, zwei Meter sind gar nichts bei den Schanzen, die jetzt noch kommen."

Kraft weiß um die Klasse des Spitzenduos. "Es wird ganz schwer sein, Kamil und Richi zu biegen." Der von Fachjournalisten zum "Skispringer des Jahres" gewählte Pongauer war einmal mehr der einzige Österreicher in den Top Ten.

Gregor Schlierenzauer hatte zunächst trotz des laut FIS-Messung zweitstärksten Rückenwindes des Feldes den zehnten Zwischenrang (116,5 m) belegt, bei fast ebenso schlechten Bedingungen rutschte er im Finale (erneut 116,5) auf den 13. Platz zurück. Es war dennoch seine beste Saisonplatzierung nach dem späten Einstieg wegen einer Knieblessur.

Er sei nicht unzufrieden, meinte der 27-Jährige. "Es war nicht einfach, aber ein Schritt nach vorne." In punkto Technik fehle aber noch einiges, gab der Stubaier zu und hofft auf Garmisch. "Das war immer ein guter Boden für mich."

Der Wind nahm großen Einfluss auf den Ausgang, die Bonuspunkte für Rückenwind vermögen das nicht auszugleichen. Einige Mitfavoriten wurden früh zu Boden gedrückt. Der Slowene Peter Prevc, der Tourneesieger von 2015/16, verpasste sogar das Finale. Und die Chancen des Norwegers Daniel Andre Tande wurden stark reduziert.

Bei der 65. Auflage hatte er die Chance auf den Gesamtsieg im letzten Sprung wegen eines Materialfehlers vergeben, diesmal geriet er gleich beim ersten der acht Wertungssprünge ins Hintertreffen. Der Vorjahres-Dritte hat mehr als 40 Punkte Rückstand auf Kraft. Vize-Weltmeister Andreas Wellinger reduzierte den Rückstand im Finale als Zehnter auf 24 Zähler.

Von den sechs Österreichern durften nur die zwei Ex-Tourneesieger zufrieden sein. Michael Hayböck kam nach mäßigem Sprung bei Rückenwind mit Glück ins Finale und wurde 27. Manuel Fettner und Clemens Aigner schieden in den k.o.-Duellen klar aus, Daniel Huber wurde wegen eines nicht reglementgemäßen Anzugs disqualifiziert. Er wäre nach verlorenem Duell aber auch nicht als Lucky Loser weitergekommen.

ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin meinte, es sei alles am Limit gewesen. Der Anlauf sei extrem kurz gewählt worden und sehr viele Sprünge hätten den K-Punkt (120 m) nicht erreicht. "Die Verhältnisse braucht man nicht zu kommentieren, keiner hat sich wohlgefühlt auf der Schanze", sagte der Kärntner. Er lobte aber die Arbeit der Jury und die 25.000 Fans, die die Stimmung im Regen hoch gehalten hätten.

Dem verpassten Podestplatz durch Stefan Kraft trauerte Kuttin doch nach. "Es war eine große Enttäuschung, nach der Führung vom Stockerl zu fallen." Der nächsten Station blickte Kuttin dennoch zuversichtlich entgegen. "Garmisch ist derzeit unsere Heimschanze. Das Gefühl der Athleten ist gut, jetzt dorthin zu fahren."

Das Springen im SN-Ticker

Quelle: APA

Mehr zum Thema

Aufgerufen am 14.12.2018 um 03:50 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/vierschanzentournee-kamil-stoch-siegt-stefan-kraft-auf-rang-vier-22359184

Kommentare

Schlagzeilen