Wintersport

Vierschanzentournee: Realist Felder hofft auf ÖSV-Lichtblick am Bergisel

Andreas Felder kennt die aktuelle Situation des ÖSV-Springerteams aus seiner aktiven Zeit und auch aus seiner Trainerkarriere. Bei seinen besten Athleten gibt es ein Auf und Ab, am Neujahrstag folgte in Garmisch neuerlich ein Tiefpunkt. Man dürfe dennoch nicht den Kopf verlieren und keine Panikaktionen setzen, sagte der Cheftrainer und hofft auf den dritten Tournee-Bewerb am Freitag in Innsbruck.

Andi Felders Truppe musste schweren Rückschlag verkraften SN/APA/EXPA/JFK
Andi Felders Truppe musste schweren Rückschlag verkraften

Dass Stefan Kraft mit seinem Scheitern in Garmisch im ersten Durchgang - "mit der Brechstange" - die Chance auf einen vorderen Tournee-Gesamtrang vergeben habe, sei schade, erklärte Felder. "Wir müssen jetzt Springen für Springen schauen. Ich hoffe, dass wir in Innsbruck gleich besser reinkommen, dass das Gefühl besser kommt und dann wird es auch wieder besser gehen. Davon bin ich überzeugt."

Das Team dürfe sich durch schlechte Resultate wie in Garmisch nicht drausbringen lassen. "Das wird uns noch öfter passieren. Wir sind noch nicht so gefestigt, das habe ich von Anfang an gesagt. Da gibt es teilweise eine gute Performance , aber die Sicherheit und Konstanz sind noch nicht da", erklärte Ex-Weltmeister Felder. Es gebe aber auch Lichtblicke, da werde die neue Technik gut umgesetzt. "Da sieht man, die Leute haben was drauf, sie können gut springen."

Kraft erlebte zu Neujahr einen Rückschlag, doch am Mittwoch, dem Ruhetag, gab er sich im Teamquartier in Leutasch schon wieder optimistisch. Er habe in Garmisch nicht 120 m springen und 20. werden wollen, sagte der Ex-Tourneesieger. "Mein Sprung war aber zu aggressiv, daraus muss ich lernen", bekannte der 25-Jährige. "Was passiert ist, ist vorbei. Jetzt freue ich mich auf die Heim-Springen, ich traue mir zu, ganz vorne mitzumischen." Kraft hofft auf eine schöne Kulisse mit zahlreichen heimischen Fans. "Diese gute Unterstützung, die brauchen wir."

Weltmeister Kraft peilt Spitzenplätze an, Daniel Huber und Michael Hayböck orientieren sich an den ersten zehn. "Mit zwei guten Sprüngen kann ich mich zu den Top Ten zählen", sagte Huber an seinem 26. Geburtstag. "Manchmal gehen mit mir im Wettkampf noch die Pferde durch, aber ich kann auch positive Dinge aufbauen, wie den zweiten Durchgang in Garmisch."

Der Salzburger ist bei seiner zweiten kompletten Tournee Gesamt-Zehnter. "Es ist noch Potenzial da. Ich sehe die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr positiv, ich kann meine Leistung unter Druck abrufen", bilanzierte Huber zur Tournee-Halbzeit positiv. Er ist der einzige ÖSV-Athlet, der vier Sprünge in die Wertung brachte.

Hayböck verwies auf den kleinen Abstand zwischen "ganz gut und ganz schlecht". Die letzte Sicherheit fehle, gab der Oberösterreicher zu. "Ich picke mir die positiven Dinge raus, ich weiß, dann kann es für die Top Ten reichen."

Der Sportliche Leiter Mario Stecher betonte, es sei nach der Enttäuschung von Garmisch gar nicht nötig gewesen, die Springer aufzurichten. "Am Abend war die Stimmung schon wieder gut", sagte der frühere Nordische Kombinierer. "Das ist die Voraussetzung, in einen guten Tag am Bergisel zu starten."

Stecher sagte, die Teamführung habe gewusst, wie schwierig es sei, wieder an die Weltspitze zurückzukehren. "Wir sind nicht die Besten, das muss uns klar sein, dafür haben wir auch einen Realisten wie Andreas Felder, der das richtig einschätzen kann. Und das ist der erste Weg zurück zum Erfolg", erklärte der Nachfolger von Ernst Vetttori.

Die Trainerfrage stellt sich für den Team-Verantwortlichen nicht. Befragt, ob der deutsche Bundestrainer Werner Schuster nach dessen Vertragsende im Sommer 2019 ein Thema sein könnte, meinte Stecher, er habe noch nicht in diese Richtung gedacht. "Wir haben einen guten Trainer", sagte der Steirer. Nachsatz: "Wer weiß, was die Zeit hergibt."

Felder meinte, Springern wie Philipp Aschenwald und Markus Schiffner müsse man angesichts der geringen Weltcuperfahrung Zeit geben. Athleten aus der Tournee herauszunehmen, wie es die Slowenen mit den Brüdern Peter und Domen Prevc und die Deutschen mit Severin Freund gemacht haben, sei kein Thema, sagte der Cheftrainer. "Ich glaube, dass wir derzeit hauptsächlich das Wettkampfproblem haben, das lässt sich nur über den Wettkampf lösen. Außerdem, wen sollten wir nachnominieren. Das sind die besten Springer, die wir haben."

Neben dem Tournee-Sextett bietet sich nur noch Gregor Schlierenzauer an, der aber Anfang Dezember einen völligen Neuaufbau seines Sprungs gestartet hat und im Training mit Cotrainer Florian Liegl wieder zur Spitze aufrücken will. "Ihm wollen wir Zeit geben", sagte Felder. "Gregor hat in erster Linie die WM im Visier."

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