Wintersport

Vor der Haustür lief Felix Leitner in die Spitze

Seit neun Jahren kein Stockerlplatz: Der Jüngste im österreichischen Biathlon-Team lässt auf ein Ende der Unserie von Hochfilzen hoffen.






Beim Heimspiel in Hochfilzen tun sich Österreichs Biathleten schon traditionell schwer. Die hohen Erwartungen auf dem eigentlich gewohnten Terrain, der Trubel mit vielen Freunden und Bekannten an der Strecke - das kann belasten. Oder auch beflügeln. Letzteres war beim Weltcupsprint am Freitag bei Felix Leitner der Fall. Der 22-jährige Tiroler lief auf den ausgezeichneten achten Platz, 35,1 Sekunden hinter Sieger Johannes Thingnes Bø aus Norwegen.

Als Vierter im Sprint von Oslo im heurigen März hat Leitner bereits gezeigt, dass ihm die Zukunft gehört. Aber daheim ist es doch etwas anderes. Der in Hall/Tirol aufgewachsene Athlet lebt mittlerweile in Hochfilzen, nur wenige Minuten von der Strecke entfernt. Dort ist er am Tag vor dem Rennen "mit einem Grinser" eingeschlafen: "Im Training habe ich fehlerfrei geschossen, von da her hatte ich ein gutes Gefühl. Besser hätte es dann nicht gehen können." Zwei fehlerfreie Schießserien waren die Basis für das Topresultat, dem schon am Samstag in der Verfolgung ein noch besseres folgen könnte. Zeit wär's: Im Weltcup erreichte zuletzt vor neun Jahren Simon Eder als Verfolgungs-Zweiter einen rot-weiß-roten Hochfilzen-Stockerlplatz.

Diesmal musste Simon Eder wegen Halsschmerzen ebenso von der Couch aus zuschauen wie Teamkollege Dominik Landertinger. Mit zwei Fehlschüssen an den Rand der Scheibe im Liegendschießen verschenkte Julian Eberhard die Chance auf ein Topresultat. "Nicht mein Tag heute", ärgerte sich der Saalfeldner, für den nur Platz 30 herausschaute.

ÖSV-Cheftrainer Ricco Groß sagte: "Felix' Leistung zeigt auch seine Leistungsentwicklung. Er kommt Schritt für Schritt nach vorne. Das war heute der beste Sprint seiner bisherigen Karriere. Er ist wirklich auf einen guten Weg. Bei Julian ist es sehr ärgerlich. Er ist das Rennen engagiert angegangen, hat sich aber Fehler eingehandelt, die er im Trainingsprozess schon nicht mehr macht. Vor allem die Liegend-Fehler hätten nicht sein müssen. Aber angesichts der knappen Zeitabstände ist in der Verfolgung sicher noch einiges möglich."

Kaum einen Bissen runtergebracht

Den großen Druck daheim bestätigt Lisa Hauser, die am Freitag im Frauen-Sprint als fehlerfreie Elfte durchaus zufrieden sein durfte. 2017 war Hochfilzen für sie zum großen Trauma geworden, als sie bei der WM weit unter den Erwartungen blieb. Längst ist die Tirolerin entspannter geworden, aber an diesem Wochenende war selbst das Frühstück daheim in Reith bei Kitzbühel eine Herausforderung: "Ich hab' kaum einen Bissen Brot runtergekriegt", gestand sie nach dem Sprint. Umso glücklicher war sie mit der Null am Schießstand: "Das ist mir in Hochfilzen noch nie gelungen. Endlich kann ich hier einmal mit einer guten Position in der Verfolgung rausstarten."

Der Fortsetzung am Sonntag fiebert auch Katharina Innerhofer entgegen (Platz 24/2 Fehler): "Ich freu' mich richtig auf den Verfolger. Die Fehlschüsse sind ärgerlich, weil ich weiß, dass ich es besser kann." Zuvor steigt für die Frauen am Samstag die Staffel. Da wollen sich vor allem die Deutschen rehabilitieren: Vor tausenden angereisten Fans war Denise Herrmann auf Platz 41 die Beste der Biathlon-Großmacht.

Dorothea Wierer hat auch den zweiten Sprintbewerb der Saison gewonnen. Die 29-jährige Italienerin musste beim Liegendschießen zwar eine Strafrunde in Kauf nehmen, mit der insgesamt drittschnellsten Laufzeit schaffte es Wierer aber erneut auf das oberste Treppchen. Hinter der Weltcup-Titelverteidigerin landete die fehlerlos gebliebene Norwegerin Ingrid Landmark Tandrevold (+5,9 sec.) auf Rang zwei. Das Podest komplettierte die Russin Svetlana Mironova (+ 18,2 sec.) die trotz eines Fehlschusses erstmals in ihrer Karriere den Sprung in die Top-3 schaffte.

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