Wintersport

"Wie schön ist Gröden": Max Franz erlöst sich und das Team

Dem Kärntner gelingt ein mehrfacher Befreiungsschlag - sein Premierensieg ist der wichtigste Aspekt davon.

Max Franz erlöste in Gröden das ÖSV-Team nach einer sieglosen Abfahrtsserie. SN/GEPA pictures
Max Franz erlöste in Gröden das ÖSV-Team nach einer sieglosen Abfahrtsserie.

Er gilt als der frechste Sprücheklopfer im heimischen Abfahrtsteam und man könnte meinen, ihm würde es nie die Sprache verschlagen. Doch Samstag stand Max Franz im Zielraum der Saslong, kämpfte mit den Tränen und meinte nur: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich kann das einfach nur genießen."

Kurz zuvor wollte sich das ÖSV-Team noch an die Interpretation der nächsten Abfahrtspleite machen, da kam mit Nummer 26 Max Franz und hat alles auf den Kopf gestellt. Erster Sieg eines Österreichers in der Grödner Abfahrt seit 2008, erster Sieg in der Abfahrt nach 13 Rennen ohne Erfolg - und vor allem: Es war der erste Weltcupsieg von Max Franz. Viele Jahre fuhr er mit dem überbordenden Lob, der kommende Star im Abfahrtssport zu sein. Das wurde zusehends zur Belastung für den jungen Kärntner, der mal von seinem eigenen Übermut und noch öfter von Verletzungen gebremst worden war. Vor zwei Jahren schlüpfte er in eine Hauptrolle des Streif-Films "Hell of a Ride", das hat den Druck auf seinen Schultern nicht gerade minimiert. So bestritt er in letzter Zeit immer öfter auch sein persönliches Rennen: jenes gegen das Vorurteil, nur ein ewiges Talent zu sein.

Vor genau zwei Wochen fuhr Franz als einer der vielen Geschlagenen von Val d'Isère heim, am Steuer sein Cousin Werner Franz. Der war einst ebenfalls Abfahrer und ist seit dieser Saison Trainer im Abfahrtsteam. "Werner hat mir die ganze Zeit erzählt, wie schön doch die Abfahrt von Gröden sei", meinte Franz, der dieses Gefühl auch immer hatte - auch wenn es im ÖSV auf dieser Strecke nie gelaufen ist in den letzten Jahren. "Warum soll es nicht in Gröden klappen", meinte Max Franz, und das sei die Einstellung gewesen, mit der er in die Dolomiten kam. "Dann ist es auch vom ersten Training an gut gelaufen und ich habe gewusst: Ja, es ist möglich."

Möglich gemacht haben es auch die bis dato unantastbaren Norweger. Kjetil Jansrud wählte eine Linie, die nicht die schnellste war, Aksel Lund Svindal stand bei der Einfahrt in die Ciaslat zwei Mal fast neben dem Tor. Das hat Max Franz am Start mitbekommen und danach auch gewusst: "Ohne Fehler und mit einem starken Finish kann ich ihn schlagen." Am Ende waren es vier Hundertstelsekunden oder 1,16 Meter nach 3446 Abfahrtsmetern, die Franz und Svindal getrennt haben - aber der minimale Zeitunterschied war so bedeutend, dass man im Zielraum die Erleichterung im ÖSV-Team fast schon greifen konnte. Das sprach auch Hannes Reichelt aus: "Es ist gut zu sehen, dass ich ihn im Training schlagen kann. Das zeigt, was auch für mich in den nächsten Rennen möglich ist."

Um das möglich zu machen, fuhr das Team noch am Samstag weiter nach Santa Caterina, wo man am heutigen Montag und am Dienstag mit den Italienern auf jener Strecke trainieren wird, auf der in zwei Wochen der Weltcup mit Super G, Abfahrt und Kombination weitergehen wird. Dort könnte sich fortsetzen, was in den ersten beiden Rennen auch zu beobachten war: Just die Abfahrt wird zur Schlacht um Hundertstel. Mit einer Sekunde Rückstand war man Samstag auf Rang 20 klassiert, zwischen dem Dritten und dem 13. lagen nur drei Zehntelsekunden Zeitabstand oder zehn Meter Differenz. "Das ist einfach nur brutal", meinte Klaus Kröll nach seiner 150. Abfahrt, die für ihn mit Rang 16 geendet hat. Zu den Top 10 fehlten auch ihm nur 0,13 Sekunden.

Aber das waren nur Nebenschauplätze, während Max Franz sichtlich immer noch mit den Tränen kämpfte - die am Ende flossen, als er seinen Vater Max und seinen Onkel Werner Franz (Vater des gleichnamigen Trainers) umarmte. "Mein Vater brachte mir das Skifahren bei, mein Onkel das Rennfahren und beide sind heute hier." Manchmal werden auch Weihnachtsmärchen wahr - oder mit den Worten des Siegers: "Wie schön ist Gröden."

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