Bad Unken

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

In Bad zu Unken, Unkenerbad in Oberrain, gab es eine Heilquelle. Dabei handelt es um nicht mehr bestehende Heilquellen im Sinne der heute gültigen rechtlichen Grundlage für die Anerkennung als Heilquelle im Bundesland Salzburg, dem Salzburger Heilvorkommen- und Kurortegesetz 1997, StF: LGBl Nr 101/1997 (WV) i.d.g.F. [1]

Geschichte

Diese Bad befand sich nahe der Saalach in der Nähe des ehemaligen Postwirts an der Poststraße nach Salzburg auf einer kleinen Anhöhe, Oberrain genannt. Erwähnungen als "Bad Unken" in vorliegenden Quellen finden sich u. a. im Jahr 1869[2] 1872[3] oder 1883[4].

Bevorzugt wurde der Kurort von Beamten, Geistlichen und Landleuten aus der Umgebung, die Linderung bei Gicht, Gliedersteifheit und Lähmungen suchten und fanden.

In Oberrain gab es zwei Quellen, die zur Bade- und Trinkkur verwendet wurden. Beide entsprangen in der Liasformation, namentlich Gervillienkalk mit unterlagertem Dachsteinkalk.[5]

Die Trinkquelle entsprang am Fuß des westlichen Abhanges. Das Wasser sprudelte aus einem gerade nicht kunstvoll gearbeiteten Löwen aus Marmor hervor und floss in ein steinernes Becken. Dieses hatte die Inschrift N.E.R. (1842) MDCCCXLII.

Das Trinkwasser war farb-, geruch- und geschmacklos, sehr erfrischend und perlend. Die Quelletemperatur betrug bei heiterem Wetter im Sommer +4 °R, bei trübem und kaltem Wetter aber +5 R, bei Regenwetter und im Winter verlor es jedoch seine erfrischende Wirkung.

Bei dem Quellbrunnen gab es einen langen gedeckten hölzernen Trinksalon mit Tischen und Bänken.

Die Badequelle entsprang an den Hängen des Achbergs, einige hundert Schritte von der Trinkquelle entfernt. Das Wasser war farb-, geruch- und geschmacklos und die Quelltemperatur betrug +7 °R.

Die Badequelle wurde 1840 vom Salzburger Apotheker Grassberger untersucht. Er analysierte als feste Stoffe Kalkerde, Talkerde, Kohlensäure, sehr wenig Eisenoxydul und Extractivstoff. In der Trinkquelle fand Grassberger an festen Rückständen Kalk- und Talkerde, Spuren von Eisenoxydul, Kohlen- und Kieselsäure.

Phil. Dr. Rudolf Spängler, ebenfalls Apotheker in Salzburg, unterzog im August 1857 die Trinkquelle einer quantitativen chemischen Untersuchung bei einer Lufttemperatur von 29,4 °C an der künstlichen Ausflussöffnung beim Löwen bei einer Temperatur von 5,2 °C (= 4 °R). Das Wasser enthielt in 10 000 Gewichtsteilen 1 142 Gewichtsteile fixen Rückstands: Chlornatrium, schwefelsaures Natron, schwefelsaures Kali, kohlensaure Kalkerde, kohlensaure Bittererde, Kieselerde, Tonerde und Eisenoxyd.

Bei der Badequelle waren es in 10 000 Gewichtsteilen 1 365 Gewichtsteile fixen Rückstands derselben Stoffe wie in der Trinkquelle.

Es gab zwei Badehäuser. Das alte Badehaus stand wenige hundert von der Quelle entfernt, das neue war in Oberrrain, ein Viertelstunde von der Quelle entfernt, errichtet worden.

Das alte Badehaus (Schiederbad, Schütterbad oder Schiedergut genannt) befand sich am anderen Saalachufer, gegenüber von Oberrain. Es war das ursprüngliche Bad, von dem erst später das Wasser nach Oberrain geleitet wurde. In alten Hauschroniken wurde es auch als "Wildbad" bezeichnet (vergleiche dazu Wildbad Gastein). An die Entdeckung der Quelle knüpft eine Legende um eine angeschossene Hirschkuh. Sie soll bereits im 16. Jahrhundert bekannt gewesen sein.

In diesem alten Badehaus, bestehend aus einigen Räumen mit Wärmekessel und fünf Badezimmern mit eben so vielen Badewannen, kurten Mitte des 19. Jahrhunderts etwa 40 Kurgäste jährlich.

Das neue Badehaus am linken Saalachufer war 1842 aus Holz errichtet worden. Im ersten Stock befanden sich neun elegant eingerichtete Zimmer mit Bett und Ofen versehene Badekabinette.

Über einen gedeckten hölzernen Gang konnte man über 81 Stufen vom neuen Badehaus ins Gasthaus in Oberrain gelangen.

Die Bäder wurden meist in den Morgenstunden mit einer Temperatur von 26 bis 28 R verabreicht, und zwar eine Stunde vor oder nach dem Frühstück. Die Dauer eines Bades richtete sich nach den individuellen Fällen und betrugen mindestens 20 und höchstens 60 Bäder je Kur.

Sie waren bei folgenden Indikationen appliziert worden:

  • bei Rekonvaleszenz nach schweren Krankheiten, die die scharfe Gebirgsluft in der Fusch (Bad Fusch) nicht ertragen konnten;
  • zur Erholung und Stärkung nach anhaltenden geistigen und körperlichen Anstrengungen oder zur Zerstreuung für Gemütskranke;
  • bei Tuberkulose, Scrofulose, chronischen Lungen-, Magen- und Darmkatarrhen, bei Heiserkeit in Folge von Kehlkopf-Katarrhen und bie Hämorrhoiden;
  • bei Lähmungen, Krämpfen, Rheumantismus, Gicht und nervösen Krankheiten;
  • bei Bleichsucht, Schleimflüssen und einzelnen nervösen Frauenkrankheiten;
  • als Nachkur von Bädern, nach überstandenen Krankheiten und Operationen u.v.m.

Die meisten kurten zwischen Anfang Juni und Mitte Oktober. Die Frequenz Mitte des 19. Jahrhunderts betrug in Bad Unken durchschnittlich 200 Gäste:

  • 1856: 142
  • 1857: 160
  • 1858: 150
  • 1859: 190
  • 1860: 160

Es gab auch einen eigenen Kurarzt.

Quelle

Einzelnachweise

  1. vgl. S.HVK (Geltende Fassung; Rechtsinformationssystem)
  2. Quelle ANNO, Die Presse, Ausgabe vom 16. September 1869, Seite 17
  3. Quelle ANNO, Salzburger Zeitung, Ausgabe vom 26. Juni 1872, Seite 4
  4. Quelle ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 16. Mai 1883, Seite 2
  5. mehr siehe Unkenertal
Ehemalige Kurorte, Kurbäder und Heilquellen im Land Salzburg