Franz (II.) Xaver Gregor Spängler

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Franz Spängler, um 1908
Franz Spängler an Fanni Schlegel 1871

Franz Xaver Gregor Ezechiel Spängler (Franz (II.) Xaver Gregor Spängler) (* 10. April 1839 in Salzburg[1]; † 24. Jänner 1912 in Krems an der Donau) war ein in Salzburg geborener Dr. jur., k. k. Oberlandesgerichtsrat und Richter in Krems.[2]

Leben und beruflicher Werdegang

Franz Spängler besuchte die Schule in Salzburg; er ging dort 1850 bis 1858 auf das Gymnasium (Akademisches Gymnasium) und schloss im August 1858 mit der Matura „mit Auszeichnung“ ab[3]. Seit der Schulzeit verband ihn relativ enge Freundschaft mit einem Lehrer, Pater Albert Eder, dem späteren Erzbischof von Salzburg Franz de Paula Albert Eder, der mit ihm im August 1853 eine Reise über München, Konstanz, den Hochrhein usw. bis nach Venedig unternahm.

Spängler studierte Rechtswissenschaften in Graz ab Oktober 1858 bis 1860, in Wien ab 1860, wo er im Juni 1862 die erste juristische Staatsprüfung mit Auszeichnung ablegte. Danach war er mehrfach am Salzburger Landesgericht tätig und legte das erste und zweite Rigorosum (Dr. jur.) in Innsbruck im Februar und Mai 1863 ab. Die Richteramtsprüfung war in Wien im Februar 1865; ab April 1870 war er am Bezirksgericht in Mödling, ab November 1874 am Landesgericht in Wien.

Im November 1880 wurde er Bezirksrichter in Pottenstein (Niederösterreich)[4] und seit April 1887 war er am Kreisgericht in Krems; im April 1904 wurde er dort zum Oberlandesgerichtsrat ernannt[5] Im März 1902 bemühte er sich um die Stelle des Vizepräsidenten beim Landesgericht in Salzburg, bekam sie aber nicht. Mit der Pensionierung erhielt er im November den „Orden der Eisernen Krone“.

Familie und Kinder, Ferien in Salzburg

Franz Spängler heiratete am 8. April 1872 im Salzburger Dom Franziska Maria Amalia Schlegel (Fanni; * 1. Juni 1848 in Salzburg; † 21. März 1905 in Krems an der Donau), die Tochter von Stadtarzt Dr. med. Richard Franz Schlegel (* 1811; † 1881) und die geliebte Enkelin von Franziska Kobler (* 1796; † 1886)[6]. Zahlreiche Briefe („Kobler-Spängler-Briefe“[7]) belegen das enge Verhältnis der Familienmitglieder untereinander, besonders mit der Mutter Anthonia Spängler, geb. Lürzer von Zechenthal (* 1803; † 1882), deren Mann Franz Xaver Gregor Spängler bereits 1854 starb, mit dem jüngeren Bruder Otto Spängler (* 1841; † 1919) und mit der „Großmutter“ Fanny Kobler, der „Höllbräuin“, welche die junge Familie auch finanziell unterstützte.

Nach dem Wegzug aus Salzburg waren Mutter und Kinder regelmäßig in den Ferien zu Besuch in Salzburg und berichteten in Briefen dem Vater davon[8]. Man geht mit den Kindern „ins Bad nach Mülln“, Kaffee und Schokolade trinken zu Tomaselli, 1885 gibt es für die Kinder Schwimmunterricht in Leopoldskron und dort machen sie die „Freiprobe“, das Freischwimmen.

Spängler war in vielen Vereinen tätig und u. a. Ehrenmitglied des Wiener Sängerbundes, Aktiver der Liedertafel in Pottenstein und des „Gesang- und Orchestervereins“ in Krems (davon 25 Jahre als Vorstand).

Tagebücher, Sammlungen, weiterer Briefwechsel

Aus den vielen erhaltenen Papieren – Franz Spängler scheint in dieser Hinsicht ein penibler „Sammler“ gewesen zu sein – interessieren hier besonders drei Tagebücher aus den frühen Jahren in Salzburg. Sie berichten (um nur einen Eindruck zu vermitteln) 1860 u. a. vom Neujahrsfest „in angenehmer Gesellschaft bei den Plachetka mit Punsch“, wiederum vom „Punsch mit Ernst Lürzer“, von der Aufhebung der „Landesregierung von Salzburg... nur mehr ein Landeshauptmann (sei) zugleich Bezirksvorsteher... Aber warum?, nach welchem Prinzip? Die Zeit wird es lehren...“ Endlich seien die Fesseln der Festung gesprengt „Gottlob! ...Entwicklung in Salzburg (ist) möglich.“ Fasching wird häufig mit „Gutenberg“ [Guttenberg] gefeiert. Man tanzt und „Papa Duregger“ (Johann Alois Duregger) teilt seine „Pläne hinsichtlich seiner 2 Mädchen“ mit: „Keiner der Herren, wie sie im Saale sind, [wird) eines seiner Mädchen bekommen“ [Otto Spängler heiratete dennoch Louise Duregger!]. Am 19. Juli 1865 ist „Kaiserball verherrlicht durch die Anwesenheit des Kaisers, des Königs v. Preußen, Großherzogs von Hessen, Erzh[erzogs]... nebst Ministern, Generalen, u. Hofchargen...“ Am 29. Juni stirbt Fanny Plachetka... Am 14. September ist „Gaisbergparthie mit Weinwurm u Leopoldine Spängler“.

Franz Spängler sammelte offenbar auch Partezettel und Sterbebildchen, die ihm zugeschickt wurden, u. a. für Eduard Spängler (* 839; † 1883), ein entfernter Cousin, für Friedrich Zeller (* 1838; † 1862) und Carl von Lanser (* 1805; † 1869), für Andreas Sauter (* 1802; † 1872) und Josefine Sauter, geb. Lürzer von Zehendthal (* 1800; † 1872), für Heinrich Ritter von Mertens (* 1810; † 1872); Camilla Mertens, die Tochter des Bürgermeisters, war eine Freundin seiner Frau Fanni, geb. Schlegel). Dazu kommen u.a. die Familien Angermayer, Bauernfeind [Paurnfeind], Gattermayer, Harrer, Kaserer, Lorinser, Schlögelhofer usw. Hier tauchen die Namen aus der Salzburger Gesellschaft auf, die ihm (und seiner Mutter, seiner späteren Frau und deren Großmutter) offenbar wichtig sind.

Besondere Beachtung verdient wieder der Briefwechsel. Briefe von und an seine Frau, z. B. wenn diese mit den Kindern in Salzburg war, sind nummeriert und fast „aktenmäßig“ mit Vermerk über Beantwortung u. ä. versehen. Die Briefe der Großmutter Fanny Kobler wurden gebündelt und aufgehoben. „Durchgeordnet“ war das alles nicht bzw. auf Briefmarken u. ä. eher ausgeschlachtet worden. Aber diese Briefe, oft mit beigelegten Akten und Notizen, geben Einblicke in Alltag und Leben jener Zeit (z. B. oben zu den Ferien in Salzburg). Aus Graz schrieb Franz Spängler 1859 und 1860 dem Bruder Otto vielfach auf Französisch; Schulkenntnisse wurden angewandt. Er lebte 1859 als Student von einem Monatsgeld von 42 Gulden; das Zimmer kostete 6 Gulden, sein Essen 8 Gulden, ein Spazierstock 1,5 Gulden. Die Mutter wurde brieflich gesietzt und angeschrieben mit „An die wohlgeborne gnädige Frau Antonia Spaengler geb. v. Lürzer zu Salzburg“.

Es gibt Einladung und Programm zu einem Gesangsfest im August 1869 in Salzburg. Auf einem Stammbuchblatt verewigte sich Julius Ritter von Plazer. Es gab 1861 einen „mit allen möglichen Kleinigkeiten behängte(n) Christbaum“. Vom 16. Februar 1868 ist die Faschingsausgabe der „Gemeinde-Zeitung“ von „Salzhausen“ aufgehoben worden. Die farbige „Plan-Skizze“ der Stadterweiterung von Salzburg 1861 trägt handschriftliche Notizen. Franz Spängler erhielt 1858 als Halbwaise ein Salzburger Fakultäts-Stipendium von jährlich 300 Gulden.

Die Verlobten tauschten sich aus über die literarischen Werke, die sie zeitgleich lasen. Als Hochzeitsgeschenke gab es 1872 u. a. „von Papa Zeller und Ludwig [Zeller] zusammen ein wunderschönes Teeservice für 12 Personen, von meinen Eltern eine sehr hübsche Kukuksuhr, ein besonderer Wunsch von mir, und heute von der alten Frau Laschensky eine Zuckerzange und eine Salzbüchse samt Schäufelchen von Silber. Wie du siehst, lauter brauchbare Dinge. Ich sehe alle meine hübschen Sachen zuweilen an, und denke, wie schön es sein wird, wenn wir dieselben miteinander benützen werden.“ Die Hochzeitsreise ging nach Venedig (alle Hotelrechnungen wurden aufgehoben). Man ließ sich fotografieren und verschickte Fotos (auch das wird aufgelistet). Und und und. In dieser bunten Zusammensetzung wartet der Briefwechsel noch auf eingehendere Auswertung.

Quellen

  1. Geburts- und Taufschein, ausgefertigt 1842 und Abschrift 1936; Taufnamen: „Franziskus Xav. Maria Antonius Ez.“; bei der Trauung 1872: „Franz Maria Anton Ezechiel“.
  2. Nach ihm ist in Krems die „Spänglergasse“ benannt. Vergleiche "Dr. Franz Spängler", in: Hans Frühwirth: Ihre Liebe galt Krems. 100 Kremser Persönlichkeiten von Gozzo bis Wilhelm. Krems, Kulturamt der Stadt Krems, 1997, S. 218 - 220. ISBN 3-90 16 64-01-9.
  3. Seine Zeugnisse weisen ihn durchgehend von im Schnitt etwa 30 Schülern in einer Klasse als besten Schüler aus, teilweise mit besonderen Preisen bedacht
  4. Seine dort geborene Tochter Johanna Spängler (*1882; † 1973) heiratete den Bürgerschuldirektor und Schulrat Rupert Holzapfel in Krems (* 1868; † 1940), die älteste Schwester Franzi Spängler (* 1877; † 1962) war u. a. Musiklehrerin in Salzburg, Toni Spängler (* 1879; † 1918) heiratete Rudolf von Widerhofer (* 1876; † 1940), Rosl Spängler (* 1880; † 1967) heiratete den Wiener akademischen Maler Oswald Grill (* 1878; † 1964), Franz Spängler (* 1883; † 1964) wurde Rechtsanwalt in Kremsmünster, der jüngste war Otto Spängler (* 1886; † 1918) in Wien.
  5. 1892 hatte er ein jährliches Gehalt von 2.200 Gulden, im September 1898 von 3.000 Gulden. Zum Vergleich: 1886 wurde das (steuerliche) Vermögen der verstorbenen Großmutter seiner Frau, Fanny Kobler, in Salzburg auf insgesamt 35.000 Gulden geschätzt.
  6. Trauungsschein 1872; Trauzeugen waren Alois Spängler, „Privater“, und (der Bruder) Dr. Otto Spängler, „Gemeinderat“. Fanni Schlegel wohnte damals „Marktplatz Nr. 10, 2. Stock“ [heute Alter Markt Nr. 10].
  7. Im Besitz der Familie; O. Holzapfel, Freiburg i. Br.; z. T. übertragen, neu geordnet und referierend aufgelistet.
  8. Sie wohnten dann bei der Großmutter im Höllbräuhaus in der Judengasse, heute Radisson Altstadthotel, Adresse z. B. „Fanni Spängler, bei Fanny Kobler, in der Hölle, Salzburg“.