Grand Hôtel de l'Europe

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Das Grand Hôtel de l'Europe in den 1930er-Jahren.
Das Grand Hôtel de l'Europe in den 1930er-Jahren.
Stadtansicht von Kulstrunk Salzburg Stadtansicht 1916 Detail: Grand Hôtel de l'Europe
Stadtansicht von Kulstrunk, Stadtansicht 1916, Salzburg Hauptbahnhof mit Grand Hôtel de l'Europe (rechts)
Das Hôtel de l'Europe

Das Grand Hôtel de l'Europe in der Elisabeth-Vorstadt gegenüber dem Salzburger Hauptbahnhof war das erste Luxushotel der Landeshauptstadt Salzburg.

Geschichte

Das Hotel wurde 1865 unter der Leitung von Georg Jung aus Baden-Baden eröffnet. Nachdem Jung erkrankte holte er 1875 seinen Sohn Georg nach Salzburg, der es bis zu seinem frühen Tod im 42. Lebensjahr 1899 führte. Ihm folgte dessen Sohn Georg nach († 1934).

Das "Grand Hôtel de l'Europe" wurde von Louis Jung in Auftrag gegeben und in den Jahren 1863 bis 1865 nach Plänen des Baden-Badener Architekten Lang von der Salzburger Baufirma Valentin Ceconi errichtet. Es war damals das erste Luxushotel Salzburgs und eines der modernsten und führendsten Häuser in der österreichisch-ungarischen Monarchie. So verfügte es neben 110 Zimmer über zahlreichen Speise- und Unterhaltungsräumen zum Beispiel über eine damals noch wenig bekannte und in Salzburg einmalige "American Bar", die vom späteren Besitzer, dem Maler Georg Jung (* 1899; † 1957), in den 1930er-Jahren mit Dekorationen ausgestattet wurde. Es gab auch eine eigene Hauskapelle, in der jede Sonntag eine englischer Gottesdienst gehalten wurde.[1]

In den Jahren seines Bestehens folgten zwei große Aus- und Umbauphasen, um es den jeweiligen Bedürfnissen seiner Zeit anzupassen. Nach Plänen der Architekten Jakob Ceconi (* 1857; † 1922) und Karl Pirich (* 1875; † 1956) wurde es 1894 erheblich ausgebaut und modernisiert. Im Zuge einer erneuten Erweiterung und Umgestaltung durch Max Fabiani in den Jahren von 1907 bis 1908 erhielt es die bekannte repräsentative Auffahrtsseite und eine lange, geschwungene Gartenfront.

Ausstattung und Blütezeit

Das nunmehrige "Grand Hôtel de l'Europe" verfügte über 300 Zimmer und Appartements, Musik-, Rauch-, Billard-, Lese- und Damensalons sowie über größere Hallen, in denen Konzerte abgehalten werden konnten, Lifte, Veranden, Terrassen und über ein eigenes Kurbad. Das Herzstück war der 60 000 m² große, einladende, Hotel eigene Park, durch den 1898, nur wenige Wochen vor ihrem Tod, Kaiserin Elisabeth von Österreich wandelte und in dem von 1901 bis 1925 auch das an sie erinnernde Kaiserin-Elisabeth-Denkmal stand. Ein Hausorchester sorgte für Unterhaltung. In der hauseigenen Kuranstalt gab es Fichtennadel- und Lichtbäder, im Park einen Rasen-Tennisplatz. Für die englischen Gäste wurde Fünf-Uhr-Tee kredenzt.

Ein Höhepunkt der Amtsperiode des Salzburger Bürgermeisters Rudolf Biebl war am 19. September 1877 die Zusammenkunft des österreichisch-ungarischen Außenministers Graf Gyula Andrássy mit dem deutschen Reichskanzler Otto Fürst Bismarck im Hôtel de l'Europe.

1916 trafen sich einige interessierte Persönlichkeiten im Grand Hôtel de l'Europe und beschlossen die Gründung der Salzburger Festspiel-Gemeinde.

Am 9. Februar 1928 brannte es in den oberen Stockwerken des Hotels.

Gemeinsam mit dem Aufschwung der Salzburger Festspiele in den 1930er-Jahren erlebte auch das Grand Hôtel de l'Europe seine Blütezeit. Kaiser und Könige, Adelige aus aller Herren Länder und die Stars der noch jungen Spielfilmära zählten genauso zu den Gästen wie führende Persönlichkeiten aus der Finanz-, Industrie- und Kunstwelt. Mit dem Postamt "Salzburg 8" war damals sogar eine eigene Poststelle – mit dazugehörigem Sonderstempel – im Hotel untergebracht.

In der Zwischenkriegszeit wurden 5-Uhr-Tees und Tanzabende im Park des Hotels veranstaltet. Dabei wurden in den Kronen der mächtigen Bäume Beleuchtskörper gehängt. Am Samstag, den 18. Juli fand der erste Tanzabend im Jahr 1925 statt.[2]

Verkauf und Zerstörung

1935 übernahm der Sohn des Kommerzialrats Georg Jung, ebenfalls ein Georg, den Hotelbetrieb. Dieser, ein ausgezeichneter Maler und seit 1922 vornehmlich in der Kaiserstadt Wien tätig, beschäftigte sich nach der Betriebsübernahme einige Zeit mit Fresko, Sgraffito und Möbelentwürfen, stattete selbst die "American Bar" mit Dekorationen aus, widmete sich dann aber doch wieder seiner eigenen Laufbahn als Künstler. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verkaufte er das "Grand Hôtel de l'Europe" an das Generalkommando der Deutschen Wehrmacht, die das Gebäude dem Bedarf des Militärs anpasste und darin für die Zeit des Zweiten Weltkrieg ihren Hauptsitz einrichtete.

1938 wurde das Hotel an die Deutsche Wehrmacht verkauft. 1944 fiel es teilweise einem Bombenangriff zum Opfer. In den ersten Nachkriegsjahren diente es (in teilweise stark beschädigten Zustand) als Flüchtlingsquartier. 1949 wurde das einst mondäne Gebäude gesprengt.

Am 17. November 1944 wurde das ehemalige Hotel durch eine amerikanische Fliegerbombe schwer beschädigt. Es war beim dritten Bombenangriff auf Salzburg, knapp nach 12 Uhr mittags, als die 15. Air Force der amerikanischen Luftwaffe aus etwa 8 000 m Höhe das Gelände um den Salzburger Hauptbahnhof bombardierte.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs diente die Ruine als Durchgangslager für Flüchtlinge, vorwiegend für die als "Displaced Persons" bezeichneten Juden aus osteuropäischen Ländern, die auf dem Weg nach Israel waren, bevor die letzten Überreste des einst mondänen Baus ab 3. März 1949 gesprengt wurden.[3]

Nachfolgende Flächennutzung

Auf der einst weitläufigen und geräumigen Parkanlage wurden in den 1950er- und 1960er-Jahren größtenteils gesichtslose und mehrstöckige Wohn- und Geschäftshäuser errichtet.

In der Nähe des alten Hotels der Gründerzeit entstand in den Jahren 19561957 nach Plänen des Architekten Josef Becvar mit dem 15-geschossigen "Hotel Europa" das erste Hochhaus der Landeshauptstadt.

Aus der Gästeliste

Kaiserin Elisabeth von Österreich war zumindest kurz vor ihrem Tod, auf der Reise nach Genf, zu Gast in diesem Hotel; weiters besuchte es der deutsche Kaiser Wilhelm I., der Komponist Richard Strauss und der englische König Eduard VIII.

Fremden - Verzeichniß vom 1. Juni 1865: Hr. H. M. Goldschmid von Wien. Hr. Generalmajor Graf Gondrecourt, Obersthofmeister Sr.k. k. Hoheit des durchl. Herrn Erzherzogs Rudolf. Hr. L. M. Kaljevitz, Rentier aus Serbien. Hr. L. M. Kalyerit von Belgrad.[4]
Fremden - Verzeichniß vom 17. Juni 1869: Sir Wheler, brit. General. Mr. Walker u. Mr. Tuppe, Rentiere von London. Hr. v. Wangelin, Landrath von Jena.[5]

Hôtel oder Grand Hôtel

Namensnennung 1908 "Grand Hotel de l'Europe" in einer Werbung ganz unten.

Auf einer historischen Aufnahme[6] erkennt man den Schriftzug Grand-Hôtel de l'Europe über dem Eingangsportal. Und auf einer Parte von Kommerzialrat Georg Jung († 1934) liest man den Zusatz Grand-Hotel.[7] Auch in etlichen Ausgaben der Allgemeine Automobil-Zeitung[8] wird vom Grand-Hôtel de l'Europe als Treffpunkt des Salzburger Automobil-Clubs geschrieben. Auch bei Inseraten in den 1920er-Jahren findet sich die Nennung als "Grand Hotel de l'Europe".[9]

Im Salzburger Amtskalender wird das Hotel in der Westbahnstraße 15, später am Bahnhofplatz wie folgt geschrieben:

1876-1877 als "Hôtel del' Europe",
1878-1879 als "Hôtel de l'Europe",
1880-1885 als "Hôtel Europa",
1886-1905 als "Hôtel l'Europe" und
1906-1913 als "Grand Hôtel de l'Europe" bezeichnet.
1918 heißt es "Großgasthof Europa",
1921-1939 "Hotel Europe".

Die vor 1920 gängige Schreibweise des Wortes "Hotel" war mit accent circonflexe (^)- "Hôtel".

Literatur- und Quellenangaben

Einzelnachweise

  1. ANNO, Neue Freie Presse, Ausgabe vom 1. Juni 1865, Seite 8 und Ischler Bade-Liste ANNO, Ausgabe vom 24. Juni 1865, Seite 4
  2. Quelle anno, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 20. Juli 1925, Seite 7
  3. Befreit und besetzt, Stadt Salzburg 1945–1955, Seite 303
  4. ANNO, Salzburger Zeitung, Ausgabe vom 2. Juni 1865, Seite 4
  5. ANNO, Salzburger Zeitung, Ausgabe vom 18. Juni 1869, Seite 3
  6. www.facebook.com
  7. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 4. Dezember 1934, Seite 7
  8. ANNO, Allgemeine Automobil-Zeitung, Ausgabe vom 15. September 1923, Seite 2
  9. ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 12. Jänner 1928, Seite 12