Kulstrunk-Panorama

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Kulstrunk-Panorama, Detail, Neustadt und Andräviertel
Karte

Das Kulstrunk-Panorama oder "Die Stadt Salzburg im Jahre 1916" von Franz Kulstrunk ist ein großformatiges Gemälde, auf dem die Stadt Salzburg und ihr Umland aus nördlicher Sicht dargestellt ist. Es hängt im Rathaus der Stadt und ist öffentlich zugänglich (2. Stock).

Entstehung

Franz Kulstrunk, Hauptwerk: "Die Stadt Salzburg im Jahre 1916"

Das monumentale Panorama "Die Stadt Salzburg im Jahre 1916", von Franz Kulstrunk zwischen 1914 und 1921 gemalt, ist wohl sein bekanntes Werk [1]. Das Bild entstand durch Konstruktion aus einer Reihe von Teil-Skizzen oder Teil-Bildern nach der freien Natur.

Beschreibung

Kulstrunk zeigt die Stadt Salzburg und die sie umgebende Landschaft an einem überwiegend sonnigen Herbsttag, nachmittags etwa gegen 16 Uhr, abzulesen am Schattenwurf des Mönchsbergs über die Salzach und am Schatten markanter Gebäude. Einige Haufenwolken stehen am Horizont und die Schatten nicht sichtbarer Wolken bedecken dunkel mehrere Bereiche im Bild. Das Laub am Kapuzinerberg ist braun verfärbt, im Hochgebirge ist noch kein Schnee gefallen, so wie das gegen Ende September oder Anfang Oktober jahreszeitlich zutreffend ist.

Für den Betrachter nimmt Kulstrunk künstlerisch eine ungewöhnlich hohe Vogel-Perspektive ein. Die Sichtachse von Schloss Mirabell auf die Festung Hohensalzburg in der Bildmitte dient uns als Orientierungshilfe. Deren Entfernung zueinander beträgt in natura etwa 1300 Meter. Folgt man dieser Achse in nördlicher Richtung und verdoppelt etwa das Maß, so liegt der Standpunkt des Betrachters etwa drei km im Norden bzw. im Nordwesten der Stadt, genau über der Salzach, etwa in 1000 m Höhe. Aus dem Blickwinkel der Steighöhe der ersten Flugzeuge portraitiert Kulstrunk in seinem Gemälde die Schönheiten des Stadtbildes vor dem grandiosen Panorama der nördlichen Kalkhochalpen. Im Unterschied zum Sattler-Panorama zeigt Kulstrunk jene Stadtteile, die dort nicht zu sehen sind, insbesondere die gesamte Neustadt, sowie Mülln, Lehen, Riedenburg und Maxglan.

Stadterweiterung

Dargestellt sind die Erweiterungen des Stadtgebiets und signifikante Bauten aus der Zeit von 1860 bis 1916, die wir (bau-)kunsthistorisch als Gründerzeit oder Belle Époque bezeichnen. Die Weiterentwicklung der Stadt fand hauptsächlich im Norden und Westen von Salzburg statt. Um diese darstellen zu können, nimmt Kulstrunk auch einen neuen, damals wie heute ungewöhnlichen Blickwinkel ein.

rechts der Salzach

(im Bild links)

Die rechte Altstadt wurde durch die Regulierung der Salzach erweitert. Im Neubaugebiet entlang der Schwarzstraße sehen wir viele repräsentative Bauten wie Österreichischer Hof, Stadttheater, Mozarteum sowie die Christuskirche und den Makartsteg, die auch heute noch das Stadtbild der Neustadt prägen.

Die Neustadt beginnt an der Paris-Lodron-Straße, die im Norden jener gut zu erkennenden Grünzone liegt, die durch den Klostergarten der Kirche St. Maria Loreto und den Sebastiansfriedhof gebildet wird. Das Andräviertel präsentiert sich als schmuckes Neubaugebiet mit vielen wuchtigen Großbauten aus der Gründenzeit. Wir blicken die Rainerstraße hinunter bis zum Platzl, parallel östlich dazu führt die Faberstraße hindurch. Quer dazu verläuft halbbogenförmig die Franz-Josef-Straße, deren Ende auf die Kapuzinerberg zuläuft. Mitten drin steht die Andräkirche, damals mit zwei spitz aufragenden Turmdächern.

Die Elisabeth-Vorstadt ist ein neuer Stadtteil, der von Max-Ott-Platz, Rainerstraße, Humboldtstraße und Plainstraße eingegrenzt wird. Wir sehen direkt auf das Fünfhaus, das erste und für lange Jahre auch einzige moderne Zinshaus in Salzburg. In Froschheim zur Salzach hin gelegen ist der Schlachthof.

Das Schallmoos ist noch freie Landschaft und reicht bis an die heutige Lasserstraße bzw. die Rupertgasse heran. Die Bayerhamerstraße führt durch ausgedehnte Wiesen.

links der Salzach

(im Bild rechts)

Das Dorf Maxglan, damals noch eigene Ortsgemeinde, ist vom Stadtgebiet durch weitläufige Wiesen getrennt. Trennende Linien sind die Aiglhofstraße und Moosstraße. Im Westen erkennen wir Alt-Maxglan und dahinter liegend die Stieglbrauerei. Nach Süden bzw. Südosten führt die Nussdorferstraße zur Moosstraße. Nördlich von Alt-Maxglan liegt Neu-Maxglan, das an der Bayernstraße endet. Zur Riedenburg hin liegt der heute nicht mehr existente Eisweiher, wo im Winter das Eis für die Stieglbrauerei gewonnen wurde, das in Kellern lagernd früher zur Kühlung des Bieres verwendet wurde.

Zwischen Mönchsberg und Rainberg eingebettet liegen gründerzeitliche Neubauten. Mitten drin steht die Sternbrauerei, deren Schornstein hoch auf ragt. In der äußeren Riedenburg sehen wir die Riedenburgkaserne und die Neubauten entlang der Späthgasse. Zwischen der äußeren Neutorstraße und der Riedenburger Straße befindet sich ein gepflegter Wiesenbereich, von Bäumen quadratisch eingesäumt. Ab hier sichtbar ist der Müllner Arm des Almkanals, der hinab mäandert zum Neubaugebiet an der Augustinergasse und weiter fließt zur Mühle des Augustinerbräus.

Die Müllner Kirche dient als Orientierungspunkt. Am Mönchsberg dahinter liegen die Stadtbefestigungen der Müllner Schanze. Das Augustiner Bräustübl ist eine weitläufige Anlage, mit Arkadengängen und wird eine hohe Umfassungsmauer geschützt. Zu sehen sind das St. Johanns-Spital und die Krankenhauskirche St. Johannes. Die Müllner Hauptstraße und ihre Verlängerung führen durch einen Hohlweg geradewegs nach Norden in Richtung Lehen herunter.

Hier sehen wir den "Lindhof" (wie der "Aiglhof" früher hieß). Es war ein alter Adelssitz, einst im Besitz des Geschlechts der Aigl, und gehört seit 1604 zum Erzstift St. Peter.

Institutionen und Technik

Das Gemälde dokumentiert den Endstand der gründerzeitlichen Bauentwicklung in der Stadt. Gleichzeitig präsentiert es die Errungenschaften des technischen und wirtschaftlichen Fortschrittes am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Der Hauptbahnhof, errichtet 1860 an der damaligen Kaiserin-Elisabeth-Westbahn, liegt vor der Stadt bzw. am Stadtrand. Auf dem weiten Bahnhofsgelände fahren Dampfzüge ein oder aus, auf den Gleisen warten verschiedene Güterwaggons auf das Verschieben. Vor dem Hauptbahnhof warten geschlossene Droschken und offene Fiaker auf Fahrgäste. Vis-à-vis davon steht die Umsteigestation zur Roten Elektrischen und Gelben Elektrischen und fährt je ein roter wie ein gelber Triebwagen. Der Bahnhofsvorplatz ist als Park gestaltet. Nicht weit entfernt ist das berühmte Hôtel de l'Europe mit den beiden riesigen Zimmertrakten (heute nicht mehr existierend). Dahinter sehen wir ein Viadukt, dass in Richtung Schallmoos führt.

Die Salzach ist durchgängig vom Nonntal bis zur Lehener Brücke ein regulierter Fluss, den moderne Hochwasserschutzbauten in ein enges Flussbett gezwungen haben. Nur bei Mülln sehen wir noch eine größere Sand- und Kiesbank.

Von Lehen sehen wir nur den Teil in Nähe zur Ludwig-Viktor-Brücke (heute: Lehener Brücke). Als wichtige neue Infrastruktur steht dort das städtische Gaswerk, von dem sich die Gaswerkgasse ableitet. Auf der Ignaz-Harrer-Straße, die nur südseitig bebaut ist, fährt ein einziges Automobil, eine Staubwolke hinter sich nachziehend. Ein paar Fußgänger und ein Radfahrer sind das ganze Verkehrsaufkommen; welch ein gewaltiger Unterschied, bedenkt man, wie viele Fahrzeuge hier 100 Jahre später verkehren.

Altstadt u. Schloss Mirabell (Bildmitte)

Die Altstadt mit der Festung Hohensalzburg liegt in der Bildmitte und ist detailgetreu wiedergegeben. Während die Altstadt im Sattler-Panorama großen Raum einnimmt, tritt sie bei Kulstrunk zurück. Dies ist bedingt durch die Perspektive, aber auch künstlerisch beabsichtigt, ist doch die Neustadt und deren Stellenwert das Hauptmotiv.

Der Mirabellgarten ist ein öffentlich zugänglicher Ort geworden, entsprechend halten sich dort zahlreiche Bürger oder erste Touristen auf.

Salzburg avancierte durch die Moorvorkommen in Leopoldskron-Moos zum Kurort und Heilbad. Im Kurpark sehen wir das erste Kurhaus, mit Front zur Rainerstraße und einer markanten Badekuppel. Weiters den Rundbau, in dem das Sattler-Panorama früher gezeigt wurde.

Landschaften und Berge

Zu sehen ist auch der Süden von Salzburg, ein paradiesischer Landschaftsgarten vor der großartigen Kulisse von Gosaukamm und Schlenken im Osten, dem Tennengebirge, Hagengebirge und Hohen Göll im Süden sowie im Westen dem Unterberg, der sich mächtig aus der Landschaft erhebt. Nach Süden hinunter führen nur drei Hauptstraßen: die Aigner Straße, die Nonntaler Hauptstraße und die Moosstraße. Die Szenerie im Süden wirkt vertraut, denn diese ist glücklicherweise weitestgehend erhalten.

Bildergalerie: Bildbereiche

Bildergalerie: Stadtteile

Bildergalerie: Details

Quellen

  • Mag. Thomas Schmiedbauer, eigene Bildbeschreibung und kunsthistorische Interpretation nach Besichtigungen vom 25., 26. und 27. Jänner 2016

Weblink

Bildlink

Verweise

Fußnoten