Rathaus der Stadt Salzburg

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Rathaus (Stadt Salzburg), gesehen von der Hettwerbastei am Kapuzinerberg unterhalb des Kapuzinerkloster Ansicht: Nord nach Süd
Karte
Der Eingang zum Rathaus aus der Sigmund-Haffner-Gasse gesehen
Die Statue der Justitia am Rathaus von Hans Waldburger
Wappen der Stadt Salzburg und Rathaus-Schild
Die alte Steinmauer im Salzburger Rathaus

Das Rathaus der Stadt Salzburg in der Salzburger Altstadt ist ein viergeschossiges Gebäude mit Rokokofassade und einem das Stadtbild prägenden, charakteristischen kleinen Turm. Es zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Stadt Salzburg.

Lage

Das Salzburger Rathaus befindet sich zwischen dem Kranzlmarkt im Süden, dem Rathausplatz und dem Anfang der Getreidegasse im Westen, dem Rudolfskai und der Salzach im Norden, sowie dem Alten Markt im Osten.

Adressen

  • Kranzlmarkt 1
  • Rudolfskai 2

Geschichte

Der erste Versammlungsort, an dem bisweilen Bürgermeisterwahlen stattfanden, war das Haus Waagplatz 1, dem ersten Stadtzentrum. Das gegenüberliegende Haus Waagplatz 3, wurde als Am Brodmarkt oder am Heumarkt bezeichnet und in oder vor ihm fand die erste Schranne von Salzburg statt. Genauere Angabe zu diesem Haus und ob es bereits als "Rathaus" bezeichnet wurde, fehlen.[1]

Das heutige Rathaus

Im 14. Jahrhundert nutzte das Patriziergeschlecht der Keutzl den Keutzlturm als Handelskontor und Lager, sowie als Wohngebäude. Am 22. März 1407 kaufte die Salzburger Bürgerschaft den Keutzturm. Seither ist hier der älteste Sitz der Stadtgemeinde Salzburg.

Ab der Zeit des Fürsterzbischofs Kardinal Matthäus Lang und später dann unter Wolf Dietrich von Raitenau verloren aber Rathaus, Bürgermeister und Stadtrat an Bedeutung. Ihre Funktionen begrenzten sich in der Zeit der großen Fürsterzbischöfe auf Repräsentations- und Verwaltungsaufgaben.

Während der Regierungszeit von Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems (16121619) wurde der früher freistehende Wohnturm verstärkt und etwa um das doppelte erhöht, sowie vollständig mit einem polygonalen Gebäude, das bis an die alte Stadtmauer heranreichte, im Stil der Renaissance umbaut und weitestgehend in das heutige räumliche Erscheinungsbild gebracht.

Bei der Neugestaltung des Rathauses (16161617) wurde das gesamte Gebäude mit dem Keutzlturm von Malermeister Wilhelm Weißenkirchner mit Fassadenmalerei geschmückt. Man konnte Allegorien der verschiedenen Tugenden, Szenen aus der römischen Geschichte sehen, die ähnlich wie jene im großen Saal des Rathauses in farbigem Stuck ausgeführt waren. Weiters waren zwölf heidnische Kaiser und andere Landesfürsten zu sehen, das Wappen des Erzstifts und des damaligen Fürsterzbischofs Markus Sittikus zu sehen. Aufgrund des Klimas hielten diese Fresken jedoch kaum 60 Jahren. Fürsterzbischof Max Gandolf von Kuenburg (16681687) ließ sie übermalen.

Die Figur der Justitia in einer Nische an der Außenfassade weist auf die frühere Funktion des Hauses als Gericht hin und stammt von Hans Waldburger, geschaffen 1616.

1772 wurde die heutige Rokokofassade hergestellt.

Erst im 19. Jahrhundert erstarkte dann wieder der politische Einfluss der Bürgerschaft, damit des Gemeinderates und des Salzburger Bürgermeisters. Das Rathaus war früher auch der Sitz des Bürgermeisters, seit 1947 ist dieser nun im Schloss Mirabell.

Innengestaltung

Vom Eingang am Kranzlmarkt führt eine Prunktreppe in den ersten Stock zur Säulenhalle, die heute als Galerie Säulenhalle genutzt wird, hinauf. Die Säulenhalle ist eine Halle mit zwei Schiffen und fünf Jochen. Vier dorischen Säulen aus Untersberger Marmor, sowie zwölf Pilastern aus Konglomerat tragen ein flaches Kreuzgradgewölbe. Der Boden ist mit Adneter Marmor ausgelegt.

Im zweiten Stock befindet sich das kleine Sitzungszimmer und großer Sitzungssaal, der über jahrhundertelang als Sitz und Tagungsort der Bürgerschaft diente. Der große Vorraum war auch ein Veranstaltungsort für Tanz und Theater, bis 1893 das Stadttheater erbaut wurde. Besonders beliebt war der Brauttanz.

Das Rathaus bot auch Arbeitsraum und Unterkunft für Stadtschreiber, Stadthebamme und Stadtprediger, sowie der Bürgergarde der Stadt Salzburg.

Stadtansicht von Kulstrunk

Die Stadtansicht von Kulstrunk "Die Stadt Salzburg im Jahre 1916" von Franz Kulstrunk ist ein großformatiges Gemälde, auf dem die Stadt Salzburg und ihr Umland aus nördlicher Sicht dargestellt ist. Es hängt im Rathaus der Stadt (2. Stock) und ist öffentlich zugänglich.

Älteste Pflasterboden Salzburgs

2006 wurden im Keller des Rathauses Mauern aus der Zeit des 12. Jahrhunderts und ein Münzschatz aus dem 17. Jahrhundert gefunden. Der bisher älteste Pflasterboden Salzburgs liegt etwa drei bis vier Meter unter dem heutigen Straßenniveau und besteht aus großen, sorgfältig verfugten Salzachsteinen, aus dem 12. Jahrhundert stammend, die hier unter Leitung des Stadtarchäologen Wilfried Kovacsovics freigelegt wurden. Auch ein Rest der alten Stadtmauer der Stadt Salzburg aus der Zeit der ersten Befestigung der Stadt ist hier freigelegt. In den letzten Jahren wurde das Gebäude unter Leitung von Ing. Rüdiger Schobersberger restauriert.

Turm des Rathauses

Generalsanierung

Von März 2011 bis Juni 2012 wurde das Rathaus um 3,6 Millionen Euro generalsaniert. Die Planung stammte von den beiden Salzburger Architekten Erich Wagner und Max Rieder. In dem der alte Lichthof im Inneren umgestaltet wurde, erhielt das Rathaus einen Lift und ist das Gebäude jetzt barrierefrei. Die Technik wurde auf einen zeitgemäßen Standard gebracht. Der Lichthof wurde zudem nach außen geöffnet und entstand dadurch ein neues Durchhaus mit einem gläsernen überdachten Innenhof, wodurch die Funktionalität und das Wohlfühlklima im Gebäude angehoben wurde. Im zweiten Stock wurde der Sitzungssaal des Gemeinderates technisch auf den letzten Stand gebracht und der Kleine Senatssitzungssaal adaptiert. Im vierten Stock ist die Bürgergarde der Stadt Salzburg mit einer Waffen- und Kleiderkammer untergebracht. Dort befindet sich auch der Aufgang zum Glockenturm. Im Erdgeschoß kamen die neue Geschäfte von Hugo Boss und Alfons Schuhbeck hinzu. Die frühere Buchhandlung Alpenverlag im Rathausbogen sperrte zu.[2]

Die Polizeibeamten der Wachstube Rathaus fanden während des Umbaus Ersatzunterkünfte in den Räumen des ehemaligen "American Express" am Mozartplatz, das Stadtgremium tagte in der TriBühne Lehen.

Schräges Stiegenhaus

Das schräge Stiegenhaus und der mit Glas überdachte Innenhof gehen auf eine Planung der beiden Salzburger Architekten Erich Wagner und Max Rieder zurück.

Bildergalerie des schrägen Stiegenhauses

Nutzung

Das Rathaus ist heute gemischt genutzt.

  • im Erdgeschoß befinden sich nur mehr Geschäfte.
  • im 1. und 2. Obergeschoß befindet sich die traditionelle "Wachstube Rathaus" der Polizei, wo etwa 40 Beamte auf 640 Quadratmetern ihren Dienst versehen.
  • im 1. Stock wird die Säulenhalle von der Säulenhalle mit wechselnden Ausstellungen von Salzburger Künstlern und Künstlerinnen bespielt.
  • im 2. Obergeschoß sind der große und der kleine Sitzungssaal des Gemeinderates.
  • im 3. Obergeschoß befindet sich das Kontrollamt, sowie weitere Büro des Magistrat
  • im 4. Obergeschoß befinden sich die Bürgergarde der Stadt Salzburg, sowie Resmann Couture

Am 1. Jänner 1856 eröffnete dann die Salzburger Sparkasse im Rathaus ihre erste Bankfiliale.

In den 1960er-Jahren wurde das Dachgeschoß zum Zweck der Büronutzung ausgebaut. Das tragende Gebälk besteht aus Eichenholz aus dem 16. Jahrhundert, das mit Rinderblut (weil Eisen enthaltend) haltbar gemacht wurde. An der Hohlkehle wurde damals ein Sgrafitto, das die Errichtung der alten Stadtmauer durch die Bürgerschaft zeigte, weil verfallen, entfernt. Ein Foto davon wird im Stadtarchiv verwahrt.

Angrenzende Gebäude

Unmittelbar neben dem Rathaus steht das vermutlich älteste erhaltene Patrizierhaus der Stadt Salzburg (Kranzlmarkt 3).

Bildergalerie

Alte Ansichten von 1710 (nach der gleichen Vorlage ausgearbeitet)

Bilder

 Rathaus der Stadt Salzburg – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Quellen

Einzelnachweise

  1. Quelle Franz Valentin Zillner: Geschichte der Stadt Salzburg, zwei Bände, in drei Teilen, Salzburg 1885–1890, Seite 271 (bei https://archive.org/details/bub_gb_M5MJAAAAIAAJ/page/n284 Internetabfrage] Seite 284)
  2. Salzburger Nachrichten, 19. März 2011, Aus Stadt und Land, Seite 12