Arbeit ist genug da, aber derzeit leider nicht für alle

Am düsteren Horizont des Arbeitsmarktes blitzt ein Lichtstreif auf. Hoffentlich ein Anstoß für die Politik, richtige Schlüsse zu ziehen.

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Wirtschaft | National & International Richard Wiens

Gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt gab es lange nicht, man freut sich schon über kleine Erfolge. Einen solchen gibt es für November zu vermelden, die Zahl der Arbeitslosen sank um ein Prozent, dafür waren 3,8 Prozent mehr Menschen in Schulungen. Hinter dem relativen Minus verbirgt sich eine absolute Zahl, 3624 Personen haben wieder einen Job. Schön für jeden Einzelnen, aber an den grundlegenden Problemen auf dem Arbeitsmarkt ändert das wenig.

Die erkennt man bei einem genaueren Blick in die Arbeitsmarktstatistik. Da zeigt sich, dass vom Rückgang nur Männer profitiert haben, die Zahl der arbeitslosen Frauen stieg sogar leicht an. Es kann auch keine Rede davon sein, dass Ausländer den Österreichern die Jobs wegnehmen, im Gegenteil. Es sind rund 6000 Inländer weniger arbeitslos, während 2400 Ausländer mehr auf der Straße stehen. Erfreulicherweise sank die Zahl jugendlicher Arbeitsloser um 4100, die Kehrseite ist, dass sich 5700 über 50-Jährige auf die mühsame Suche nach einem Job machen müssen. Gleichzeitig gibt es 40.000 offene Stellen, die niemand will oder für die niemand passt.

Die Arbeitslosigkeit, wenn auch kurzfristig niedriger, hat sich auf einem stabil hohen Niveau eingependelt, bei dem Arbeitslose und Arbeitskräfte verschiedener Gruppen oft nur die Plätze tauschen.

Der Arbeitsmarkt spiegelt, wie die Wirtschaftspolitik wirkt und wie erfolgreich Betriebe beim Schaffen von Jobs sind. Umgekehrt zeigt er, wo man ansetzen kann. Junge brauchen die bestmögliche Ausbildung, alle anderen so viel Weiterbildung wie möglich. Bei arbeitslosen Ausländern und anerkannten Flüchtlingen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu dieser Gruppe stoßen werden, geht es um rasche Integra tion, zuoberst durch Erwerb der deutschen Sprache.

Die Arbeitszeitverkürzung, der Arbeiterkammer und Gewerkschaft das Wort reden, würde an der hohen Arbeitslosigkeit nichts ändern. Die Rechnung, dass Menschen, die Vollzeit plus Überstunden arbeiten, nur kürzertreten müssten, um Platz für andere zu schaffen, geht nicht auf. Selbst wenn Beschäftigte in AK und ÖGB ihr Arbeitspensum auf 35 Stunden reduzierten, entstünde dort vermutlich nicht eine zusätzliche Stelle, weil angebotene und nachgefragte Qualifikation nicht im Einklang stehen. Warum es gesamtgesellschaftlich funktionieren soll, noch dazu, wenn es ohne Lohneinbuße erfolgen soll, ist ein bisher nicht entschlüsseltes Rätsel. Arbeit werden viele Menschen erst wieder haben, wenn sie für Jobs, die da sind, und jene, die erst entstehen, qualifiziert sind.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 08:53 auf https://www.sn.at/wirtschaft/arbeit-ist-genug-da-aber-derzeit-leider-nicht-fuer-alle-834259

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