Das Problem sind nicht die älteren Arbeitnehmer

50 plus, das klingt in unserer Arbeitswelt, als sei man ein schwer kranker Patient oder zumindest in Gefahr. Welch ein Unsinn.

Autorenbild
Wirtschaft | National & International Karin Zauner

Ältere Arbeitnehmer, und viele werden jetzt den Atem anhalten, weil sie mit 50 plus längst dazugehören, scheinen ein großes Problem zu sein. Wer mit über 50 arbeitslos wird, hat es schwer, einen neuen Job zu finden. Wenn in Betrieben gespart wird, richtet sich der Blick zuerst auf die Älteren. Sie sind teuer und leisten eh nimmer so viel wie die Jungen, heißt eines der gängigen Vorurteile. Die Regierung sagt, sie wolle mit einer Lockerung des Kündigungsschutzes Arbeitgeber motivieren, Ältere einzustellen, und kündigt eine Beschäftigungsaktion für Ältere an. Nichts als Probleme mit den Alten.

Auf der anderen Seite sitzen an den Hebeln der Macht von Politik und Unternehmen in der Regel Menschen jenseits der 50. Sie werden respektiert und geschätzt. Doch in dem Moment, in dem sie ihren Job verlieren, wird ihnen gleich auch die Leistungsfähigkeit abgesprochen. Eine blitzartige Metamorphose scheint hier auf wundersame Art und Weise zu passieren.

Es stimmt: Im Laufe der Jahre nimmt die Muskelkraft ab und auch die geistigen Fähigkeiten verändern sich, doch ohne dass die Qualität sinkt. Konkret ist es so, dass sich Jüngere schnell und motiviert Neues aneignen. Ältere lernen langsamer, verknüpfen aber Neues rasch mit Vorhandenem. Schwierige Lösungen finden Ältere oft schneller als Jüngere. Mit dem Älterwerden geht aber auch ein Zuwachs an sozialer Kompetenz einher. Diese und ähnliche Fakten über die körperlichen und mentalen Veränderungen von Menschen müssten Führungskräfte wissen, um ihr Personal gut einsetzen zu können. Da die Gesellschaft insgesamt altert, ist dies auch ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Unternehmen.

Es ist das Verhalten von Führungskräften, das die Einsatz- und Leistungsbereitschaft von Jüngeren und Älteren beeinflusst. Wer über Jüngere herzieht oder über Ältere die Nase rümpft, schwächt die Leistungen. Wer Ältere und Jüngere falsch einsetzt, auch.

Ein wesentlicher Faktor ist zudem die Einbindung von Älteren in den Weiterbildungsprozess der Unternehmen. Wer hier außen vor gelassen wird, ist schnell ganz draußen.

Natürlich spielen auch bei älteren Arbeitnehmern deren Eigenmotivation und ihre persönlichen Anstrengungen eine Rolle. Doch allgemein betrachtet ist nicht der arbeitende Mensch über 50 das Problem, sondern das Unwissen von Führungskräften, fehlende Wertschätzung und ständig erzählte Halbwahrheiten über diese Altersgruppe.

Aufgerufen am 19.09.2018 um 07:11 auf https://www.sn.at/wirtschaft/das-problem-sind-nicht-die-aelteren-arbeitnehmer-389197

Schlagzeilen