Die digitale Arbeitswelt ist weder Fluch noch Segen

Die Arbeitswelt 4.0 ist Faktum. Verhandelbar ist nur mehr der Rahmen dafür. Doch der muss dem Menschen entsprechen.

Autorenbild
Wirtschaft | National & International Karin Zauner

Arbeitswelt 4.0, das ist die Verschlüsselung von Verheißung und Angst. Es bedeutet nichts weniger als die Revolution der Arbeitswelt durch Digitalisierung und Vernetzung. Verheißung, weil es Arbeitnehmern und Unternehmen ermöglicht, zeit- und ortsunabhängig je nach Angebot und Nachfrage flexibel zu arbeiten oder arbeiten zu lassen. Programmieren, wenn der Kleine schläft, kein Problem. Ein Projekt konzipieren, wenn es regnet, und dafür spontan am sonnigen Wintertag ins Gebirge fahren, auch das ist möglich. Doch der Verheißung steht die Angst gegenüber, nach 20 Uhr programmieren zu müssen, wenn die Kinder im Bett sind, und dass es Flexibilität nur für eine Seite gibt, die Arbeitgeber.

Aber ist das der Digitalisierung anzulasten? Sicher, die Vernetzung von jedem und allem mit jedem und allem wirft Fragen auf, aber diese Fragen sind nicht neu: Wie halten wir es mit der Mitbestimmung in Betrieben, wie mit den Arbeitszeiten? Das ist doch ein alter Hut. Das Problem ist, dass viele im Namen der Digitalisierung alle Grenzen fallen lassen. Arbeitnehmer und Selbstständige, die Laptops und Mobiltelefone nicht mehr abschalten. Arbeitgeber, die glauben, Digitalisierung ist eine einzige Einsparungs maschinerie, und daher immer weniger Mitarbeiter zu immer mehr Arbeit zwingen, während sie selbst für die digitale Veränderung keinen Plan haben. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat in einer Mitarbeiterbefragung erhoben, dass 46 Prozent der Befragten angeben, dass sich die Belastung im Job durch die Digitalisierung erhöht hat, jeder Zweite erlebt Störungen und Unterbrechungen in den Arbeitsabläufen, jeder Dritte sieht sich mit widersprüchlichen Anforderungen konfrontiert. Da hilft es nicht, die Digitalisierung zu verteufeln. Denn ihr Siegeszug ist Faktum. Wer hier nicht mitkann, ist verloren.

Damit eine Arbeitswelt 4.0 gelingt, braucht es mehr Hirnschmalz und den Willen, für die neuen Möglichkeiten einen Rahmen zu schaffen, der den Menschen entspricht. Das muss in den Betrieben und auf politischer Seite passieren. Wahrscheinlich wird es künftig ein flexibleres Regelwerk geben, als wir das heute in der Arbeitswelt kennen. Daher wird es mehr denn je nötig sein, dass Unternehmer, Mitarbeiter und Interessenvertreter miteinander reden und vor allem einander zuhören. Die Basis dafür ist, dass die digitale Arbeitswelt weder verdammt noch als Heilsbringer betrachtet wird. Fix ist, dass der Mensch auch in der Arbeitswelt 4.0 die Schlüssel rolle spielen wird. Ein oft übersehenes Argument.

Aufgerufen am 19.09.2018 um 10:37 auf https://www.sn.at/wirtschaft/die-digitale-arbeitswelt-ist-weder-fluch-noch-segen-883075

Schlagzeilen