Die Familienplanung ist nicht Sache des Chefs

Apple und Facebook zahlen Frauen das Einfrieren ihrer Eizellen. Für diese absurde Frauenförderung gibt es aber Gründe.

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Wirtschaft | National & International Karin Zauner

Um die Jobs in ihren Konzernen für Frauen attraktiver zu machen, bezahlen Facebook und Apple sie dafür, ihre Familienplanung aufzuschieben. Konkret übernehmen sie die Kosten für das Einfrieren von Eizellen, damit die Mitarbeiterinnen später schwanger werden und erst einmal Karriere machen können.

Der Kampf um die besten Talente hat damit zweifellos eine neue Dimension erreicht. Die erste reflexartige Reaktion mündet in der Frage: Sind die IT-Bosse in den USA komplett verrückt geworden? Muss tatsächlich alles, auch das Kinderkriegen, der Wirtschaft untergeordnet werden? Dürfen die Kinder künftig erst kommen, wenn der Vorstandsvorsitzende grünes Licht gibt? Etwa dann, wenn wegen einer kleinen wirtschaftlichen Schwäche ohnehin gerade ein paar Mitarbeiter nicht gebraucht werden. So werden Frauen unter Druck gesetzt, zum "richtigen" Zeitpunkt schwanger zu werden. Den gibt es aber nicht.

Schon jetzt bekommen Frauen tendenziell immer später und weniger Kinder. Angebote wie von Apple und Facebook könnten diese Entwicklung verstärken. Das wiederum hätte enorme Auswirkungen auf die Gesellschaft. Doch hier muss man sich anschauen, warum Frauen immer später oder gar keine Kinder bekommen. Untersuchungen zeigen, dass sich die Babypause nicht nur kurzfristig auf die Höhe des Gehalts und die Aufstiegschancen von Frauen auswirkt, aber späte Mütter weniger weit zurückfallen als junge. Gleichzeitig haben Frauen mit Führungsverantwortung seltener Kinder als Männer in vergleichbaren Positionen, und sie sind auch öfter kinderlos als andere Frauen. Viele Frauen wollen heute mit dem Kinderkriegen warten, um sich zuvor im Beruf festigen zu können. Das ist ihr gutes Recht, ihr alleiniges Recht und ihre Privatsache. Doch mit 38 oder 42 Jahren ist es oft zu spät für Kinder. Eingefrorene Eizellen sind zwar keine Garantie für eine Schwangerschaft, aber zumindest erhöhen sie die Chancen enorm.

Der Vorstoß von Apple und Facebook muss äußerst kritisch betrachtet werden. Er zeigt aber drastisch auf, dass weder die Unternehmen noch die Politik bisher gute Lösungen für die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie bieten konnten. Er zeigt auf, dass die Wirtschaft dringend Frauen braucht. Zudem muss zugestanden werden, dass eine junge Generation von Frauen möglicherweise anders ans Thema Kinderkriegen herangeht, als es die heute 40- oder 50-Jährigen getan haben. Dazu könnte auch gehören, dass sie das Einfrieren von Eizellen in jungen Jahren als kluge Reproduktionsversicherung betrachten.



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