Im Tangoschritt munter in die Tiefpreisfalle

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Wirtschaft | National & International Helmut Kretzl

"Wer billig kauft, kauft teuer." Dass an dieser Verbraucherweisheit einiges dran ist, zeigt sich spätestens dann, wenn der neue Kaffeeautomat just zwei Monate nach Ablauf der Garantie den Geist aufgibt. So geil kann Geiz gar nicht sein, dass das nicht nerven würde.

Hand aufs Herz: Wer kann sich auf Dauer den Schalmeienklängen der schönen neuen Warenwelt verschließen, wie sie uns täglich in Form von Farbprospekten und TV-Werbung ins Haus kommt? Und ist es nicht interessant zu sehen,
dass nicht die teuren Produkte am heftigsten beworben werden, sondern die billigen, die Schnäppchen, Preisschlager und Tiefpreis-Tangos?

Das folgt einer großen Logik. Auch auf dem Markt für Elektrogeräte gibt es zwei starke gegenläufige Trends. Zum einen die hochwertige Schiene, die Wert auf Innovation, Qualität oder/und Ressourcenfreundlichkeit legt. Das hat seinen Preis, wobei Qualität und Preis steigerbar sind - solange es Menschen gibt, die sich das leisten wollen und können.

Zugleich gibt es den Trend in die Gegenrichtung: Günstige Produkte, die oft das Gleiche versprechen wie das höherwertige Segment. Mit dem verlockenden Argument, bei (praktisch) gleicher Leistung viel billiger zu sein. Doch anders als nach oben gibt es nach unten sehr wohl eine Grenze, gezogen von Gestehungskosten, Material, Personal, Vermarktung und Gewinn. Man muss kein Einstein sein, um zu sehen, dass sich das nicht ausgehen kann.

Auch wenn es nicht sexy klingt: Vor Abzocke kann man sich nur durch Information und Besonnenheit schützen. Und durch das ehrliche Hinterfragen seiner Bedürfnisse. Sonst landet man in der Tiefpreisfalle.

Aufgerufen am 15.11.2018 um 03:55 auf https://www.sn.at/wirtschaft/im-tangoschritt-munter-in-die-tiefpreisfalle-1054771

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