In Europas Luftfahrt wird die Luft dünner

In die vorweihnachtlichen Düfte mischt sich Kerosin. Die Airline-Branche kommt auch über die Feiertage nicht zur Ruhe.

Autorenbild
Wirtschaft | National & International Helmut Kretzl

Vieles liegt in den Tagen vor Weihnachten in der Luft. In den verführerischen Duft von Vanillekipferln, Lebkuchen und Tannennadeln mischt sich auch ein Hauch von Kerosin. Nicht nur, weil sich die seit Jahren mit ihrer Unternehmensführung im Clinch liegenden Piloten von Lufthansa und auch der Billigtochter Eurowings soeben auf einen Weihnachtsfrieden geeinigt haben - damit ist für viele ein Urlaub über die Feiertage gesichert.

Doch ungeachtet dessen vollzieht sich in der deutschen Luftfahrt ein in seiner Tragweite kaum zu überschätzender Umbau der gesamten Branche. Der hat - wegen der natürlichen internationalen Ausrichtung der Branche und ihrer Eigentumsverhältnisse - auch massive Auswirkungen auf Österreich.

In Kürze: Air Berlin, die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, wird in drei Teile zerschlagen, die Lufthansa hat gute Karten, am Ende gestärkt aus diesem Prozess hervorzugehen. Die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki kommt mit dem Ferienflieger Tuifly in ein neues Gemeinschaftsunternehmen, das sich auf Charter- und Ferienverkehr konzentrieren soll. Damit dreht sich der Konzentrationsprozess in der europäischen Luftfahrt um einen Tick weiter.

Österreich ist von dieser Entwicklung hochgradig mitbetroffen - und kann und muss diesen Prozess aktiv mitgestalten. Und zwar in mehrfacher Weise. Zum einen profitiert die AUA indirekt von der Übernahme der Air-Berlin-Flugzeuge durch Lufthansa, weil die AUA-Mutter damit ihre führende Stellung in Europa weiter ausbaut und sich damit einen bisherigen Konkurrenten vom Hals geschafft hat.

Zudem kann die AUA fünf Flugzeuge aus der Air-Berlin-Flotte (über einen sogenannten Wet-Lease-Vertrag) kostengünstig samt Personal dazumieten, damit ihre Kapazitäten erhöhen und so wohl auch einige bisherige Strecken aus dem Netz von Air Berlin übernehmen. Nicht so eindeutig positiv ist die Auswirkung auf die bisherige Air-Berlin-Tochter Niki, die sich in der neuen Konstellation erst bewähren muss. Dazu muss es ihr gelingen, als neuer Ferienflieger im Verbund mit Tuifly aggressive Billigkonkurrenten wie Ryanair oder Easyjet mit günstigeren Kosten und Preisen in die Schranken zu weisen.

Bleibt der Kunde. Bedeutet der Wegfall eines Mitbewerbers höhere Preise? Nicht unbedingt. Noch gibt es genug Mitbewerber, die für Wettbewerb sorgen. Wer aber auf der sicheren Seite sein will, sollte nicht zu lange zuwarten und buchen. Doch Vorsicht: Die Silvesterrundflüge der AUA sind schon ausgebucht.

Aufgerufen am 23.09.2018 um 08:43 auf https://www.sn.at/wirtschaft/in-europas-luftfahrt-wird-die-luft-duenner-594172

Schlagzeilen