Manchmal ist es des Guten zu viel - sogar beim Geld

Notenbanker tun Wirtschaft und den Menschen mit der Geldflut nichts Gutes mehr. Es ist Zeit, dass die Politik sich ihrer Aufgaben besinnt.

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Wirtschaft | National & International Richard Wiens

Geld. Mehr Geld. Noch mehr Geld. Klingt eigentlich gut, ist es aber nicht. Nicht mehr. Die Notenbanken feuern aus allen Rohren - sie überschwemmen die Welt mit Geld, und das bereits seit dem Spätherbst 2008. Acht Jahre sind ins Land gezogen seit dem Fall von Lehman Brothers, der eine Finanz- und Wirtschaftskrise zur Folge hatte. Aber keine Rede davon, dass sich die Weltwirtschaft von diesem Schock nachhaltig erholt hat. Im Gegenteil - die Konjunktur lahmt, die Arbeitslosigkeit ist hoch und das Vertrauen in das Geldgewerbe ist im Keller. Die Zinsen auch.

Die Notenbanker haben zu Beginn alles getan, um den Kollaps des Finanzsystems zu verhindern. Sie haben ihre Lektion aus der Geschichte der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre gelernt und Bankensystem und Wirtschaft mit Geld versorgt. So wurde verhindert, dass die Menschen in Scharen zu den Banken laufen und ihr Erspartes abheben. Aber die positiven Effekte des raschen Agierens haben sich längst ins Gegenteil verkehrt. Die Umverteilung von den Vermögenden zu den Schuldnern ist in vollem Gang.

Die Geldpolitik schadet vor allem den Sparern. Sie machen die bittere Erfahrung, dass Banken ihr Geld nicht mehr wollen und ihnen keine Zinsen mehr zahlen. Dagegen entschulden sich die Staaten, und jenen, die über hohe Bonität verfügen, zahlen die Investoren sogar noch etwas dafür, dass sie ihnen Geld borgen dürfen. Deutschland musste seit 2008 rund 120 Mrd. Euro weniger für den Schuldendienst aufwenden. Das lässt Finanzminister Wolfgang Schäuble zumindest über eine Steuersenkung nachdenken.

Gut so, aber dabei darf es nicht bleiben. Gerade das Beispiel Deutschland zeigt, dass es zu einfach ist, allein den Notenbankern den schwarzen Peter zuzuschieben. Den Schlüssel zur Rückkehr in eine normale Welt, in der es etwas kostet, wenn man sich Geld ausleiht, und man etwas bekommt, wenn man es verborgt, halten längst andere in der Hand - die Politiker. Statt sich nur über den niedrigeren Zinsendienst zu freuen, sollten sie den finanziellen Spielraum für kluge Investitionen nutzen. Und sie sollten arbeitenden Menschen und Unternehmern Hindernisse aus dem Weg räumen. Nur wenn die wieder Mut fassen und ihr Vertrauen in die Politik und das Geldsystem zurückgewinnen, wird es wieder aufwärtsgehen.

Den Notenbankern muss man daher zurufen: "Es reicht. Lasst es gut sein, wir brauchen nicht mehr Geld." Und an die Politiker ist zu appellieren: "Es reicht nicht. Strengt euch an. Ihr braucht nicht mehr Geld, ihr müsst es nur besser und klüger verwenden."

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