Wirtschaft

Metaller-Marathon für 1,7 Prozent mehr Lohn

KV-Abschluss nach 16 Stunden: Löhne und Gehälter stiegen zwischen 1,2 und 2 Prozent. Arbeitnehmer verzichten dafür auf Freizeitoption.

Metaller-Marathon für 1,7 Prozent mehr Lohn SN/motorradcbr - Fotolia
Die Metaller-Löhne steigen im Schnitt um 1,68 Prozent.

Auch heuer brauchte es eine "Marathonsitzung", bis sich die Metaller auf einen Kollektivvertrag (KV) für die 120.000 Mitarbeiter der Maschinen- und Metallwarenindustrie einigten. Das ist tiefgestapelt, denn Marathon-Veranstalter sperren die 42,2 Kilometer lange Strecke in der Regel nach sechs Stunden. Nach dieser Zeit gab es bei den Verhandlungen in der Nacht auf Freitag gerade die erste Klopause. Die entscheidende vierte Verhandlungsrunde dauerte noch weitere zehn Stunden, bis sie am Freitag gegen 6 Uhr in der Früh endete.

Die Löhne und Gehälter steigen mit Anfang November um durchschnittlich 1,68 Prozent. Das Plus beträgt je nach Einkommensklasse zwischen 1,2 und 2,0 Prozent, niedrige Gehälter steigen prozentuell stärker. Weiters einigten sich der Fachverband FMMI und die Gewerkschaften ProGe und GPA-djp auf die vollständige Anrechnung von Karenzzeiten etwa für Urlaubsansprüche. Und die Unternehmer erklärten sich bereit, die Lehrlingsfahrtkosten zum Berufsschulinternat vollständig abzugelten.

Im Gegenzug verzichteten die Gewerkschafter auf die im Vorjahr vereinbarte Wahlmöglichkeit, sich die KV-Erhöhung in Form von Geld oder Zeit abgelten lassen zu können, die sogenannte Freizeitoption, wenn Arbeitnehmer und Unternehmen dazu bereit sind. Auch die von den Arbeitnehmervertretern zuletzt geforderte Mindesterhöhung von 75 Euro ging nicht durch, das wäre ein Plus von 4,3 Prozent auf den bisherigen Mindestlohn (1750 Euro) gewesen.

ProGe-Chefverhandler Rainer Wimmer ist stolz, angesichts der nicht einfachen Rahmenbedingungen "in einer Gruppe den Zweier zum Vorschein gebracht zu haben, das ist enorm gut". Und die Karenzregelung sei ein "Meilenstein". 2015 gab es eine Lohnerhöhung um 1,5 Prozent - dafür war damals allerdings eine 24-stündige Marathonsitzung notwendig. Auch FMMI-Obmann Christian Knill spricht von einem "schon hohen Abschluss" für die Industrie, den er auch verstanden wissen will "als Anerkennnung der tollen Leistungen, die die Mitarbeiter bei uns machen". Und er will damit auch das im Vorjahr eingeführte Zeitkontomodell ein für alle Mal abgegolten wissen.

Nach der jüngsten Einigung liegt der neue Branchen-Mindestlohn bei 1785,03 Euro. Die Verhandlungspartner legten dem diesjährigen Abschluss eine Inflation (über die vergangenen zwölf Monate) von 0,73 Prozent zugrunde. Dieser Wert sei auch Ausgangspunkt für die Gebote von Industrieseite gewesen, war zu hören. Zunächst hatten Industrievertreter die Gewerkschafter-Erstforderung von drei Prozent vehement zurückgewiesen.

Ökonom Marcus Scheiblecker vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) spricht von einem Abschluss, "der ökonomisch Sinn ergibt".

Manche Verhandler ließen am Freitag den Wunsch nach weniger schlafraubenden Schlusssitzungen durchblicken, darüber könne man reden. Aber zunächst stand für sie einmal Ausschlafen auf der Agenda.

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