20 Dinge, die in Österreichs Wirtschaft gut laufen

20 Dinge, die in Österreichs Wirtschaft gut laufen

Standortbestimmung. Am Wirtschaftsstandort Österreich gibt es viel zu kritisieren. Aber es gibt auch einiges zu loben.

Wir Wirtschaftsjournalisten schreiben oft darüber, was schiefläuft in Unternehmen, in Interessenvertretungen, in der Wirtschaftspolitik - das gehört zu unserem Job. Von Journalisten wird zu Recht verlangt, dass sie genau hinschauen, dass sie im Dienst ihrer Leser Tatsachen und Vorgänge kritisch hinterfragen und schreiben, was Sache ist. Erst recht, wenn es um krumme Sachen geht. Stoff gibt es genug, denn in vielen Bereichen gibt es tatsächlich einiges zu kritisieren und zu verbessern. Und oft geht es zu langsam.

Wir finden aber, dass es nicht schadet, hin und wieder den Blick auch darauf zu lenken, was gut läuft in Österreich - und das ist gar nicht so wenig. Die aufgelisteten Punkte sind eine subjektive Auswahl und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber sie sollen zeigen, dass der Wirtschaftsstandort Österreich bei all seinen Unzulänglichkeiten, die in diversen Rankings immer wieder zu Recht benannt werden, auch viele Stärken aufweist. Und die werden von in- und ausländischen Unternehmen und auch ihren Mitarbeitern geschätzt und tragen wesentlich zu deren Erfolgen und damit Österreichs Wirtschaftsleistung bei. In diesem Sinn: Vorhang auf!

#1 Hidden Champions

Österreich hat mehr Weltmarktführer, als man glaubt. 200 sogenannte Hidden Champions - also in der breiten Öffentlichkeit oft kaum bekannte Unternehmen, die aber in ihrer Nische weltweit zur Spitze zählen - sind es laut der Fachhochschule Campus 02 in Graz. Zählt man bekannte Betriebe wie Palfinger dazu, sind es 250. Groß gemacht hat sie die Kleinheit des Landes, die zum Export kreativer Ideen zwang.

#2 Bio

Bio ist längst mehr als eine winzige Nische. Jeder fünfte Landwirt in Österreich ist Biobauer, in Regionen wie dem Salzburger Pinzgau sind es sogar 65 Prozent. Und acht Prozent der in Österreich verzehrten frischen Lebensmittel sind biologisch erzeugt.

#3 Sozialpartnerschaft

Vor 70 Jahren gegründet, wirft man ihr vor, sie bremse als institutionalisierte Nebenregierung bei wichtigen Reformen und lähme so die Wirtschaft. Dabei haben laut einer Umfrage von Unique Research sieben von zehn Österreichern eine gute oder sehr gute Meinung von den Sozialpartnern. Dass sie ein Garant für den sozialen Frieden sind, ist statistisch belegt. Sowohl bei der Zahl der Streiks als auch den verlorenen Arbeitstagen pro 1000 Mitarbeitern weist Österreich im internationalen Vergleich extrem niedrige Werte aus.

#4 Duale Berufsausbildung

Die Lehre im Betrieb kombiniert mit der Berufsschule - ist trotz aller Probleme mit mangelnden Rechen-, Schreib- und Lesekenntnissen der Schulabgänger ein Erfolgsmodell. 2017 machten rund 100.000 junge Menschen in fast 29.000 Betrieben eine Lehre. Sie bilden das Rückgrat von Österreichs Facharbeitern, deren Qualität international gelobt wird. Attraktiv macht die Lehre, dass sie nicht den Verzicht auf höhere Bildungsabschlüsse bedeutet, weil begleitend die Matura abgelegt werden kann. Umgekehrt erhöhen immer mehr Maturanten über eine Lehre ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

#5 Kollektivvertragsverhandlungen

Die jährlichen Verhandlungen sind für manche ein überkommenes Ritual, für andere der Garant für faire Einkommen. Auch wenn sie oft langwierig und zäh verläuft, zählt die Lohn- und Gehaltsfindung über Kollektivverträge zu den Standortvorteilen gegenüber Deutschland. Während dort die Durchdringung mit Kollektivverträgen seit den 1990er-Jahren von 85 auf unter 60 Prozent gesunken ist, arbeiten in Österreich 98 Prozent der Arbeitnehmer nach Kollektivvertrag.

#6 AMS

Das zuletzt gescholtene Arbeitsmarktservice funktioniert gut, auch wenn die Migrationswelle eine große Herausforderung darstellt. AMS-Vorstand Johannes Kopf ist ein blitzschneller Analytiker und gibt der Politik oft die Marschrichtung vor, was nicht allen gefällt. Und er lässt nicht locker mit Versuchen, die Mobilität der Arbeitskräfte innerhalb Österreichs zu erhöhen.

#7 Betriebliche Gesundheitsförderung

Gesunde Mitarbeiter sind für Unternehmen ein entscheidender Faktor. Das Netzwerk Betriebliche Gesundheitsförderung unterstützt als Partner dabei die Wirtschaft und hat Regional- und Servicestellen in allen Bundesländern. Gemeinsam mit den Betrieben werden Angebote entwickelt.

#8 Kooperation

Die Kooperation zwischen Universitäten und Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Exemplarisch sei das Projekt addmanu genannt, das sich mit der Stärkung der österreichischen Wertschöpfungsketten für generative Fertigung in der industriellen Produktion beschäftigt. Daran wirken neben einem europäischen international tätigen Luft- und Raumfahrtunternehmen aus Österreich zwölf Industriebetriebe, zwei technische Universitäten sowie drei nationale Forschungseinrichtungen mit.

#9 Arbeitsstiftungen

Wenn in einem Unternehmen durch Insolvenz oder Umstrukturierung massenhaft Jobs wegfallen, gibt es die Möglichkeit von Arbeitsstiftungen. Über die können Betroffene neue Qualifikationen erwerben. Zuletzt wurde sogar präventiv eine Branchenstiftung für 4500 Bankangestellte geschaffen, da in der Branche durch die Digitalisierung ein Jobabbau droht.

#10 Start-ups

Die USA werden immer wieder als Start-up-Eldorado gepriesen. Doch auch Österreich bietet viele Möglichkeiten bei der Finanzierung. Allein die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) fördert Start-ups mit 62 Millionen Euro. Dazu kommen etliche Bundes- und Länderförderungen.

#11 Steuerdisziplin

Die Steuereinnahmen sprudeln, die Steuerdisziplin im Land ist im internationalen Vergleich sehr hoch, zeigen Studien. Das elektronische Portal FinanzOnline erleichtert für bereits 4,7 Millionen Teilnehmer die Kommunikation mit dem Finanzamt.

#12 Vertretungen im Ausland

Die Außenwirtschaft Austria, Internationalisierungs- und Innovationsagentur der heimischen Wirtschaft, funktioniert sehr gut. Das melden die im Ausland tätigen Unternehmen regelmäßig zurück. Mit mehr als 100 Stützpunkten in über 70 Ländern steht die Außenwirtschaft den Unternehmen mit Expertise und Kontakten zur Seite.

#13 Ansiedelungen

344 Unternehmen aus aller Welt haben 2017 entschieden, sich in Österreich anzusiedeln. Sie investierten rund 725 Mill. Euro und sorgten für knapp 2700 neue Arbeitsplätze. Ein Rekordjahr für die staatlichen Betriebsansiedler der Austrian Business Agency, deren Bilanz sich auch langfristig sehen lassen kann. Seit der Gründung 1982 wurden mit ihrer Unterstützung von internationalen Unternehmen rund 57.7000 Jobs geschaffen und 9,2 Mrd. Euro investiert.

#14 Tourismus

Über den Tourismus und seine Unternehmer wird in Österreich gern geschimpft: Zu viele Urlauber, miese Jobs und schlechte Bezahlung. Fakt ist: Mit einer gesamten Wertschöpfung von 56,5 Mrd. Euro sorgen Tourismus und Freizeitwirtschaft für 16,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Zahl der Übernachtungen stieg 2017 auf den Rekordwert von 140,9 Millionen. In rund 49.000 Gastronomiebetrieben und 16.000 Hotels finden 220.000 Menschen Arbeit.

#15 Arbeitssicherheit

Europaweit sticht Österreich auch in Sachen Arbeitssicherheit und Betreuung nach Arbeitsunfällen heraus. Die Unfallrate je 1000 Beschäftigungsverhältnisse war mit 24,27 (nach 24,49) 2017 so niedrig wie noch nie, auch die Zahl der Krankenstandstage nach Arbeitsunfällen war historisch tief.

#16 Sanierungskultur

Im Vorjahr wurden 3025 Unternehmensinsolvenzen eröffnet. Österreich hat hier eine beispiellose Sanierungskultur: Ein Drittel der Unternehmen schafft einen Sanierungsplan und arbeitet weiter.

#17 Lebenslanges Lernen

Lebenslanges Lernen ist ein Muss für Berufstätige. Wer sich für Weiterbildung entscheidet, kann mit dem Arbeitgeber eine Bildungskarenz vereinbaren und sich ganz freistellen lassen oder im Rahmen von Bildungsteilzeit die Arbeitszeit reduzieren. In beiden Fällen erhält der Angestellte eine finanzielle Leistung vom Arbeitsmarktservice. Das sichert Unternehmen besser gebildete Mitarbeiter und diesen ihre Jobs. Und es erhöht auch ihre Aufstiegschancen.

#18 Betriebsräte

66.000 Betriebsräte in rund 8000 Betriebsratsgremien gibt es in Österreich. Die Zahl ist rückläufig, aber die innerbetriebliche Sozialpartnerschaft funktioniert gut. So gut, dass sich die Wirtschaft wünscht, mehr im Betrieb und weniger auf Branchenebene über den Kollektivvertrag zu regeln. Die Gewerkschaft kontert, dass es kaum Modelle gebe - etwa über kurzfristige Mehrarbeit -, die nicht umgesetzt werden könnten.

#19 Kurzarbeit

Die Finanzkrise hat es gezeigt: In Österreich funktioniert Kurzarbeit. Sie hilft den Betrieben über schwierige Zeiten hinweg und sichert den Mitarbeitern Jobs.

#20 Drehscheibe

Als Drehscheibe zwischen Ost und West ist der Flughafen Wien-Schwechat ein Argument für die Ansiedlung internationaler Unternehmen. Mit 45 direkten Flugverbindungen nach Ost-/Südosteuropa ist Wien so gut angebunden wie kaum eine andere Stadt. 2017 wurden von Wien 2,1 Millionen Passagiere nach Osteuropa befördert.

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Aufgerufen am 24.05.2018 um 03:52 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/20-dinge-die-in-oesterreichs-wirtschaft-gut-laufen-27688615

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