Wirtschaft

Ältere Arbeitskräfte sind im Vormarsch

Die Erwerbsbeteiligung der über 55-Jährigen steigt in den nächsten Jahrzehnten kräftig an, den größten Zuwachs gibt es bei den Frauen.

Das Arbeitskräfteangebot nimmt weiter zu, weil die Zahl der Menschen, die sich am Erwerbsleben beteiligen, steigt. SN/fotolia
Das Arbeitskräfteangebot nimmt weiter zu, weil die Zahl der Menschen, die sich am Erwerbsleben beteiligen, steigt.

In Österreich wird das Angebot an Arbeitskräften in den nächsten Jahrzehnten weiter zunehmen - weil Menschen zuwandern und weil sich mehr Personen am Erwerbsleben beteiligen werden. Laut der aktuellen Erwerbsprognose der Statistik Austria nimmt die Zahl der Erwerbspersonen (dazu zählen Selbstständige und mithelfende Familienangehörige, unselbstständig Beschäftigte und Arbeitslose) bis zum Jahr 2050 um vier Prozent zu. Von 4,58 Millionen Personen, die 2018 erwerbstätig waren, wird die Zahl der Erwerbstätigen bis 2030 auf 4,71 Millionen und bis 2050 weiter auf 4,75 Millionen zunehmen.

Den relativ stärksten Anstieg bei den Erwerbstätigen wird es bei älteren Personen geben, das deckt sich laut Statistik Austria mit der Entwicklung der Gesamtbevölkerung, die ebenfalls altert, wie Statistik-Generaldirektor Konrad Pesendorfer betont. Diese Entwicklung wird durch zwei gegenläufige Trends verstärkt. Zum einen nimmt die Erwerbsbeteiligung der jüngeren (15-34-Jährige) kontinuierlich ab - was die Statistiker damit erklären, dass sich die Zeit der Ausbildung verlängert. Zum anderen sei ein Anstieg der Erwerbsbeteiligung im Alter zu erwarten - aufgrund der Änderungen im Pensionsrecht, allen voran der Angleichung des Antrittsalters der Frauen an jenes der Männer, die 2033 abgeschlossen sein wird. Dazu komme der Effekt aus dem Heranführen des tatsächlichen an das gesetzliche Pensionsantrittsalter. Derzeit klafft dazwischen noch eine Lücke von fünf Jahren.

Laut Statistik Austria wird die Zahl der Erwerbspersonen im Alter von 15 bis 34 Jahren bis 2030 in absoluten Zahlen von aktuell 1,59 auf 1,48 Millionen sinken, ab 2035 sorgen geburtenstarke Jahrgänge wieder für einen leichten Anstieg auf 1,51 Millionen bis 2050. Der Anteil von Personen im Haupterwerbsalter von 35 bis 64 Jahren soll demnach bis 2030 konstant bei 2,25 Millionen bleiben und danach auf unter 2,2 Millionen sinken. Die Zahl der über 55-Jährigen steigt dagegen markant an, von 740.000 (2018) auf 970.000 im Jahr 2030 und bis 2050 sogar auf 1,08 Millionen. Damit erhöht sich der Anteil dieser Altersgruppe an den Erwerbspersonen bis zur Mitte des Jahrhunderts von 16 auf 23 Prozent, während er in den beiden anderen Alterskohorten um je drei Prozentpunkte sinkt. Der Anteil der Frauen, die am Erwerbsleben teilnehmen, wird 2040 mit 49 Prozent so hoch sein wie jener der Männer. Das führt dazu, dass die Erwerbsquoten in den nächsten Jahrzehnten stark steigen werden. Lag sie 2018 für die 15-64-Jährigen bei 76,2 Prozent, kratzt sie 2030 an der 80-Prozent-Marke und steigt 2050 auf 82 Prozent an. Die stärkste Veränderung gibt es bei den Frauen, bei ihnen erhöht sich die Erwerbsquote von 71,6 bis 2030 bereits auf 77,9 Prozent und liegt im Jahr 2050 mit 81,1 Prozent nur mehr geringfügig unter den 82,9 Prozent der Männer.

Die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt folgen der Entwicklung in der Gesamtbevölkerung. Die wird von aktuell 8,84 bis 2040 auf 9,43 Millionen steigen, mehr als ein Viertel der Menschen wird älter als 65 Jahre sein. 2080 werden dann knapp 10 Millionen Menschen in Österreich leben. Wie stark die Bevölkerungsentwicklung von der Zuwanderung getrieben ist, zeigt sich daran, dass 2040 knapp ein Viertel der hier lebenden Menschen nicht in Österreich geboren sein wird.

Während der Bevölkerungszuwachs bis 2025 zu einem allerdings sehr kleinen Teil auf einer positiven Geburtenbilanz beruht, steigt die Bevölkerung danach nur mehr aufgrund von Zuwanderung, im Durchschnitt wird ein Zuzug von rund 30.000 Personen im Jahr erwartet. Vom Bevölkerungsanstieg um 800.000 Personen seit dem Jahr 2000 entfielen nur fünf Prozent auf den Geburtenüberschuss, der Rest waren Wanderungsgewinne.

Aufgerufen am 26.01.2020 um 06:31 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/aeltere-arbeitskraefte-sind-im-vormarsch-79606441

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