Wirtschaft

Agrana schließt eine von zwei Zuckerfabriken in NÖ

Der börsennotierte Zucker-, Frucht- und Stärkekonzern Agrana schließt kommendes Jahr eine seiner beiden Zuckerfabriken in Niederösterreich. Betroffen ist laut Agrana der Standort in Leopoldsdorf im Marchfelde - und zwar nach Abschluss der heurigen Rübenkampagne im Dezember. Für die 150 Mitarbeiter der vor dem Aus stehenden Agrana-Zuckerfabrik in Leopoldsdorf gibt es einen fertigen Sozialplan.

Standort Leopoldsdorf im Marchfelde ist betroffen SN/APA (Archiv)/HARALD SCHNEIDER
Standort Leopoldsdorf im Marchfelde ist betroffen

Bis zu 20 Jobs könnten erhalten bleiben, berichtete noe.orf.at. Demnach bleibt ein Lager und ein Rübenlabor bestehen. Vorstandschef Johann Marihart hielt es im Bericht auch noch für möglich, dass die Anbaufläche doch noch derart gesteigert wird, dass das Werk erhalten bleibt.

In der Fabrik in Tulln geht die Arbeit weiter. Agrana erzeugt den "Wiener Zucker". Grund für die Schließung im kommenden Jahr ist der Rückgang von Zuckerrüben-Anbauflächen in Österreich. Heuer wird in Leopoldsdorf noch einmal verarbeitet, weil die Erträge von den nur mehr 26.000 Hektar Anbauflächen "außerordentlich hoch" und die Verarbeitung "ökonomisch sinnvoll" seien, so der Konzern in einer Mitteilung.

"Bei gegebenen Rübenanbauflächen ist dies jedoch künftig nicht möglich und daher wurde die Konzentration auf einen Standort beschlossen", so das Unternehmen weiter. "Sollte bis Mitte November 2020 keine Zusicherung einer Anbaufläche in Österreich von zumindest 38.000 Hektar gegeben sein, ist die endgültige Schließung des Werkes Leopoldsdorf nach der Kampagne 2020 unumgänglich."

Aus derzeitiger Sicht würden die Restrukturierungsaufwendungen im Falle einer endgültigen Schließung laut Agrana bis zu 35 Mio. Euro betragen, wovon bis zu 15 Mio. Euro liquiditätswirksam wären.

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) will nach dem verkündeten Aus für die Agrana-Zuckerfabrik Leopoldsdorf ab 2021 die weitere Vorgehensweise beraten. "Ich werde umgehend alle Beteiligten - Vertreter der Rübenbauern, Bundesländer, Landwirtschaftskammer und Agrana - zu einem Gipfelgespräch einladen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten", so Köstinger in einer Stellungnahme.

Es gehe "vor allem um die Selbstversorgung Österreichs mit Zucker aus heimischer Produktion". "Die Folgen des Klimawandels - wie etwa Trockenheit und massiver Schädlingsbefall - haben zu einer Reduktion der Anbauflächen in den letzten Jahren geführt", sagte Köstinger. Die Agrarministerin will mit den Branchenvertretern nun Lösungen finden, wie man die Anbauflächen wieder erhöhen kann.

Die Zuckerrüben-Anbaufläche in Österreich sinkt aufgrund niedrigerer Preise und Schädlingsbefall durch den Rübenrüsseler seit Jahren kontinuierlich, von rund 50.000 Hektar in den Jahren 2012 bis 2014 auf 26.000 Hektar im Jahr 2020.

Quelle: APA

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