Österreich

AMS-Paket soll Rekordarbeitslosigkeit bekämpfen

Im AMS-Verwaltungsrat ist am Mittwoch ein Paket zum Kampf gegen die Rekordarbeitslosigkeit in Österreich beschlossen worden.

AMS-Paket soll Rekordarbeitslosigkeit bekämpfen SN/APA (Symbolbild)/HERBERT PFARRHO
400 neue Planstellen im Arbeitsmarktservice.

Demnach werden 400 neue Planstellen im Arbeitsmarktservice (AMS) geschaffen und fünf Projekte finanziert. Insgesamt werden zusätzliche 196 Millionen Euro für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eingesetzt, teilte das Sozialministerium mit.

"Dieses Paket ist ein wichtiger Schritt in Richtung unseres Zieles, die Menschen in Österreich bestmöglich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren", betont Arbeits- und Sozialminister Alois Stöger (SPÖ). Um ein sinnvolles Betreuungsverhältnis sicherzustellen, werde der Personalstand des AMS um 400 Planstellen aufgestockt. Damit kann der Betreuungsschlüssel des Jahres 2015 beibehalten werden. Die Aufstockung der Planstellen werde in den nächsten Tagen beginnen.

Ein Pilotprojekt habe gezeigt, dass bei richtigem Einsatz des Personals die dadurch erzielten Einsparungen die zusätzlichen Personalkosten um ein Vielfaches übersteigen. Per Ende 2015 hatte das AMS laut Geschäftsbericht 5.800 Beschäftigte, das entspricht 5.200 Vollzeit-Arbeitsplätzen.

200 der insgesamt 400 neuen Planstellen werden 2019 evaluiert: Je nach Arbeitsmarktlage werde dann entschieden, ob diese Stellen wieder abgebaut werden können oder nicht. Die Planstellen selber sind unbefristet, ein eventueller Abbau würde durch Nicht-Nachbesetzung freiwerdender Stellen erfolgen, erläuterte der Sprecher des Sozialministeriums gegenüber der APA.

Weiters wird das Fachkräftestipendium wieder eingeführt. Damit wird für die Dauer einer Fachkräfteausbildung (Beruf mit Fachkräftemangel) für bis zu drei Jahre die finanzielle Existenz mit einem Stipendium gesichert. Mit dem neuen Paket sind 6.500 Plätze für die nächsten zwei Jahre finanziert.

Mit dem Angebot der Arbeitsplatznahen Qualifizierung (AQUA) soll eine praxisnahe Aus- und Weiterbildung für die konkreten betrieblichen Anforderungen angeboten werden. Das Programm besteht aus einer theoretischen Ausbildung und einer praktischen Ausbildung im Ausbildungsbetrieb. Mit der Arbeitsmarktoffensive werden über die nächsten zwei Jahre zusätzlich 6.500 Teilnehmer die Möglichkeit einer arbeitsplatznahen Qualifizierung erhalten.

Auch ein Modellprojekt überregionaler Vermittlung ist in dem Paket enthalten. Während die Arbeitslosigkeit in manchen Regionen steigt, sinkt sie in anderen. Arbeitslose sollen daher gezielt in Regionen mit sinkender Arbeitslosigkeit vermittelt werden.

Aufgestockt werden auch die Facharbeiter-Intensivausbildung und eine Reihe von Integrationsmaßnahmen des AMS. Im Zuge der Facharbeiter-Intensivausbildung wird es auch Arbeitsuchenden ab 18 ermöglicht, einen Lehrabschluss nachzuholen. Da hier Praxis und Vorerfahrungen berücksichtigt werden, beträgt die Dauer der Ausbildung nur zwischen ein und zwei Jahren.

Schließlich wird das Programm Qualifizierungsförderung für Beschäftigte bis Ende 2018 verlängert. Damit fördert das AMS die Kosten für Weiterbildungen von gering qualifizierten und älteren Arbeitnehmern, um diese stärker in betriebliche Weiterbildungsaktivitäten einzubeziehen.

NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker beurteilte das Arbeitsmarktpaket "vorsichtig positiv". "Insbesondere mit der Wiedereinführung des Fachkräftestipendiums erlebt ein wichtiges Instrument der aktiven Arbeitsmarktpolitik ein Comeback, das wir unterstützen", so Loacker am Mittwoch in einer Aussendung. "Zielgerichtete Ausgaben" seien zu begrüßen.

Auch Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl begrüßte das Arbeitsmarktpaket der Bundesregierung. Er forderte aber auch eine Investitionsoffensive, einen Belastungsstopp für die Betriebe, geringere Lohnnebenkosten und mehr Flexibilität, um das von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) ausgegebene Ziel von 200.000 zusätzlichen Jobs in Österreich bis 2020 zu schaffen.

Der NEOS-Sozialsprecher ortet aber auch einige Schwachstellen beim Arbeitsmarktpaket. "Es werden offensichtlich weitere 196 Mio. Euro an Mitteln locker gemacht, ohne entsprechende Einsparungsmöglichkeiten anzugehen." Es gebe genug Wege, um arbeitsmarktpolitische Maßnahmen treffsicherer, effizienter und damit kostengünstiger zu gestalten, zum Beispiel die Bildungskarenz. Trotz guter Ansätze sei das Endergebnis "nicht mehr als Kosmetik".

Die Personalaufstockung beim AMS um 400 Personen ist angesichts der Rekordarbeitslosigkeit für den NEOS-Sozialsprecher nachvollziehbar. "Die Personalaufstockung in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ist zwar begrüßenswert, darf aber kein Dauerzustand werden", so Loacker. Wie in der Schweiz müsse der Mitarbeiterstand der Arbeitsmarktverwaltung in Österreich anhand der Zahl der Arbeitslosen sinken oder steigen.

Quelle: APA

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