Österreich

AMS-Zahlen relativieren Gastro-Fachkräftemangel

Die Tourismusbranche gehört zu jenen, in denen häufig ein Fachkräftemangel beklagt wird. Man suche Köche und Kellner und finde keine, ist oft zu hören. Eine AMS-Sonderauswertung für den "Standard" relativiert nun die Sorgen der Gastronomie. Es gibt österreichweit deutlich mehr arbeitssuchende Kellner und Köche als offene Stellen. Zudem wird ein Großteil der Jobs innerhalb weniger Wochen vergeben.

Debatte um Personalmangel im Gastgewerbe neu entfacht.  SN/APA/BARBARA GINDL
Debatte um Personalmangel im Gastgewerbe neu entfacht.

Erst kürzlich sorgte die Entscheidung des Sozialministeriums, Köche und Kellner nicht in die Liste der Mangelberufe aufzunehmen, für einen Aufschrei in der Tourismusbranche. "Dass der Wintertourismus verzweifelt Fachkräfte sucht, wird vom zuständigen Sozialminister Stöger völlig ignoriert", kritisierte WKÖ-Sparten-Obfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher. In jenen Berufen, die auf dieser Fachkräfteverordnung stehen, dürfen die Arbeitgeber gezielt Ausländer aus Drittstaaten anwerben. Für 2017 wurden elf Mangelberufe definiert.

Köche und Kellner zählen jedenfalls nicht dazu. Im November 2016 wurden via Arbeitsmarktservice (AMS) 1.369 Kellner sowie 1.393 Köche in Österreich gesucht. Ihnen standen 5.806 arbeitssuchende Kellner und 2.985 Köche gegenüber, berichtet die Zeitung am Montag. In allen Bundesländern, also auch den stark vom Wintertourismus abhängigen westlichen, gibt es mehr arbeitslose Kellner als offene Stellen. Bei den Köchen gibt es in Salzburg und Tirol mehr offene Stellen als Jobsuchende.

Weiters hat das AMS erhoben, wie lange es dauert, bis die offenen Stellen besetzt sind. Bei den Kellnern konnten zwischen Jänner und November 2016 66,2 Prozent aller 23.252 gemeldeten Jobs binnen 30 Tagen besetzt werden, für weitere 30,1 Prozent fand sich spätestens nach drei Monaten jemand. Lediglich 3,7 Prozent der Stellen blieben länger als 90 Tage unbesetzt, heißt es in dem Bericht. Ähnlich verhält es sich bei den Köchen. Dort wurden 95,3 Prozent aller beim AMS gemeldeten Stellen binnen drei Monaten besetzt, nur in 4,7 Prozent der Fälle mussten die Firmen länger als 90 Tage suchen.

Tourismus-Obfrau Nocker-Schwarzenbacher will die Spezialauswertung des AMS, wonach es in der Gastronomie keinen österreichweiten Fachkräftemangel gibt, nicht unkommentiert stehen lassen. "Die traurige Tatsache, dass in unserer Branche akuter Personalmangel herrscht, lässt sich nicht kleinreden", so die Branchenvertreterin am Montag in einer Aussendung.

Verkürzte Betrachtungsweisen führten schnell zu Falschinterpretationen. "Wir arbeiten vielfach im Saisonbetrieb. Daher ist der Eins-zu-eins-Vergleich mit Ganzjahresbetrieben bei der Personalsuche unzulässig", findet Nocker-Schwarzenbacher.

Die Besetzung von 30 Prozent der ausgeschriebenen Stellen dauere bis zu drei Monate. "Was das für einen Saisonbetrieb bedeutet, ein Vierteljahr ohne Fachkraft dazustehen, kann sich jeder ausrechnen", so Nocker-Schwarzenbacher. Viele Betriebe würden auch über private Jobportale nach Fachkräften suchen. Per Stichtag 2. Jänner seien bei www.hotelcareer.at 1.627 offene Stellen im Tourismus gemeldet gewesen, davon 557 Köche und 454 im Service. "Jene Stellen, die ausschließlich auf diesem Wege angeboten werden, scheinen in der AMS-Datenbank meist gar nicht auf", meinte die Obfrau.

Die AMS-Auswertung ergab, dass es österreichweit deutlich mehr arbeitssuchende Kellner und Köche als offene Stellen gibt. Zudem wird ein Großteil der Jobs innerhalb weniger Wochen vergeben.

AMS-Chef Johannes Kopf sieht auch die Bezahlung im Tourismus als ein Thema. "Natürlich, wenn sich Arbeitsbedingungen verändern, dann gibt es auch mehr Interesse", sagte Kopf im "Ö1-Mittagsjournal". Aber es sei nicht nur eine Frage des Lohns, sondern auch der Arbeitszeiten. Der Tourismus habe Bedarf am Wochenende, am Abend. Menschen würden aber eher unter tags arbeiten wollen, jedenfalls dann, wenn sie Familie haben. "Es wird immer schwierig sein in dieser Branche und für diese Branche. Die Branche kann sicher einiges auch anders tun. Auf der anderen Seite brauchen wir aber auch mehr Flexibilität der Arbeitssuchenden in Ostösterreich", so Kopf.

Quelle: APA

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