Wirtschaft

Andritz im ersten Halbjahr mit 23 Prozent weniger Gewinn

Die schwache Entwicklung bei der deutschen Metals-Tochter Schuler hat dem steirischen Anlagenbauer Andritz im ersten Halbjahr deutlich weniger Gewinn beschert. Unterm Strich blieben 77,5 Mio. Euro übrig, das waren 23 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode. Zugewinne erzielte das Unternehmen jedoch beim Umsatz und bei den Auftragseingängen. Der Ausblick für das Gesamtjahr wurde bestätigt.

Wolfgang Leitner, Vorstandsvorsitzender der Andritz AG SN/APA (Archiv)/HANS PUNZ
Wolfgang Leitner, Vorstandsvorsitzender der Andritz AG

Obwohl die Metals-Sparte weiter ein Sorgenkind bleibt, gab sich Andritz-Chef Wolfgang Leitner bei der Halbjahres-Pressekonferenz am Freitag zuversichtlich. "Wir sind in Summe zufrieden", sagte Leitner. Die bereits zu Beginn der Woche angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen bei Schuler Deutschland seien "unerfreulich, aber unvermeidlich". Gut laufe es dank Xerium dagegen im Bereich Pulp & Paper.

Wegen der trüben Konjunktur in der Autoindustrie sollen bei der Andritz-Tochter Schuler, die im Wesentlichen den Bereich Metals Forming ausmacht, in Deutschland 500 Mitarbeiter abgebaut werden. Davon werden etwa 60 Prozent in der Fertigung reduziert, so Leitner. Derzeit arbeiten rund 4.000 Personen bei dem Pressenhersteller in Deutschland. Die Anpassungen werden die Jahresergebnisse wegen Rückstellungen (rund 85 Mio. Euro) und Firmenwertabschreibungen (rund 25 Mio. Euro) um 110 Mio. Euro mindern. Weder für Schuler noch für Andritz stelle die Restrukturierung aber eine Krisensituation dar, sagte Leitner. Wenn das Restrukturierungsprogramm abgeschlossen ist, "sind wir zuversichtlich, dass die Sparte ein wertvoller Teil der Andritz-Gruppe sein wird", so der Konzernchef weiter.

Mittelfristig habe sich der Schuler-Kauf aus dem Jahr 2013 jedenfalls gerechnet. "Schuler bleibt eine gute Akquisition für die Zukunft", sagte Leitner. Damals hatte Andritz rund 600 Mio. Euro für den deutschen Pressenhersteller auf den Tisch gelegt. Seitdem schreibe die Tochter ein jährliches Geschäftsvolumen von rund 1,2 Mrd. Euro. Auch der Zukauf in China sei sinnvoll für die Tochter gewesen, weil Schuler damit eine Präsenz in der Volksrepublik sowie einen billigeren Produktionsstandort bekommen hat. Sollten in Zukunft doch wieder mehr Fertigungskräfte für Schuler nötig sein, würden diese vor allem in China oder Brasilien und weniger in Deutschland aufgebaut werden, sagte Leitner.

Aber nicht nur bei Schuler, auch im Bereich Metals Processing - dem zweiten Teilbereich der Metals-Sparte - gab es Probleme. So konnte eine Lieferung an ein Walzwerk in den USA nicht zeitgerecht erfüllt werden, da bei der Entladung des Schiffs in den USA ein Wespennest an der Verpackung entdeckt wurde. Die zu liefernde Maschine durfte daher nicht in die USA "einreisen" und musste nach Mexiko gebracht werden, wo das Wespennest ausgeräuchert wurde. Über die aus der Verzögerung entstandene Verzugspönale werde derzeit verhandelt, erklärte der Andritz-Chef. "Metals Processing sollte aber kurzfristig wieder auf profitablem Niveau sein."

In der gesamten Metals-Sparte ging der Umsatz im zweiten Quartal um 6,1 Prozent zurück. Aufs Halbjahr gerechnet blieb dagegen ein minimales Umsatzplus von 2,2 Prozent auf 758,8 Millionen Euro übrig. Deutlich erfreulicher entwickelte sich der Bereich Pulp & Paper, wo der Umsatz sowohl im zweiten Quartal alleine als auch im Halbjahr um knapp 30 Prozent wuchs. Gestützt wurde der Zuwachs vor allem von dem 2018 zugekauften US-Papiermaschinenzulieferer Xerium, sagte Leitner. Dieser habe im Halbjahr rund 222 Mio. Euro zum Umsatz beigetragen. Im Zellstoffbereich konnten überdies einige große Aufträge an Land gezogen werden, vor allem in Südamerika. Operativ (EBITDA) konnte das Spartenergebnis im Halbjahr um mehr als 50 Prozent gesteigert werden.

Auch im Bereich Separation ging es mit einem Umsatzplus von 10,8 und einem klaren EBITDA-Zuwachs von 44,5 Prozent bergauf. Vor allem der Markt für Ausrüstungen zur Fest-Flüssig-Trennung hätte sich positiv entwickelt, hieß es im Halbjahresbericht. Die Sparte Hydro sei laut Leitner ein "stabiler, attraktiver Markt, der aber kurzfristig nur wenige Wachstumsmöglichkeiten bietet". Nach sechs Monaten ging der Umsatz um 6,7 Prozent zur Vorjahresperiode zurück.

Insgesamt schrieb Andritz nach sechs Monaten ein Umsatzplus von 10,8 Prozent auf rund 3,1 Mrd. Euro, die Auftragseingänge stiegen um 13,3 Prozent auf 3,7 Mrd. Euro. Dennoch blieb unterm Strich nur ein Konzerngewinn von 77,5 Mio. Euro übrig, das waren 23 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode. Auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank um 15,7 Prozent auf 128,9 Mio. Euro, auf EBITA-Ebene erhöhte sich das operative Ergebnis im Halbjahr um 6,7 Prozent auf 177,5 Mio. Euro. Der bei der Vorlage der Erstquartalszahlen gegebene Ausblick für das Gesamtjahr wurde bestätigt. Dementsprechend geht Leitner für 2019 weiterhin von einem "deutlichen Anstieg des Umsatzes" und einer "unveränderten operativen EBITA-Marge vor Sondereffekten" aus. Im Vorjahr 2018 lag diese Marge bei 6,9 Prozent.

Die Anleger an der Wiener Börse waren von den Ergebnissen zunächst offenbar angetan. Gegen Mittag notierte die Andritz-Aktie mit rund 8,5 Prozent im Plus bei 34,54 Euro.

Quelle: APA

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 23.10.2020 um 07:42 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/andritz-im-ersten-halbjahr-mit-23-prozent-weniger-gewinn-74263873

Kommentare

Schlagzeilen