Wirtschaft

Apres-Ski-Lokal in Kitzbühel erhielt 137.000 Euro an Hilfen

Das Lokal in Kitzbühel, in dem Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner am Wochenende gefeiert hat, hat 2021 vom Staat über 137.000 Euro an Coronahilfen erhalten. Das geht aus der EU-Beihilfentransparenzdatenbank hervor, in der Hilfen über 100.000 Euro veröffentlicht werden müssen. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hatte am Wochenende gewarnt, dass schwarze Schafe, die sich nicht an die Apres-Ski-Regeln halten, die Hilfsgelder zurückzahlen müssen.

Tourismusministerin Köstinger hatte zuletzt Konsequenzen gefordert SN/APA/HERBERT NEUBAUER/HERBERT NEU
Tourismusministerin Köstinger hatte zuletzt Konsequenzen gefordert

Der Betreiber des Lokals wollte die Summe auf APA-Anfrage nicht bestätigen und sich auch nicht weiter zu dem Video äußern. Er und sein Anwalt seien mit den Behörden wegen des "Vorfalls" in Kontakt. Wegen der "laufenden Verfahren" könne keine Stellungnahme abgegeben werden, meinte er weiter.

Seitens der Polizei hieß es am Montag, dass das Lokal "bekannt" sei und Anzeigen an die Behörde erstattet würden. Es stehe unter "Beobachtung" und soll regelmäßig kontrolliert werden. Dies sei in der Vergangenheit bereits geschehen und habe auch schon einige Anzeigen zur Folge gehabt. Diese seien aber wegen kleinerer Vorkommnisse erfolgt, etwa wegen Nichteinhaltung der Sperrstunde oder weil gegen die Maskenpflicht verstoßen worden war. "So extrem haben wir das noch nie festgestellt", sagte Bezirkspolizeikommandant Martin Reisenzein zur APA. Die Exekutive betonte, dass in Kitzbühel und Umgebung Apres-Ski-Lokale laufend überprüft würden. "Verstöße wurden festgestellt, welche auch der Behörde angezeigt wurden", hieß es.

Das Land Tirol verurteilte indes die Vorgänge in dem Lokal "aufs Schärfste" und ließ wissen, dass die Gesundheitsbehörde rechtliche Schritte und die Einleitung eines Strafverfahrens gegen den Betreiber prüfe. Der Strafrahmen betrage bis zu 30.000 Euro, hielt die Behörde fest, die zudem eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft angekündigt hatte. Es wurde betont, dass Behörde und Polizei eine "Null-Toleranz-Politik" verfolgen würden.

Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler (ÖVP) zeigte sich indes erzürnt. "Wir sind richtig sauer", sagte er gegenüber der APA und machte aus seinem Ärger kein Hehl. Solche Verstöße seien "völlig inakzeptabel" und hätten ihn "überrascht". Aktuell liefen "die Telefone heiß", denn er sei "in ständiger Abstimmung mit Polizei und Bezirkshauptmannschaft, um solche Vorkommnisse künftig zu vermeiden". Es gebe "wenige schwarze Schafe", die den Ruf der Branche schädigen.

Momentan werde rechtlich geprüft, wie auf solche Verstöße reagiert werden könne. "Geldstrafen sind offensichtlich zu wenig", befand Winkler. "Aus meiner Sicht bräuchte es rigorosere Bestimmungen". Auch eine "Einschränkung der Betriebe", die sich nicht an die Regeln halten, könne er sich vorstellen. Die Rechtslage werde aktuell evaluiert. "Dies sind keine idealen Zustände - gerade vor den Hahnenkammrennen", kommentierte Winkler die Auswirkungen des Videos auf den Ruf der Tourismusdestination Kitzbühel.

"Das Video ist ein Schlag ins Gesicht für alle Gastronomen, die sich an die Gesetze und Verordnungen halten", ärgerte sich Spartenobmann Mario Pulker am Montag über das maskenlose Treiben in der Bar. Er habe aber auch schon solche Videos aus anderen Skiregionen gesehen, sagte er im Gespräch mit der APA. Die Apres-Ski-Bar in Kitzbühel sei nicht das einzige Lokal, das auf die Regeln pfeife. Andererseits könne die Polizei nicht alles kontrollieren und die Eigenverantwortung funktioniere nicht, so Pulker.

Laut Pulker können die Coronahilfen jedoch nicht rückwirkend für vergangene Lockdowns zurückgefordert werden. Betriebe, die gegen die Auflagen verstoßen, drohen nur die laufenden Zahlungen für das jeweilige Monat zu verlieren. "Wenn ich mir das Video aber so ansehe, hat er an dem Abend mehr verdient als er an Hilfen bekommen könnte", meinte Pulker. Was drohe, sei ein Verwaltungsstrafverfahren.

Pulker erinnerte, dass viele Gastronomie- und Hotelleriebetriebe noch immer mit einer extrem schwachen Auslastung kämpften und sich nur mit Mühe finanziell über Wasser hielten. Und dann sehe man, wie hier losgelöst und ungehemmt Party gemacht wird. Er habe Verständnis für die jungen Leute, die feiern wollen, aber "als Gastronom hat man schon eine Verantwortung", so Pulker. "Wenn da einer hochansteckend ist, hast du einen riesen Cluster".

Pulker plädiert dafür, die Pandemiepolitik ganz generell zu überdenken. Es dürfe sich die geimpfte Mehrheit nicht mehr von einer Minderheit treiben lassen, spricht sich Pulker für ein "beinhartes Durchgreifen" aus. Wenn die Krankenhausbetten voll seien, dann seien sie halt voll.

Gschwandtner, der mit der Fitness-App Runtastic reich wurde, hatte sich am Sonntag für die Party entschuldigt und bedauerte, seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden zu sein. In der Vergangenheit arbeitete er mehrfach für die ÖVP. Nach den Nationalratswahlen 2017 befand er sich bei den Koalitionsverhandlungen mit der FPÖ im Team der Türkisen. 2018 holte Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Gschwandtner als Experten in die Strategie-Stabsstelle im Kanzleramt ("Think Austria"), die sich um strategische Themen für die Entwicklung Österreichs kümmern sollte.

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