Österreich

Arbeitnehmer spüren höhere Flexibilitätsanforderungen

Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft spüren in diesem Jahr noch deutlicher als im vergangenen Jahr, dass von ihnen und ihrem Arbeitgeber mehr Flexibilität verlangt wird. Ungebrochen hoch ist auch die Bereitschaft, Überstunden zu leisten oder sogar zwölf und mehr Stunden am Tag zu arbeiten und dafür etwa einen Tag freizubekommen, geht aus einer aktuellen Studie des market-Instituts hervor.

Arbeitnehmer spüren höhere Flexibilitätsanforderungen SN/APA (DPA)/Peter Endig
Die Arbeitnehmer sind durchaus zu Überstunden bereit.

87 Prozent der 514 telefonisch im Auftrag der Wirtschaftskammer (WKÖ) Anfang August repräsentativ für die österreichischen Arbeitnehmer befragten Arbeiter und Angestellten in der Privatwirtschaft glauben, dass heute mehr Flexibilität im Arbeitsleben verlangt wird. Im Vorjahr waren es erst 73 Prozent. Bereit, Überstunden zu leisten, sind 90 Prozent (Vorjahr: 89 Prozent), und zwölf Stunden oder mehr am Tag arbeiten würden 61 Prozent (keine Vergleichszahl).

Dass flexible Arbeitszeiten immer wichtiger werden, ist 91 Prozent der Befragten bewusst. Das wird auch weitgehend positiv gesehen, weil damit ihrer Meinung nach Arbeitsplätze abgesichert (86 Prozent) und Kündigungen vermieden werden könnten (79 Prozent). Auch sei es möglich, damit einen Überstunden-Polster aufzubauen und diesen später als Freizeit zu konsumieren (76 Prozent). Durch die flexiblen Arbeitszeiten würden aber auch die Belastungen stark ansteigen, meinen 54 Prozent. Dagegen gehen nur 45 Prozent davon aus, dass damit mehr verdient werden kann.

Längere Arbeitszeiten haben für die Arbeitnehmer vor allem den Reiz, mehr Freizeit zu bekommen (89 Prozent) oder mehr zu verdienen (76 Prozent). Aber auch zur Absicherung von Arbeitsplätzen werden Überstunden akzeptiert (82 Prozent). Viele würde es auch nicht stören, wenn sie über einige Wochen deutlich mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten müssten (71 Prozent). Gerne einmal zwölf oder mehr Stunden arbeiten und dafür einen Tag freibekommen würden 61 Prozent.

69 Prozent gaben zudem an, Einfluss auf ihre Arbeitszeitgestaltung zu haben, wobei hier der Anteil bei den Angestellten mit 52 Prozent deutlich über jenen der Arbeiter mit 21 Prozent liegt.

Die Mehrheit (55 Prozent) der Befragten glaubt zwar, dass von den flexiblen Arbeitszeiten Unternehmen und Beschäftigte in etwa gleich stark profitieren, 36 Prozent glauben aber eher, dass die Unternehmen mehr davon profitieren, aber nur acht Prozent, dass die Beschäftigen mehr profitieren. 83 Prozent glauben auch, dass Überstunden für das Unternehmen Sinn machen. 2013 waren es erst 71 Prozent.

"Die Umfrage zeigt recht gute Ergebnisse", sagte WKÖ-Präsident Christoph Leitl am Mittwoch in Alpbach bei der gemeinsamen Präsentation der Umfrage mit David Sebastian Vogl vom market-Institut. Es zeige sich, dass je moderner eine Volkswirtschaft sei, es umso mehr flexible Arbeitszeiten gebe, wie etwa in Finnland oder Schweden. Auch einen Trend zu Arbeitszeitverlängerungen ortet Leitl, etwa in Finnland und der Schweiz. "Die Bedürfnisse der Wirtschaft und der Angestellten gehen schon einen großen Schritt gemeinsam", sagte Vogl.

Quelle: APA

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