Österreich

Arbeitslosigkeit im November erstmals seit 2011 rückläufig

Im November ist die Arbeitslosigkeit in Österreich leicht zurückgegangen, der erste Rückgang seit fünf Jahren Anstieg.

Arbeitslosigkeit im November erstmals seit 2011 rückläufig SN/APA (dpa)/JULIAN STRATENSCHULTE
429.139 Personen im Vormonat ohne Job.

Im Vorjahresvergleich sank die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer (zusammen) um 0,2 Prozent, die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen allein sank sogar um 1,0 Prozent. Für Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) ein "Lichtblick", aber noch keine Trendwende.

AMS-Chef Johannes Kopf meint ebenfalls, "Jubel ist absolut unangebracht". Bei einer differenzierten Betrachtung gebe es auch Bereiche mit steigender Arbeitslosigkeit, so seien heuer 7.500 geflüchtete Personen mehr auf Arbeitssuche als vor einem Jahr. In der Industrie laufe es besser, daher sinke die Männer-Arbeitslosigkeit.

"Was wir wirklich brauchen würden, wäre eine echte Konjunkturbelebung, große Schritte müssten eigentlich auf europäischer Ebene erfolgen", sagte Kopf im Ö1-"Mittagsjournal" des ORF-Radio am Donnerstag. Die österreichische Politik habe einiges positives getan, etwa die Mittel für Fachausbildungen erhöht. Bei Menschen mit Lehrabschluss sei die Arbeitslosigkeit nur ein Drittel so hoch wie bei jenen mit nur Pflichtschulabschluss.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) kommentierte die jüngsten Zahlen vom Arbeitsmarkt bei seinem heutigen Besuch einer Baustelle der Wiener U-Bahn: "Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hat für mich höchste Priorität. Den öffentlichen Investitionen kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Die Modernisierung der Infrastruktur bedeutet Aufträge für unsere Unternehmen und Arbeitsplätze in den Regionen", hieß es gegenüber der APA.

Ende November waren 429.139 Personen entweder arbeitslos vorgemerkt oder in Schulung, um 0,2 Prozent bzw. 968 Personen weniger als im Vorjahr. Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen sank um 1,0 Prozent bzw. 3.624 auf 355.669 Personen. Die Arbeitslosenquote nach österreichischer Berechnung lag bei 9,0 Prozent, um 0,2 Prozentpunkte niedriger. Weiter steigend ist die Zahl der unselbstständig aktiv Beschäftigten, nämlich um 1,6 Prozent auf 3,515 Millionen.

Je nach Altersgruppe und sonstiger Eigenschaften hat sich die Arbeitslosigkeit wieder sehr unterschiedlich entwickelt. Bei Jugendlichen (15 bis 24 Jahren) ging die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen um 4.124 Personen bzw. 8,9 Prozent auf 42.211 zurück. Deutlich angestiegen ist hingegen die Arbeitslosigkeit Älterer (ab 50 Jahren), nämlich um 5,9 Prozent bzw. 5.694 Personen auf 103.012 Personen.

In den einzelnen Bundesländern war der höchste Anstieg an Arbeitslosen in Niederösterreich mit 2 Prozent Plus zu verzeichnen. In Wien stieg die Zahl der Arbeitslosen um 0,3 Prozent. In den übrigen sieben Bundesländern erholte sich der Arbeitsmarkt etwas, am stärksten verbesserte sich die Lage in Tirol mit 7,0 Prozent weniger Arbeitslosen und in Salzburg mit 5,0 Prozent weniger.

Scharfe Kritik kommt von der FPÖ: Stöger sei der "absolute Minus-Mann" im Kabinett Kern und habe eine "echte Horrorbilanz" aufzuweisen, kommentierte FPÖ-Sozialsprecher Herbert Kickl. "Das Einzige, was Stöger wirklich macht, ist, dass er arbeitsmarkt-und sozialpolitisch Steuergeld persistent von den Österreichern zu Ausländern und Asylanten umverteilt. Die Hauptzielgruppe seines Arbeitsmarktpakets scheinen überhaupt nur Migranten zu sein", meint Kickl. Ohne eine sektorale Schließung des Arbeitsmarktes werde aber die Arbeitslosigkeit in Österreich nicht nachhaltig gesenkt werden können.

Die NEOS sehen die Zahlen pessimistisch: "Die positive Entwicklung ist eine Momentaufnahme, die sich im nächsten Jahr leider nicht fortsetzen wird. Nur mit nachhaltigen Reformen kann eine Trendumkehr am Arbeitsmarkt erreicht werden", meint NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker. "Sowohl Notstandshilfe als auch die Mindestsicherung sind Beihilfefallen, die in ihrer Ausgestaltung kontraproduktiv auf das Arbeitsangebot wirken können. Auch die lauwarmen Zumutbarkeitsbestimmungen verhindern, dass Menschen am Arbeitsmarkt Fuß fassen", kritisiert er.

Team Stronach-Sozialsprecherin Waltraud Dietrich fordert Reformen für ein unternehmerfreundliches Klima, Schluss mit den bürokratischen Hürden und mehr Freiraum für Unternehmer.

Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec meint in einer Aussendung, die Generation 50plus bleibe das Sorgenkind in der österreichischen Bevölkerung. Das AMS solle seine Kurse verstärkt auf die Gruppe der über 50-Jährigen konzentrieren.

Die Arbeiterkammer fordert ein Arbeitsmarktpaket mit öffentlichen Investitionen, um die Arbeitslosigkeit zu senken. Der ÖGB setzt auf Arbeitszeitverkürzung im Kampf gegen die Arbeitslosenzahlen.

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl meinte zum heute bekannt gegebenen Sinken der Arbeitslosigkeit, wenn man es pessimistisch betrachte, sage man "eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", wenn man es optimistisch sehe: "Schaut's her, es geht ja auch anders". "Wir sehen es optimistisch und es geht auch anders, wir könnten kommendes Jahr eine Steigerung der Arbeitslosigkeit verhindern: Er sprach sich für eine Senkung der Körperschaftsteuer von 25 auf 20 Prozent, degressive Abschreibung als Investitionsanreiz sowie die Erhöhung der Forschungsprämie von 12 auf 15 Prozent aus. Wenn der Regierung eine sinkende Arbeitslosigkeit etwas wert sei, müssten Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass man sie auch erreichen könne, so Leitl am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz. "Von nix wird nix."

Quelle: APA

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