Wirtschaft

Arbeitslosigkeit sank im Juni um 4,9 Prozent

Trotz schwächeren Wirtschaftswachstums sind die Arbeitslosenzahlen im Juni in Österreich mit minus 4,9 Prozent deutlich gesunken, im Juni 2018 hatte der Rückgang aber noch 9,1 Prozent betragen. Das Arbeitsmarktservice (AMS) feiert indes 25-jähriges Jubiläum. Am 1. Juli 1994 wurde aus den Arbeitsämtern das AMS als Dienstleistungsunternehmen aus der Bundesverwaltung ausgegliedert.

324.203 Menschen waren ohne Job SN/APA/dpa (Archiv)/Carsten Rehder
324.203 Menschen waren ohne Job

Sozialministerin Brigitte Zarfl würdigte am Montag in einer Aussendung die Leistungen des AMS. Auch AMS-Vorstand Johannes Kopf meldete sich anlässlich des Jubiläums zu Wort. "Wir wissen, dass wir uns laufend weiterentwickeln müssen und auch durchaus noch manches besser machen können. Daran arbeiten wir hart", schrieb Kopf auf Twitter.

Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition ging im Juni in Österreich um 0,3 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent zurück. Ende Juni gab es 264.520 vorgemerkte Arbeitslose, das waren um 3,7 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Zahl der Schulungsteilnehmer beim Arbeitsmarktservice (AMS) ging um 10,1 Prozent auf 59.683 Personen zurück.

Die Arbeitslosenzahlen in Österreich sinken seit Frühjahr 2017 kontinuierlich. Zwischen Mitte 2011 und Ende 2016 waren sie stetig angestiegen und hatten in diesem Zeitraum ein Rekordhoch seit 1946 erreicht. Ungeachtet des abgeschwächten Wirtschaftswachstums wuchsen die Stellenanzeigen im Juni deutlich: Die Zahl der gemeldeten sofort verfügbaren offenen Stellen erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,8 Prozent auf 84.473.

Der Rückgang der Arbeitslosenzahlen kommt aber nicht bei allen Menschen an. Bei arbeitslosen Personen und Schulungsteilnehmern, die 50 Jahre und älter waren, gab es im Juni ein leichtes Plus von 0,5 Prozent auf 93.290 Betroffene. Auch bei Personen mit Behinderung (+2,9 Prozent auf 13.837) und Personen mit sonstigen gesundheitlichen Einschränkungen (+2 Prozent auf 67.966) wurde ein Anstieg verzeichnet. In allen anderen Personengruppen gingen die Arbeitslosenzahlen zurück. Alle Wirtschaftsbereiche und Bundesländer meldeten sinkende Zahlen.

Die aktuell steigenden Arbeitslosenzahlen bei älteren Personen und der schwache Rückgang bei Akademikern haben vor allem mit der demografischen Entwicklung, aber auch der steigenden Erwerbsbeteiligung von Frauen und Änderungen beim Pensionsantrittsalter zu tun. Zu diesem Ergebnis kommt eine Sonderauswertung des Arbeitsmarktservice.

NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker forderte in einer Aussendung einen Fokus auf Fort- und Weiterbildung in der Arbeitsmarktpolitik. Das AMS brauche "dafür entsprechende Planungssicherheit von Seiten der Politik". Für SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch ist das Steigen der Arbeitslosigkeit bei Personen über 50 Jahre "besorgniserregend". Die SPÖ habe deswegen einen Antrag für die Verlängerung der "Aktion 20.000" zur Förderung älterer Langzeitarbeitsloser im Parlament eingebracht.

Die Wirtschaftskammer (WKÖ) drängt mit Blick auf die Konjunkturabkühlung darauf, "alles zu unternehmen, damit diese gute Beschäftigungsentwicklung möglichst lang erhalten bleibt". Österreichs Betriebe und deren Beschäftigte würden einen stabilen Kurs brauchen, der die begonnenen Reform- und Entlastungsschritte fortsetze, so WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf. Die WKÖ warnte erneut auch vor dem Fachkräftemangel. Drei von vier Betrieben würden fehlende Fachkräfte beklagen, die Suche nach Mitarbeitern werde immer schwieriger.

Die Arbeiterkammer erinnerte daran, dass es immer noch um 90.000 Arbeitslose mehr als vor der Wirtschaftskrise 2008 gibt. "Damit sind wir meilenweit vom Ziel der Vollbeschäftigung entfernt", sagte AK-Präsidentin Renate Anderl. Es sei an der Zeit, sich aktiv auf den sich abzeichnenden Abschwung vorzubereiten. Anderl forderte das Vorziehen beschäftigungsintensiver Investitionen etwa in die Infrastruktur oder in den Ausbau der Ganztagsschulen und Kinderbetreuung. Die ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende, Korinna Schumann, wünscht sich eine Verbesserung der Kinderbetreuung, insbesondere in ländlichen Regionen.

Quelle: APA

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