Wirtschaft

AT&S investiert halbe Milliarde Euro in der Steiermark

Der börsennotierte Mikroelektronikkonzern AT&S investiert bis zum Jahr 2025 eine halbe Milliarde Euro in den Standort Leoben. Dadurch werden bis zu 700 hochqualifizierte Jobs in der Steiermark entstehen, teilte AT&S-Aufsichtsratsvorsitzender Hannes Androsch am Freitag in Wien mit. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) bezeichnete die Investition als ein "Leuchtturmprojekt" für den Wirtschaftsstandort. Die steirische Wirtschaftslandesrätin versprach Unterstützung.

AT&S-Standort Leoben SN/APA/PETER KOLB/PETER KOLB
AT&S-Standort Leoben

Der Leiterplattenkonzern Austria Technologie & Systemtechnik (AT&S) investiert die halbe Milliarde bis zum Jahr 2025 in Forschung und Entwicklung für Substrat- und Packaging-Lösungen für die globale Halbleiterindustrie. Ein R&D-Center (Forschungs- und Entwicklungszentrum) soll Ausgangspunkt für künftiges Wachstum werden. Weiters wird ein zusätzliches Produktionsgebäude mit etwa 18.000 m2 Fertigungsfläche errichtet. In der Kleinserien- und Prototypen-Produktion verwende man eine "einzigartige Technologie" für Semicon Back-End in Europa, so das Unternehmen. Die Zahl der AT&S-Jobs in Leoben werde von derzeit rund 1.200 auf bis zu 1.900 steigen.

Um Fachkräfte nach Leoben zu holen werde ein internationaler Kindergarten und eine internationale Schule gebraucht, auch mindestens 150 neue Wohneinheiten müssten zur Verfügung gestellt werden. Eine leistungsfähige und sichere Energieversorgung und optimierte verkehrstechnische Anbindung seien ebenfalls notwendig. Der langjährige AT&S-Vorstandschef Andreas Gerstenmayer sprach von einem "Investitionsschub" für den Standort Leoben. Zusammen mit Kärnten bilde die Steiermark einen "Cluster" für Mikroelektronik. Die AT&S habe sich für die Großinvestition aus Gründen der Rechtssicherheit und Technologiekompetenz bewusst für Europa entschieden. Die Finanzierung der Investition werde zum Teil aus Förderungen, zum Teil aus gemeinsamen Projekten mit Kunden und zum Teil aus selbst erwirtschafteten Mitteln erfolgen. In der Investition seien auch bereits laufende Investitionen in den Standort Leoben eingerechnet, so wird bereits an einem neuen Bürogebäude gebaut.

Die steirische Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) begrüßte die Großinvestition "in ein absolutes Zukunftsfeld, die Mikroelektronik". Das Land wolle nun die Bemühungen zur Ansiedlung von Fachkräften in Leoben und die Bereitstellung von Infrastruktur nach Kräften unterstützen. Die Investition werde seitens des Landes mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag gefördert. Weiters werden die universitären Mikroelektronik-Forschungen vom Land Steiermark mit unterstützt. Eibinger-Miedl unterstrich die große Rolle der südlichen Bundesländer Steiermark und Kärnten: 80 Prozent der Wertschöpfung in Österreich aus der Mikroelektronik kämen aus dem Süden Österreichs. "Wir sind das Silicon Valley in Österreich geworden."

Das AT&S-Projekt wird vom Bund mit 28,5 Millionen Euro aus dem Programm "Important Projects of Common European Interest" gefördert. Der gesamte Förderungstopf für dieses Programm umfasste 150 Mio. Euro und ist nun ausgeschöpft, ein großer Teil davon ging an das neue Infineon-Werk in Villach in Kärnten. Ministerin Schramböck will einen zweiten Topf mit 125 Mio. Euro für neue Runden aufsetzen. Es sei wichtig, dass sich Europa beim Investitionsschutz auf die Füße stelle, betonte sie und verwies auf den "European Chips Act", der die Halbleiterproduktion in Europa steigern will. Die Ministerin wandte sich auch gegen den Verkauf von europäischen Chip-Unternehmen, so habe sie bei der EU-Kommission Einspruch gegen den Verkauf des britischen Chip-Entwicklers ARM eingelegt. Auch der deutsche Wafer-Produzent Siltronic sollte nicht verkauft werden, sagte die Ministerin. Sie hoffe auf ein Nein der deutschen Bundesregierung zum Verkauf. "Wir müssen die Schätze, die wir haben, schützen."

AT&S-Aufsichtsratsvorsitzender und Kernaktionär Androsch verwies auf die große Auseinandersetzung zwischen China und den USA im digitalen Bereich. "Es geht darum, dass sich Europa ein Mindestmaß an digitaler Souveränität bewahrt, das setzt voraus, dass es digitale Player gibt, sonst werden wir eine digitale Kolonie". Die Großinvestition in der Steiermark werde nicht nur eine Produktionserweiterung bringen, sondern auch eine engere Zusammenarbeit mit universitären und außeruniversitären Einrichtungen. Mit den zusätzlichen 700 Arbeitsplätzen werde man an beiden AT&S-Standorten in Leoben und Fehring insgesamt 2.500 Jobs erreichen. "Diese Jobs gäbe es nicht, wenn wir nicht sehr früh nach Indien, China, Südkorea und jetzt nach Malaysia gegangen wären", sagte der ehemalige Finanzminister. Mit der Expansion werde der Konzern im Jahr 2025 "eher 25.000 als 20.000 Mitarbeiter" haben. AT&S wolle mit der Großinvestition weltweit unter die besten zwei Produzenten im Bereich der Substrate kommen.

Die Industriellenvereinigung (IV) begrüßte die Investitionsentscheidung als "sehr erfreuliches Signal" für den Arbeits-, Technologie- und Industriestandort Österreich. Die Investition des österreichischen Mikroelektronikunternehmens bringe nicht nur die Region Leoben, sondern das ganze Land voran, erklärte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.

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