Wirtschaft

Auch Österreich spürt sinkende Direktinvestitionen in Europa

Die Zahl der Direktinvestitionen aus dem Ausland ist in Europa im vergangenen Jahr erstmals seit 2012 gesunken. Diesen Trend bekommt auch Österreich zu spüren, wo Direktinvestitionen (FDI) in das Land 2018 bei 40 Projekten stagnierten, geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens EY am Dienstag hervor.

"Der europäische Investitionsmarkt zeigt Risse - politische Spannungen, Sanktionen, Zollschranken sowie Verunsicherungen an den Börsen spiegeln sich auch in den Investitionsstatistiken wider. Auch die Attraktivität Österreichs leidet unter der belastenden Bürokratie, hohen staatlichen Ausgaben und dem zunehmenden Fachkräftemangel", sagte Gunther Reimoser, Country Managing Partner EY Österreich, laut Aussendung.

In Europa ist die Zahl der FDI 2018 um vier Prozent von 6.653 auf 6.356 Investitionsprojekte gesunken. Davor hatte es fünf Jahre lang Wachstumsraten zu verzeichnen gegeben. Für den Rückgang mitverantwortlich ist eine Schwäche beim Nachbarn Deutschland, der ein Investitionsminus um 13 Prozent auf 973 Projekte verbuchte. Auch das weiterhin attraktivste Investitionsziel Europas, Großbritannien, musste einen Rückgang bei den Projekten um 13 Prozent zum Vorjahr hinnehmen. Frankreich konnte dagegen einen FDI-Zuwachs um ein Prozent erzielen. Im EY-Europaranking steht das Land damit an zweiter Stelle nach Großbritannien und vor Deutschland.

Österreich rangiert mit 40 FDI-Projekten lediglich auf Platz 25. Die meisten Projekte wurden aus Deutschland (18 Investitionen), den USA (7) und der Schweiz (5) getätigt, hieß es in der Studie. Besonders beliebt waren Investitionen in Vertrieb und Marketing, jedes dritte Projekt entfiel auf diesen Bereich. Weiters wurden neun Projekte im Bereich "Investitionstätigkeiten in Firmenzentralen" und sechs Projekte in der Logistikbranche realisiert. In der Forschung und Entwicklung konnten 2018 indessen nur drei FDI-Projekte an Land gezogen werden, im Jahr davor waren es noch zehn.

Während Österreich also offenbar ein mäßig attraktiver Standort für ausländische Investoren ist, haben umgekehrt heimische Unternehmen mit rund 145 Investitionsprojekten in Europa rund 5.000 Jobs geschaffen, also rund dreieinhalb Mal so viel im Ausland investiert wie ausländische Investoren in Österreich, geht aus der Studie hervor. "Dem Ungleichgewicht liegt unter anderem ein Missverhältnis mit den deutschen Nachbarn zu Grunde: Im vergangenen Jahr initiierten deutsche Unternehmen 18 Projekte in Österreich, österreichische Unternehmen haben hingegen 47 Investitionen in Deutschland durchgeführt - Tendenz steigend", sagte Reimoser.

In ganz Europa stammten die meisten FDI laut EY-Zahlen von US-amerikanischen Firmen (1.419), gefolgt von Unternehmen aus Deutschland (695) und Großbritannien (479). Die beiden asiatischen Länder Japan und China zogen sich indessen etwas aus Europa zurück. So kamen japanische Unternehmen in Europa im Vorjahr nur noch auf 271 Projekte und damit um 17 Prozent weniger als im Jahr davor. Chinesische Betriebe investierten sogar um 26 Prozent weniger, die Zahl der Projekte sank auf 254.

Quelle: APA

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