Wirtschaft

Austro-Verbraucherstimmung auf Tief

Die Stimmung der heimischen Verbraucher ist im August auf den tiefsten Stand seit Frühjahr gesunken. Das geht aus dem neuen Konsumbarometer des Handelsverband hervor, das - nach einigen Monaten interner Rechnung - nun erstmals veröffentlicht wurde.

Wichtigster Grund für den Rückgang der Verbraucherstimmung auf 98,65 Punkte, nach 100,0 Zählern beim Start im März, ist die pessimistische Konjunkturerwartung der Befragten, sagte Verbandsgeschäftsführer Rainer Will im APA-Gespräch.

Denn die Konjunkturerwartung lag mit 89,78 um mehr als zehn Punkte unter dem März-Wert und über zwei Zähler unter dem Juli-Niveau. "Damit dürften die Verbraucher die eingetrübten Konjunkturprognosen der heimischen Forschungsinstitute teilen."

Dabei spielen wohl auch externe Faktoren wie der US-Protektionismus und der Brexit eine Rolle. An sich sei der Einfluss der Politik auf die Wirtschaft sehr gering, das sei mit diesen beiden Themen aber "erstmals seit Jahren" anders, so Verbands-Vizepräsident Harald Gutschi: "Der US-Präsident führt einen Konflikt gegen China, den man nicht gewinnen kann. Ich hoffe, dass wir noch heuer ein Ende des Handelskrieges zwischen den USA und China sehen." Die Chancen dafür seien gar nicht so schlecht, denn Donald Trump werde wohl Entspannung suchen müssen, um wiedergewählt zu werden.

Deutlich zurückgegangen ist zuletzt auch die Anschaffungsneigung der heimischen Konsumenten, ebenfalls eine Teilkomponente für das Barometer. Gegenüber dem Vormonat lag die "Ausgabenfreudigkeit" mit 98,45 Punkten um 5,23 Zähler tiefer.

"Wenn die Menschen auf ihre Ausgaben schauen, dann schadet das dem Handel extrem", meinte Gutschi dazu. Zudem mehren sich aus Verbandssicht die Anzeichen, dass die Konjunkturschwäche bald den Arbeitsmarkt erreichen könnte. Die Zeit des kräftigen Wirtschaftswachstums dürfte tatsächlich vorbei sein, meinte Will. Das dritte Quartal werde zeigen, ob die jüngste Konjunktureintrübung nur eine kurzfristige, von den Handelskonflikten und dem Brexit hervorgerufene Schwächephase ist, oder ob sich eine ernsthaftere Wirtschaftskrise ankündigt. Die Eurozonen-Stimmung (Vier-Jahres-Tief) spreche für Letzteres. Dennoch sei der heimische Privatkonsum weitgehend stabil - sodass der Handel die Industrie-Rückgänge kompensieren könne.

Von der neuen Regierung will der Handelsverband Erleichterungen bei Öffnungszeiten, Lohnnebenkosten sowie mehr Steuergerechtigkeit und weniger Bürokratie. Weitere Forderungen werden zu Welthandel sowie Klima- und Umweltschutz erhoben. Die Nationalratswahl im September sei richtungsweisend für Standort, Wohlstand und Wachstum, so der Verband in einem "8-Punkte-Zukunftspaket" an die Politik.

Eine seriöse Klimapolitik setze auf höhere Tierwohlstandards und lokale Produktion - aber Steuererhöhungen auf Grundnahrungsmittel wie Fleisch lehne man ab, denn sie wären eine große Belastung kleiner und mittlerer Einkommen. Gegen den Klimawandel könne am besten global - oder zumindest europäisch - vorgegangen werden. Alleingänge, auch bei einer CO2-Steuer, seien nichts.

Es sei fragwürdig, Freihandelsabkommen abzuschließen, die die Abholzung von Regenwald aktiv fördern. Für jeden Abbau von Handelshemmnissen müsse ein Fairness-gebot gelten, um die hohen heimischen Lebensmittel-Standards erhalten zu können. In Österreich werde ein Kilo Rindfleisch mit 14 Kilo CO2-Emission erzeugt, in Europa mit 22, in Brasilien aber mit 80 Kilo, noch ohne den Transport, rechnete Verbands-Geschäftsführer Will im Gespräch mit der APA vor. Man sollte "nicht bei Rindfleisch schwach werden", sonst bestehe die Gefahr, "Billigfleisch hereinzukriegen". Klimaschutz sollte als Teil in das Mercosur-Handelsabkommen integriert werden, verlangte Verbands-Vizepräsident Gutschi.

Im heimischen Lieferverkehr sollten schadstofffreie und lärmarme Lkw (elektrisch oder mit Brennstoffzellen betriebene) vom Nachtfahrverbot und den Anlieferverboten ausgenommen werden, fordert der Handelsverband. Zudem sollten Zustellungen in Großhandel und im Online-Handel auch an Samstagen nach 13 Uhr ermöglicht werden, um zu den Öffnungszeiten des stationären Handels parallel zu laufen. Die Verbandsmitglieder repräsentieren gut 75 Prozent der Branchenumsätze.

Die Geschäftsöffnungszeiten selbst sollten - eine alte Forderung der Branche - liberalisiert und die Regelungen entrümpelt werden. Insgesamt gebe es mehr als 60 Sonntagsregelungen, das sei einfach zu viel. Und die Zuschlagsregeln seien zu starr und kompliziert. Ab 20 Uhr sind ja 100 Prozent Lohnzuschlag zu zahlen, wochentags ab 18.30 und samstags ab 13 Uhr zwischen 30 und 70 Prozent. Dass zum Beispiel in Wien im 1. Bezirk am Sonntag die Geschäfte geschlossen sind, "verstehen die Touristen nicht", meinte Verbands-Vizepräsident Norbert Scheele. Zumindest für sechs oder acht Sonntage im Jahr sollte es einen Probelauf mit offenen Geschäften geben, so der Verband.

Um mehr Beschäftigung im Handel zu ermöglichen, seien Entbürokratisierung und Deregulierung nötig. Behörden sollten als One-Stop-Shop für alle unternehmerischen Belange zur Verfügung stehen. Die Gewerbebehörden gehörten reformiert - und die Vertragsgebühr für Geschäftslokal-Mietverträge ganz abgeschafft. Die Gebühr mache oft eine ganze Monatsmiete aus, für eine 65 m2 große Verkaufsfläche 10.000 Euro, wurde ein Fall aus jüngster Zeit geschildert. Bei der Müllbeseitigung sollten die Andienungspflichten beseitigt werden, wonach sich Handelsbetriebe zunächst kommunaler Entsorger bedienen müssten - gebe es aber in einer Gemeinde keine solchen, könne diese Private beauftragen, verrechne den Händlern dann aber oft ein Vielfaches, lukriere also ein Körberlgeld.

Die Lohnnebenkosten müssten massiv gesenkt werden und Steuergerechtigkeit ins Zentrum gestellt werden, forderte Scheele - in kaum einem westlichen Land sei die Lohn- und Abgabenquote höher als in Österreich. Um das transparent zu machen, sollten die gesamten Personalkosten als "Brutto vom Brutto-Gehalt" ausgewiesen werden müssen, fast niemand wisse, dass der Arbeitgeber zum Bruttolohn nochmals gut 31 bis 33 Prozent draufzahlen müsse. Die Körperschaftsteuer (KÖSt) auf nicht-entnommene Gewinne sollte als Investitionsanreiz halbiert werden.

Nicht erst übernächstes Jahr, sondern schon sofort sollte die Mehrwertsteuerbefreiung für Postlieferungen aus Drittländern für Sendungen mit weniger als 22 Euro Wert abgeschafft werden, womit die Besteuerung ab dem ersten Cent Warenwert greifen würde. Laut Plan soll das gemäß einer EU-Richtlinie erst 2021 erfolgen. Die Branche nennt für ein rasches Ende der Freigrenze immer Schweden als Vorbild, wo die Abschaffung der 22-Euro-Grenze bereits vor über einem Jahr erfolgte und das Aufkommen von Paketen aus Drittstaaten stark gesunken ist. Generell sollte in der EU ein einheitliches Mehrwertsteuersystem kommen, um Wettbewerbsverzerrungen hintanzuhalten. Und gegen Produktpiraterie vor allem im Cross-Border-eCommerce mit Asien sei ein strengeres Vorgehen vonnöten.

Erleichtert werden sollte für Handelsunternehmen der Zugang zu Beteiligungs- und Risikokapital - der liege in Österreich derzeit weit unter dem EU-Durchschnitt. Vor allem junge Unternehmen und Start-ups würden einen erleichterten, unkomplizierten Zugang zu Kapital benötigen. Zudem sollten auch Handelsbetriebe stärker bei Fördermitteln berücksichtigt werden. Schließlich sollte auch nicht der Anschluss bei "Künstlicher Intelligenz" verloren gehen, wo die übrige Welt neben den Hauptakteuren USA und China verblasse.

Quelle: APA

Aufgerufen am 06.12.2019 um 11:50 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/austro-verbraucherstimmung-auf-tief-75642067

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