Wirtschaft

BAWAG/Refco-Prozess: Harsche Vorwürfe gegen Refco-Management

Im Zuge der fortgesetzten Fragerunde durch die Richterin zu den Ereignissen rund um den Verkauf der BAWAG-Anteile an Thomas H Lee aus dem Jahr 2004 erhebt der Viertangeklagte im BAWAG/Refco-Prozess harsche Vorwürfe gegen das damalige Senior-Management der Refco. Dass hinter den optisch schönen Zahlen in den Bilanzen eine "Truppe von Betrügern" gestanden habe, habe niemand ahnen können.

Die Angeklagten Büttner und Nakowitz (r) zum Prozessauftakt SN/APA/Archiv/HERBERT PFARRHOFER
Die Angeklagten Büttner und Nakowitz (r) zum Prozessauftakt

Konkret ging es in der Befragung am Nachmittag um den Verkauf der BAWAG-Anteile an Thomas H Lee und den zuvor von der BAWAG gewährten Kredit an Refco in Höhe von 390 Mio. Dollar. Dieser sei verwendet worden, um im Vorfeld des Verkaufs kurzfristig einen Liquiditätsüberschuss bei Refco in Höhe von 500 Mio. Dollar darstellen zu können. Der Überschuss sei jedoch gar nicht vorhanden gewesen, lautete es in der Anklage.

"Wer hätte das durchschauen können", sagte der Viertangeklagte. Die Zahlen in den Refco-Bilanzen hätten immer "für sich gesprochen", seien auch von Wirtschaftsprüfern in den USA abgesegnet gewesen. Es habe daher nie einen Anlass gegeben, an ihrer Richtigkeit zu zweifeln. Zudem sei die Geschäftsbeziehung mit Refco zuvor auch immer "tadellos" gewesen, so der Beklagte. Dass jemand im Vorstand gewusst haben könnte, dass die Zahlen so nicht existieren, glaube er nicht.

Die Anklage, dass er Vorarbeiten für die Betrugshandlungen geleistet habe, wies der Viertangeklagte strikt von sich. In den Verkauf der BAWAG-Anteile an Thomas H Lee seien eine Anwaltskanzlei mit mehreren Mitarbeitern sowie Wirtschaftsprüfer von KPMG auf beiden Seiten (Wien und New York) eingebunden gewesen.

Nach dem Verkauf des BAWAG-Anteils sei das Verhältnis zwischen der BAWAG und Bennett aber nach wie vor gut gewesen, so der Angeklagte. Ihm mutete es damals daher nicht komisch an, dass Bennett rund ein Jahr später - im Oktober 2005 - mit einer dringlichen Kreditanfrage auf die Bank zugekommen war. Es sei jedoch eine sehr kurzfristige Bitte gewesen, was schon eher ungewöhnlich war.

In Folge führte der Angeklagte seine Handlungen zwischen dem 5. und 14. Oktober - also zwischen der Anfrage Bennetts für den Kredit in Höhe von 350 Mio. Dollar und dem Tag, an dem der Kredit im BAWAG-Gesamtvorstand dann genehmigt wurde - im Detail aus. Er selbst habe sich hauptsächlich um Fragen rund um die Aktienverpfändung gekümmert.

Bennett hatte die Verpfändung seiner Refco-Aktien als Besicherung für den erbetenen Kredit angeboten. Auf die Aktien bestand noch eine Haltepflicht von sechs Monaten, die erst im darauffolgenden Jahr abgelaufen wäre. Die BAWAG nahm das Angebot Bennetts dennoch an. Laut der Staatsanwaltschaft hätte der Kredit wegen unzureichender Besicherung und mangelnder Bonitätsprüfungen so nie vergeben werden dürfen.

Er selbst habe keine Bedenken bezüglich der Verpfändung gehabt, da der hohe Vermögenswert eine ausreichende Besicherung dargestellt habe. Bei der BAWAG habe man sich zudem versichert, dass man die Aktien trotz noch bestehender Haltefrist gleich physisch bekomme und nicht erst später, so der Angeklagte. Den Vorstand habe die Sperrfrist auf die verpfändeten Aktien nicht beunruhigt. Vorstandschef Johann Zwettler sei vom Erfolg der Refco nach wie vor überzeugt gewesen und sei auch sicher gewesen, dass Bennett den Kredit binnen eines Jahres wieder zurückzahlen könnte.

Darüber hinaus wurde durch die Fragen der Richterin erörtert, dass es einige Tage bevor die Kreditvergabe im Gesamtvorstand genehmigt wurde, bereits eine Sitzung zwischen Zwettler und den beiden ebenfalls angeklagten Vorstandsmitgliedern Peter Nakowitz und Christian Büttner gegeben habe. Diese sei jedoch nicht protokolliert worden. Auf Nachfrage der Richterin, warum dies nicht geschehen sei, erklärt der Angeklagte, er habe keine Zeit für ein Protokoll gehabt, da er kurz darauf vom Vorstand nach New York geschickt worden sei, um mit einem Anwalt über Details zu der geplanten Aktienverpfändung Bennetts zu reden. Zudem habe das dann folgende Protokoll für die Gesamtvorstandssitzung am 14. Oktober, bei der der Kredit dann genehmigt wurde, ein Protokoll über die vorherige Sitzung obsolet gemacht, so der Angeklagte.

Zuvor hatte sich zunächst alles um die Frage gedreht, was und wie viel der Viertangeklagte über die Geschehnisse vor der Refco-Pleite 2005 - also über die innerhalb der Refco-Gruppe bestehenden Forderungen, über die seit dem Jahr 2000 jährlichen Ultimotransaktionen sowie über den Erwerb des Erlösbeteiligungsrechts der BAWAG an der Refco 2003 - gewusst hat.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, legte die Richterin, Lena Pipic, dem Angeklagten mehrere Dokumente vor, darunter auch Aussagen des damaligen Refco-Finanzchefs Robert Trosten. Laut dessen Aussagen sei der Angeklagte vor allem ab dem Jahr 2003 eine wesentliche Ansprechperson für Refco gewesen. Der CFO unterstellte in einer Aussage zudem, dass die BAWAG von dem Zweck der Ultimotransaktionen gewusst hätte.

Für die Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. Der nächste Verhandlungstag ist am kommenden Montag, dem 11. November. Dann geht es mit den verbleibenden Fragen der Richterin sowie den Fragen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung an den Viertangeklagten weiter.

Quelle: APA

Aufgerufen am 22.11.2019 um 08:50 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/bawag-refco-prozess-harsche-vorwuerfe-gegen-refco-management-78897784

Kommentare

Schlagzeilen