Wirtschaft

Behörde sieht auch Mängel bei Corona-Test von Bipa

Nachdem dm seinen Coronatest nach Kritik der Behörde vorläufig zurückgezogen hat, gibt es jetzt auch Mängel beim Test von Bipa. Reine Formsache, sagen die Hersteller. Behördlich anerkannt sind die Tests ohnehin nicht. Was bringen sie dann?

Um genug Kapazität zu haben, gibt es bei Tests keine großen Beschränkungen. SN/luckybusiness - stock.adobe.com
Um genug Kapazität zu haben, gibt es bei Tests keine großen Beschränkungen.

Im Kampf gegen wieder steigende Coronazahlen setzt Österreich derzeit vor allem auf eines: testen, testen und noch einmal testen. Sei es von der Behörde verordnet bei der Einreise, in betroffenen Branchen wie dem Tourismus oder auf Eigeninitiative in Firmen und privat. Der Weg dorthin ist holprig.

Nachdem das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) Ende der Vorwoche die online bei dm angebotenen Coronatestkits bemängelt hatte und die Drogeriemarktkette diese daraufhin vorläufig aus dem Angebot genommen hat, gibt es jetzt auch Kritik an den Testkits bei Bipa.

"Es ist richtig, dass das BASG in einem Schreiben an den Hersteller Mängel festgestellt hat und Klarstellung fordert", sagt Rewe-Sprecher Paul Pöttschacher. Die Rewe-Tochter Bipa wird das Testkit aber nicht aus den Regalen nehmen. "Es sind Punkte genannt worden, die wir wie aufgefordert bis Dienstag korrigieren werden", betont man beim Hersteller Lead Horizon - ohne Details zu nennen. Dem Vernehmen nach geht es um den Hinweis "behördlich anerkannt" auf dem Test. Vom BASG heißt es, zu konkreten Verfahren oder Produkten könne man "keine Auskünfte erteilen".

Vor der Behörde gilt der Test zum Selbermachen nicht

Zur Vorlage bei der Behörde, etwa wenn man aus Risikogebieten zurückkehrt, gelten die Tests zum Selbermachen ohnehin nicht. "Dazu muss der Test von einem Arzt oder dem Gesundheitspersonal wie dem Roten Kreuz durchgeführt werden", sagt eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Nur dann sei unstrittig, dass der Test wirklich von der betroffenen Person stammt.

"Niederschwellig" Coronatests zur Verfügung zu stellen, wie das Drogeriemärkte tun, dagegen hat das Ministerium nichts. Und es geht davon aus, dass sich neben den behördlichen Tests ein privater Testmarkt entwickelt. Denn ein Riesengeschäft wittern viele im Testen zweifelsohne. 129 Euro kosten die Tests bei dm und Bipa, an Flughäfen ist es oft noch mehr.

Wer in medizinischer Hinsicht was darf, entscheiden die Gesundheitsbehörden. Die Regeln sind komplex, Konsumenten und Patienten müssen sich im Normalfall darauf verlassen. Taucht, wie im Fall von Covid-19, eine bis dahin unbekannte Infektionskrankheit auf, braucht es neue Vorgaben, etwa dafür, wer befugt ist, das Coronavirus nachzuweisen und wie.

"Breit testen zu wollen ist eine Gratwanderung"

Im konkreten Fall hat das Gesundheitsministerium für Tests keine großen Beschränkungen verordnet, nicht zuletzt, um notfalls ausreichend Kapazitäten zu haben. So können nicht nur alteingesessene medizinische Labors Proben analysieren, sondern auch veterinärmedizinische Stellen oder Start-ups. Was zu Kritik wegen hoher Fehlerquoten bei Tests geführt hat.

Stephan Aberle, Professor für Virologie und PCR-Spezialist am Zentrum für Virologie an der Meduni Wien, hält das für vertretbar, ebenso wie Selbsttests. Sich breiter aufzustellen sei "eine Gratwanderung". Wenn man die Testbarrieren senken wolle, um Fälle rasch zu finden, "kann man das auch positiv sehen". Studien zeigten, dass es auch keinen großen Unterschied mache, ob Abstriche oder Proben selbst oder von einem Mediziner abgenommen werden oder wie genau die Logistik aussieht. "Man will wissen, ob jemand akut am Coronavirus erkrankt und infektiös ist, und das bedeutet, dass sehr viele Viren vorhanden sind." Und in dem Fall seien weder die Art des Abstrichs noch der Transport sehr relevant.

Generell unterliegen Labors in Österreich strengen Vorgaben. Darüber hinaus können sie sich freiwillig für ganz spezifische Bereiche akkreditieren lassen. Akkreditierungen sind die höchste und international anerkannte Form, um einem Unternehmen oder einer Prüfeinrichtung ein Können zu bescheinigen. Gesetzlich vorgeschrieben sind diese teuren und langwierigen Verfahren - samt regelmäßiger Überprüfung - bisher in Bereichen, in denen es um Menschenleben geht, etwa bei Aufzüge. Das Tätigkeitsfeld der nationalen Akkreditierungsstelle wächst aber stetig. Bei Ausbruch einer Pandemie wären solche Vorgaben für Labors aber kontraproduktiv, sagen Experten.

dm will nächste Woche wieder Tests verkaufen

Die Drogeriemarktkette dm will schon kommende Woche wieder Tests verkaufen. Weiterhin nur online, sagt dm-Sprecher Stefan Ornig. "Wir wollen ausschließen, dass möglicherweise infizierte Leute in unsere Filialen kommen." Auf die Kritik der Behörde habe man reagiert und seit Mittwoch ein Okay, betont Marco Herten, Sprecher der Eugendorfer Novogenia, die für dm die Testkits herstellt. Beim Novogenia-Test wird kein Mund- oder Nasenabstrich gemacht, sondern über einen Trichter in eine Flüssigkeit gehustet und gespuckt. Diese ist giftig, was den Vorteil habe, dass die Viren abgetötet würden und damit bei etwaigem Brechen des Röhrchens weder Postler noch Laborpersonal gefährden könnten, erklärt Herten. Zu Recht bemängelt habe die Behörde, dass auf dem Röhrchen selbst zu wenig vor der giftigen Flüssigkeit gewarnt worden sei. Auch Mängel bei der Kennzeichnung habe man behoben.

Bipa-Hersteller Lead Horizon setzt dagegen auf Gurgeln mit nicht giftiger Flüssigkeit und Spucken.

Immer mehr getestet wird auch von den offiziellen Stellen. Österreichweit wurden bisher über 880.000 Tests durchgeführt, teilt das Gesundheitsministerium mit, 9434 waren es etwa am Donnerstag.

Aufgerufen am 03.08.2020 um 07:59 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/behoerde-sieht-auch-maengel-bei-corona-test-von-bipa-90854467

Kommentare

Schlagzeilen