Wirtschaft

Beliebtheit von erneuerbarer Energie im Aufwind

Der Ausbau erneuerbarer Energien stößt nach einen Knick im Coronajahr 2020 wieder auf mehr Zustimmung in der österreichischen Bevölkerung. Am deutlichsten ist dies für die Photovoltaik der Fall, heißt es in einer gemeinsamen Studie der Unternehmensberatung Deloitte, der Universität Klagenfurt, der Wirtschaftsuniversität Wien und dem Energieversorger Wien Energie. Fast 90 Prozent der Befragten würden einem Photovoltaik-Projekt in oder nahe ihrer Gemeinde zustimmen.

Photovoltaik wird am stärksten befürwortet SN/APA (dpa)/Christian Charisius
Photovoltaik wird am stärksten befürwortet

Rund dreiviertel der Österreicherinnen und Österreicher würden dies bei einem kleinen Wasserkraftwerk tun. Etwas geringer fällt die Akzeptanz von Windkrafträdern aus: Hier zeigten sich 66 Prozent aufgeschlossen. Die Studie wird seit 2015 jährlich durchgeführt. "Wir sehen einen Einbruch bei den Werten im Jahr 2020", sagte die Studienautorin Nina Hampl von der Uni Klagenfurt/WU Wien bei der Präsentation der Studie. "2021 haben sich die Werte aber wieder erholt und liegen auf dem Niveau von 2019".

Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung, freute sich besonders über die hohe Zustimmungswerte für die Solarkraft. "Wir fühlen uns durch die Zahlen in unserem Kurs bestätigt", so Strebl. "Das Thema Photovoltaik ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen." Allerdings unterscheiden sich die Werte, je nachdem wo die Solaranlagen installiert werden.

Bei der Frage, welche erneuerbaren Energieträger in Österreich ausgebaut werden sollen, befürwortet eine große Mehrheit Photovoltaikanlagen auf Dachflächen und Fassaden. Bei Anlagen auf Freiflächen fällt die Zustimmung geringer aus. Noch zurückhaltender waren die Befragten bei großen Wasserkraftwerken sowie Biomasse- und Biogaskraftwerken.

Unter den befragten Eigenheimbesitzern, die eine Photovoltaikanlage auf ihrem Haus oder Wohngebäude planen, stieg zudem der Anteil derer, die dies in den kommenden zwei Jahren durchführen wollen. Weniger Befragte als in den Vorjahren planen einen solchen Schritt erst innerhalb der nächsten fünf Jahre.

Großen Nachholbedarf gebe es aber bei der Wärmetechnologie, meint Wien Energie-Chef Strebl. Der Anteil an alternativen Wärmequellen bei der Heizung daheim hat sich laut Studie in den vergangenen Jahren nur leicht erhöht. Das, obwohl 80 Prozent des Energieverbrauchs in Österreich nicht auf den Stromverbrauch zurückgehe. "Ohne Wärme- und Verkehrswende werden wir die Energiewende nicht schaffen. Das ist in der Bevölkerung noch nicht ganz angekommen", so Strebl, der aber anmerkt, dass Investitionen in eine Wärmeanlage ein großes Unterfangen seien, was die trägere Entwicklung in diesem Bereich mit erklären könnte.

Aufgeschlossen zeigten sich die Umfrageteilnehmer gegenüber Energiegemeinschaften. Zwei Drittel können sich vorstellen, gemeinsam mit anderen Strom und Wärme zu erzeugen, verbrauchen, speichern und verkaufen. Jeder Fünfte kann sich laut eigenen Angaben vorstellen, selbst eine Energiegemeinschaft zu gründen.

Keine starke Entwicklung gab es beim Kaufinteresse für Elektroautos. Die Zahl der Interessierten ist bei den letzten Erhebungen sogar leicht rückläufig gewesen. 2021 dachten 43 Prozent der Befragten über den Kauf eines Elektroautos nach. 2018 waren es noch 54 Prozent. "Da gilt es Maßnahmen zu setzen, um die Klimaziele zu schaffen", meinte Gerhard Marterbauer von Deloitte. Die Ladeinfrastruktur sollte ihm nach weiter ausgebaut werden. Zudem müssten Elektroautos für die breite Masse erschwinglich werden.

Geht es nach der Mehrheit der Studienteilnehmer, sollte die Automobilbranche ihren Fokus in der Forschung verstärkt auf Wasserstoffantriebe legen. Nur ein Drittel befürwortet dagegen ein Zulassungsverbot von Verbrennern ab 2030.

Dabei gab eine Mehrheit von 57 Prozent an, dass die Folgen des Klimawandels jetzt schon spürbar seien. "Das Bewusstsein der Österreicherinnen und Österreicher mit Bezug auf die Auswirkungen des Klimawandels ist hoch," meint Studienautorin Hampl.

Am stärksten (76 %) fürchten sich die Teilnehmer vor zunehmend extremen Wetterereignissen als Folge der globalen Erderwärmung. Knapp die Hälfte geben zudem Preisanstiege bei Lebensmitteln, Ernteausfälle und Konsequenzen der Verdrängung von Tieren aus ihren Lebensräumen (z.B. Infektionskrankheiten) als ihre größten Befürchtungen an.

An der Erhebung, die Ende Oktober/Anfang November durchgeführt wurde, nahmen rund 1.000 Menschen zwischen 18 und 70 Jahren teil.

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