Wirtschaft

Beschäftigte unterschätzen ihre Chancen am Arbeitsmarkt

Viele Beschäftigte unterschätzen ihren eigenen Wert auf dem Arbeitsmarkt. In einer Umfrage im Auftrag der Online-Jobplattform Stepstone schätzen nur 54 Prozent der Befragten ihre Chancen am Arbeitsmarkt als eher oder sehr gut ein. Das gelte auch für Bereiche, die besonders stark nach Personal suchen, wie die Technik- und IT-Branche, Vertrieb oder Handel.

Viele denken trotzdem über einen Jobwechsel nach SN/APA/BARBARA GINDL
Viele denken trotzdem über einen Jobwechsel nach

Gleichzeitig denken viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über einen Jobwechsel nach. In einer Befragung der Arbeiterkammer gab das rund ein Viertel der Teilnehmer an. Konkreter sind die Wechselpläne laut Stepstone-Studie bei 16 Prozent der Beschäftigten. Sie gaben an, kürzlich den Job gewechselt zu haben oder dass sie in naher Zukunft kündigen.

Umgekehrt haben Unternehmen laut einer Studie von Forsa im Auftrag von XING E-Recruiting Schwierigkeiten, neues Personal zu finden. 60 Prozent der Betriebe gaben an, dass die Personalsuche derzeit eine größere Herausforderung sei als vor der Pandemie. "Wir erleben eine Zeitenwende auf dem Arbeitsmarkt. Unternehmen müssen sich heute bei Talenten bewerben, nicht umgekehrt", so Sandra Bascha, Leiterin Kommunikation Österreich bei New Work (früher Xing).

Die Jobsuchenden hätten zudem höhere Anforderungen als früher. Abseits von Gehalt und Aufgabenfeld seien auch die Unternehmenskultur (82 Prozent), Jobsicherheit (78 Prozent) oder flexible Arbeitszeiteinteilung (66 Prozent) wichtige Faktoren. Forsa hat für die Umfrage 2.523 volljährige Erwerbstätige in Deutschland (1.004), Österreich (510) und der deutschsprachigen Schweiz (1.009) sowie 100 Personalentscheider in Betrieben mit Sitz in Österreich befragt.

Unternehmen müssten diese Entwicklung ernst nehmen, meint Stepstone-Österreich-Geschäftsführer Nikolai Dürhammer in einer Aussendung. "Aber dass in Österreich die große Kündigungswelle wie in den USA droht, das sehe ich aktuell nicht", so Dürhammer. "Aufgrund der unsicheren Lage hatten die Menschen bis vor kurzem einfach andere Prioritäten, als den Jobwechsel und Wechselwünsche nicht ausgelebt - diese haben sich sozusagen aufgestaut. Mit dem aktuellen Jobboom löst sich das jetzt auf."

Für diese Interpretation spricht auch die Tatsache, dass die Jobzufriedenheit laut Umfrage wieder gestiegen ist. Zwei Drittel der befragten Personen gaben an, mit ihrer beruflichen Situation zufrieden zu sein. Unter Selbstständigen waren es allerdings nur 55 Prozent. Am Unzufriedensten waren die Beschäftigten im Verkauf, aber auch im Gesundheitswesen sind viele nicht glücklich. Froh mit ihrem Job waren am öftesten Menschen die im Marketing, in der PR oder der Werbung arbeiten.

"Diese Berufsgruppen erleben jetzt, was in vielen Branchen bald Realität wird: Den Wandel zum Bewerbermarkt", wird Corina Drucker, Studienleiterin und Pressesprecherin von Stepstone Österreich, zitiert. "Um als Unternehmen am Jobmarkt bestehen zu können, muss man alte Glaubenssätze niederreißen und neue entwickeln, wie etwa: Die Unternehmen müssen sich bei den Kandidat*innen bewerben, nicht umgekehrt", so Drucker.

Für die Studie wurden im Jänner 2022 etwas mehr als 2.000 Österreicherinnen und Österreicher von der Marktforschungsagentur MindTake im Auftrag von Stepstone befragt.

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 18.05.2022 um 02:57 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/beschaeftigte-unterschaetzen-ihre-chancen-am-arbeitsmarkt-118766659

Kommentare

Schlagzeilen