Wirtschaft

Betriebsübergaben gewinnen an Bedeutung

Für Unternehmer ist es oft nicht einfach, ihr Geschäft aufzugeben. Gleichzeitig ist für die jüngere Generation eine Firmengründung oft schwierig. Hier kann eine Übergabe helfen, so Elisabeth Zehetner, Chefin des Gründerservice in der Wirtschaftskammer (WKÖ). Die Zahl der Übergaben hat sich 2018 jedenfalls um 2,3 Prozent auf 6.456 erhöht. Die Nachfolgebörse der WKÖ soll die Zahl weiter steigern.

Häufigster Übergabegrund ist die Erreichung des Pensionsalters. Manchmal ist auch Krankheit schuld oder Unternehmer orientieren sich um. Die Hälfte der Übergaben erfolgt innerhalb der Familie. "Vor 15 Jahren lag dieser Wert noch bei 75 Prozent", erläuterte Zehetner im Gespräch mit der APA.

Hauptsächlich werden Betriebe übergeben, die über eine Betriebsstätte verfügen. Daher gibt es besonders viele Übergaben im Tourismus/Gastronomie (30 Prozent), Gewerbe/Handwerk (27 Prozent) und Handel (21 Prozent), so Zehetner. "Gerade in der Gastronomie ist die Übergabe für den neuen Unternehmer interessant. Er kann von der vorhandenen Infrastruktur, dem Kundenstock, vorhandenen Anlagengenehmigungen profitieren." Wenn die Ausstattung gut erhalten sei, könne der Übernehmer auch hierbei sparen.

Die Kammervertreterin unterstreicht auch die volkswirtschaftliche Bedeutung der Übergaben. Seit dem Vorjahr bis 2027 stünden fast 42.000 Firmen - 26 Prozent der gesamten gewerblichen Wirtschaft - mit gut 400.000 Arbeitsstellen vor der Übergabe, verweist Zehetner auf eine Schätzung der KMU-Forschung Austria.

Hierbei verweist die WKÖ auf ihre Internetseite https">www.nachfolgeboerse.at/.">https://www.nachfolgeboerse.at/. "Wir unterstützen die Unternehmen, Nachfolger zu finden", sagt Zehetner. "Auf der Plattform sollen aber auch Gründer - mit der Alternative Übernahme - angesprochen werden." Auf der Seite finden sich permanent rund 1.200 übergabebereite Firmen. Auch beim Gründerservice der WKÖ wird auf Übernahmemöglichkeiten verwiesen. "Zudem haben wir Veranstaltungen, bei denen Übergeber und potenzielle Übernehmer zusammengebracht werden. Danach begleiten wir die Übernahme mit Teamberatungen samt Steuer- und Rechtsformexperten."

Ein ganzer Übernahmeprozess dauert im Durchschnitt drei Jahre. Zehetner appelliert an Unternehmer, die sich dem Pensionsalter nähern, sich rechtzeitig mit dem Thema zu befassen. Eine gute Planung beider Seiten sei notwendig. "Der Seniorunternehmer muss sich oft von seinem Lebenswerk trennen, so kommt es manchmal zu einem emotionalen Preisaufschlag. Der Jungunternehmen sieht schon die Kosten für künftige Investitionen und hat andere Preisvorstellungen. Da muss man beiden Seiten Zeit geben."

Auch im Sinne der Übergaben bekräftigte Zehetner den Ruf der Wirtschaftskammer nach einem Investitionsfreibetrag von 20 Prozent und einer Verkürzung der Abschreibungsdauer.

Wegen Zahlungsunfähigkeit wurden 4.980 Firmen geschlossen. Wie viele einfach aufgegeben wurden, ist laut WKÖ offen. Insgesamt ist der Saldo aber positiv: Denn die Zahl der Unternehmen steigt seit Jahren stetig an. Alleine seit 2015 gab es ein Plus von rund zehn Prozent auf 528.000 Betriebe.

Quelle: APA

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