Österreich

Bundesländer hinken beim Ausstieg aus Öl und Gas hinterher

Global 2000 hat erstmals die Umstellungen bei den Heizsystemen und die Gebäudesanierungen in Österreich verglichen.

Grünes Licht für Bemühungen im Klimaschutz? Nicht wirklich. Vergleicht man Heizsysteme und die Sanierung von Gebäuden in den einzelnen Bundesländern, steht die Ampel aus Sicht der Umweltschutzorganisation Global 2000 noch auf Rot, höchstens auf Gelb. Für Grün reiche es in keinem Bundesland, dazu seien die Bemühungen noch zu halbherzig, sagt Johannes Wahlmüller, der Klimaschutzexperte bei Global 2000.

Die Organisation hat für ihren ersten Wohnbau-Check neben Daten der Statistik Austria die Bauordnungen und Wohnbauförderungsmodelle der Länder ausgewertet. In die Analyse flossen auch Informationen des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen ein. Dabei zeigte sich, dass zwischen Neusiedler See und Bodensee nicht an einem Strang gezogen wird. Sowohl Baurecht als auch Wohnbauförderung sind Ländersache, der Föderalismus lässt grüßen. Niederösterreich hat als einziges Bundesland ab 2019 die Förderung klimaschädlicher Ölheizungen beim Neubau verboten. Vorreiter ist Dänemark, wo seit 2016 Heizsysteme aus erneuerbaren Energieträgern vorgeschrieben sind. In Salzburg zählt das Ende von Steuergeld für Ölheizungen zu den Zielen des Energie-Masterplans 2050, umgesetzt ist das aber nicht.

In Österreich sind derzeit rund 622.000 Ölheizungen in Betrieb. Ihr Anteil sank im vergangenen Jahrzehnt von knapp 30 auf etwa 20 Prozent. Ein weitgehender Ausstieg aus dem Heizen mit Öl bis 2025 sei in Reichweite, sagt Global-2000-Experte Wahlmüller. "Neue Ölheizungen sollten nicht mehr eingebaut werden, es gibt ausgereifte Alternativen." Salzburg habe ambitionierte Ziele, mit einem Verbot von Ölheizungen im Neubau und Beschränkungen beim Ersatz alter Ölheizungen durch neuere Technik könnte es beim Wohnbau-Check punkten.  Uneinheitlich ist der Trend bei Gasheizungen, mit rund 900.000 Anlagen die am stärksten verbreitete Form der Gebäudeheizung in Österreich. "Hier ist der Ausstieg schwieriger und dauert länger, weil sich viele Anlagen im städtischen Bereich befinden", betont Global 2000. Eine weitere öffentliche Förderung sei nicht mehr zeitgemäß, doch das ist nur in Salzburg, Vorarlberg, Niederösterreich sowie in der Steiermark (im Neubau) Gesetz, die übrigen Bundesländer fördern Gasheizungen nach wie vor. In Salzburg blieb der Anteil im Vergleich zwischen 2005/06 und 2013/14 mit zehn Prozent gleich, in den meisten Bundesländern ging er leicht zurück, im Burgenland, der Steiermark und in Tirol stieg er sogar.

Durchwegs rote Ampeln vergab Global 2000 bei der Gebäudeeffi zienz. Im Sinne des Klimaschutzes müssten jedes Jahr drei Prozent der Gebäude saniert werden, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Doch davon ist man weit entfernt. Klimaschutzexperte Wahlmüller aber ist überzeugt: "In der Sanierung liegt der Goldschatz des Klimaschutzes begraben."

Aufgerufen am 21.02.2018 um 10:27 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/bundeslaender-hinken-beim-ausstieg-aus-oel-und-gas-hinterher-7193593

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