Wirtschaft

Chemiebranche warnt vor Massenarbeitslosigkeit bei Gasstopp

Die österreichische Chemieindustrie warnt vor einem Ausfall von russischem Gas. Es drohten Massenarbeitslosigkeit und das Stillstehen der Fabriken, sagte Fachverbandsobmann Hubert Culik am Freitag in einer Pressekonferenz. "Russland kann uns jederzeit den Gashahn zudrehen", es brauche daher rasch Verträge mit anderen Lieferanten und eine Zusammenarbeit mit Italien und Kroatien bei Flüssiggas. Standortpolitisch seien bei Gas in der Vergangenheit Fehler passiert.

Billiges Gas aus Russland ließ die Abhängigkeit immer größer werden SN/APA/AFP/NATALIA KOLESNIKOVA
Billiges Gas aus Russland ließ die Abhängigkeit immer größer werden

Wichtig sei es, nun die Speicher aufzufüllen. Dass der Gasspeicher im Haidach in Oberösterreich an Gazprom verkauft wurde, sei in der jetzigen Situation nicht hilfreich. Dass Österreich bei Gas seine Abhängigkeit gegenüber Russland über die Jahre auf zuletzt 80 Prozent ausgeweitet habe, sei mit dem heutigen Wissen ebenfalls ein Fehler gewesen. Andererseits habe Russland Österreich immer zuverlässig und sehr günstig mit Erdgas versorgt. Die Alternativen, Flüssiggas oder Gas aus anderen Ländern wie Rumänien, wären teurer gewesen, erklärte Vize-Obmann Helmut Schwarzl.

Culik erklärte, dass bei einem Totalausfall von russischem Gas nicht nur die Chemieindustrie still stehe. "Ohne Erdgas kein Dampf, ohne Dampf keine Medikamente", sagte Culik. Ohne die Erzeugnisse der chemischen Industrie gebe es auch keine Matratzen, Dämmstoffe, Kühlschränke, Autositze oder Textilfasern. Auch die Landwirtschaft wäre betroffen, da sich Kunstdünger nicht ohne Erdgas erzeugen lässt.

Auch das geplante Ölembargo treffe die Chemieindustrie, allerdings sei russisches Erdöl leichter durch Öl aus anderen Ländern ersetzbar. Problematisch für Österreich sei beim Öl noch, dass die OMV in der Raffinerie Schwechat vor allem Rohöl aus Kasachstan verarbeitet, dass über Pipelines durch Russland nach Österreich fließt, verwies Fachverbandsgeschäftsführerin Sylvia Hofinger auf mögliche praktische Probleme beim Ölembargo.

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