Wirtschaft

Commerzialbank-Skandal: Burgenländischer Landesrat Illedits tritt zurück

Der burgenländische Gesundheits- und Soziallandesrat Christian Illedits (SPÖ) hat am Samstag überraschend seinen Rücktritt bekannt gegeben. Illedits begründete den Schritt mit einer Geschenkannahme vor zwei Jahren. Der Landesrat war zuletzt in der Causa um die Commerzialbank Mattersburg von der ÖVP kritisiert und zum Rücktritt aufgefordert worden.

Illedits mit Landeshauptmann Doskozil im Burgenland-Wahlkamf 2020 SN/APA/ROBERT JAEGER
Illedits mit Landeshauptmann Doskozil im Burgenland-Wahlkamf 2020

Vor 25 Jahren habe er als Quereinsteiger seine politische Laufbahn begonnen, sagte Illedits einem kurzen Statement vor Journalisten Samstagnachmittag in Eisenstadt. In verschiedenen Funktionen, in denen er auf Gemeinde- und Landesebene im Burgenland tätig gewesen sei, habe er sich "immer bemüht, "eine ehrliche und konsequente Politik zu machen".

"Heute muss ich mir aber eingestehen, dass mir ein persönlicher Fehler unterlaufen ist", der nach seinem Verständnis von Anstand der Politik "nach politischen Konsequenzen verlangt", stellte der Landesrat fest.

Der Fußballverein SV Mattersburg habe ihm als Aufsichtsratsvorsitzendem der Fußballakademie Burgenland zu seinem 60. Geburtstag vor zwei Jahren "ein persönliches Geschenk gemacht, das ich nicht annehmen hätte dürfen." Er habe ein 100-Gramm-Goldblatt mit einer Vereinswidmung im Wert von heute etwa 5.400 Euro erhalten und bei ihm zu Hause "als Souvenir und Erinnerungsstück abgelegt", erläuterte Illedits.

"An eine finanzielle Verwertung habe ich alleine schon aufgrund der Widmung nie gedacht. Eine anonyme Anzeige hat mich nun wieder daran erinnert. Natürlich habe ich meinen Anwalt sofort damit beauftragt, das Goldstück zurückzugeben", so der SPÖ-Politiker. Er habe Freitagabend Landeshauptmann Hans Peter Doskotil (SPÖ) mitgeteilt, dass er seine Funktion als Landesrat und alle damit zusammenhängenden öffentlichen Funktionen zurücklege.

"Ich kann heute nicht mehr sagen, warum ich dieses Geschenk angenommen habe. Sie können es als Dummheit nennen oder Gedankenlosigkeit, beides ist unverzeihlich", sagte der burgenländische Soziallandesrat Christian Illedits (SPÖ) am Samstag in Eisenstadt: "Ich versichere, dass mich dieses Geburtstagsgeschenk nie in irgendeiner Weise in meinen politischen Entscheidungen beeinflusst hat."

Er sei schon zu lange in der Politik, als dass er nicht wüsste, "dass nun die massiven Angriffe gegen meine Person noch intensiver werden". Vor allem die ÖVP versuche, ihm aufgrund seiner kurzen politischen Zuständigkeit für Wirtschafts- und Erwerbsgenossenschaften im Zusammenhang mit dem "Kriminalfall Commerzialbank" eine zentrale Rolle zuzuschreiben, so Illedits: "Diese persönlichen Untergriffe halte ich aus, weil ich weiß, dass ich mir hier nichts vorzuwerfen habe."

Wogegen er sich aber auch als Privatperson mit allen Mitteln wehren werde, seien Versuche, seine Familie, die Landesregierung und seine Partei, die SPÖ Burgenland in dieses "politische Spiel" hineinzuziehen. Es tue ihm unendlich leid, "dass ich das große Vertrauen, das der Landeshauptmann, meine Kolleginnen und Kollegen in der Landesregierung, mein Team, meine Wählerinnen und Wähler in mich gesetzt haben, enttäuscht habe und hoffe, dass man mir irgendwann auch verzeihen kann", sagte Illedits.

Er habe leidenschaftlich gerne für das Burgenland gearbeitet. Er bedanke sich "bei allen, mit denen ich in den vergangenen Jahrzehnten an der positiven Weiterentwicklung unseres Heimatlandes arbeiten durften."

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) bestätigte am Samstag in einer Aussendung, dass ihn Illedits am Freitagabend über dessen Rücktrittsentscheidung informiert habe. Er halte diesen Schritt für richtig und habe ihn daher zur Kenntnis genommen, stellte Doskozil fest.

"Christian Illedits hat aus freien Stücken die Konsequenz aus einem einmaligen Fehlverhalten gezogen. Ich habe Respekt davor, dass er seine politische Verantwortung in dieser Weise wahrnimmt", so Doskozil. Dem nun bekannt gewordenen Vorfall vor rund zwei Jahren stehe ein politisches Lebenswerk gegenüber, das Anerkennung verdiene, betonte der Landeshauptmann.

Illedits habe die Landespolitik über zwei Jahrzehnte mitgeprägt. Als langjähriger Bürgermeister von Draßburg habe er sich auch um seine Heimatgemeinde große Verdienste erworben. "Christian Illedits war ein Vollblutpolitiker, der sich selbst nie geschont hat. Aus dieser Grundhaltung heraus hat er jetzt auch das Format, gegenüber der Öffentlichkeit für einen Fehler einzustehen", so der Landeshauptmann. Er könne nachvollziehen, dass für Illedits nun vor allem der Schutz seiner Familie im Vordergrund stehe.

Über die nunmehr erforderlichen personellen und politischen Weichenstellungen werde er zeitnah informieren, so Doskozil, der für Montag eine Stellungnahme ankündigte.

Er nehme den Rücktritt von Landesrat Christian Illedits (SPÖ) "zur Kenntnis", stellte indes FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer am Samstag fest. Hofer forderte in einer Aussendung eine Ehrenerklärung der SPÖ im Burgenland. Der Rücktritt von Illedits könne "wohl nur der erste Schritt" im Mattersburger Commerzialbank-Skandal sein, betonte die stellvertretende ÖVP-Generalsekretärin Gaby Schwarz.

Quelle: APA

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