Wirtschaft

Corona-Kurzarbeit: Hilfen im November-Lockdown

Wieder mehr Kurzarbeit, Entschädigungen für Umsatzentgang, Trinkgeldersatz: Die jüngsten Lockdown-Maßnahmen erfordern weitreichende Maßnahmen - vor allem im Tourismus.

Wien. In Gastronomie und Hotellerie gehen im November die Lichter aus. Dennoch sollen die Beschäftigten so weit als möglich ihre Jobs behalten können. Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) präsentierte am Sonntag gemeinsam mit den Sozialpartnern eine Modifizierung der Corona-Kurzarbeit.

Neu ist, dass Mitarbeiter nicht - wie derzeit in der Kurzarbeitsphase 3 geregelt - 30 Prozent arbeiten müssen, sondern nur zehn Prozent, wie schon beim Lockdown im Frühling. Da der Durchrechnungszeitraum länger ist als nur ein Monat - das aktuelle Kurzarbeitsmodell läuft bis Ende März 2021 -, können die Mitarbeiter im November ganz zu Hause bleiben. Beispiel: Wird etwa in einem im November geschlossenen Gastronomiebetrieb im Dezember 20 Prozent gearbeitet, hat man die Untergrenze für beide Monate erreicht. Die Mitarbeiter erhalten 80 bis 90 Prozent (für Geringverdiener) ihres Entgelts.

Trinkgeldpauschale möglich

Oberste Priorität sei es, Arbeitsplätze zu erhalten, betonte Aschbacher. "Die Kurzarbeit gilt es vor Kündigungen in Anspruch zu nehmen." Im Frühjahr habe man so 1,3 Millionen Arbeitsplätze retten können. Bisher hat der Bund bis inklusive September für Kurzarbeit fünf Mrd. Euro ausgezahlt. Ende September waren noch knapp 300.000 Personen in Kurzarbeit.

Vom November-Lockdown betroffene Betriebe sollen nun bis zu 80 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats als Entschädigung erhalten. Die Zahlungen sollen noch im November fließen - allerdings nur gegen Arbeitsplatzgarantie.

Ersatz soll es auch für entgangenes Trinkgeld geben. ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian stellte für alle von der Trinkgeldpauschale erfassten Mitarbeiter in Gastronomie und Hotellerie 100 Euro netto im Monat vom AMS in Aussicht.

Wenig profitieren dürfte von der neuen Kurzarbeit die Ferienhotellerie, die im November vielerorts ohnehin geschlossen ist, ehe das Wintergeschäft beginnt. Als Saisonbranche werde man erst kurzfristig Arbeitskräfte aufnehmen, wenn Hoffnung auf Urlaubsgäste bestehe, sagt Wifo-Konjunkturexperte Josef Baumgartner. In der Gastronomie aber könne Kurzarbeit einiges abfangen, fraglich sei, ob die Betriebe glauben, dass sie künftig frühere Umsatzniveaus erreichen werden und so viele Mitarbeiter brauchen.

Hoffnung auf Weihnachtsgeschäft

Das Wifo rechnet damit, dass der Tourismussektor bis in den Februar und März hinein zu leiden haben wird. Auch ohne weitere restriktive Maßnahmen wird für kommenden Winter mit einem Viertel weniger Gästenächtigungen gerechnet. Bei einer achtwöchigen Sperre, wie es im pessimistischen Risikoszenario angenommen ist, wird fast ein Totalausfall (-95 Prozent) bis zum Ende der Weihnachtsschulferien und danach ein gradueller Anstieg der Auslastung auf zwei Drittel bis Februar unterstellt. Nach einem vierwöchigen Lockdown, wie jetzt verordnet, lebe aber die Hoffnung auf ein Weihnachtsgeschäft noch.

Vehement auf neue Hilfen pocht aufgrund des November-Lockdowns auch der Handelsverband, auch wenn man nun offen halten dürfe. "Aber wenn die Gastronomie nicht offen hat und nur wenige Menschen auf den Straßen unterwegs sind, weil sie im Homeoffice sind, brechen auch uns Frequenz und Umsätze weg", sagt Obmann Rainer Will. Zusätzlich zur geforderten Akuthilfe und dem Fixkostenzuschuss brauche es deshalb einen "Verlustausgleich". ÖGB-Chef Katzian will für Arbeitnehmer einen 1000-Euro-Gutschein für Handel und Gastronomie, noch einlösbar im Dezember. "Dann freut sich auch das Christkindl."

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 26.11.2020 um 02:56 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/corona-kurzarbeit-hilfen-im-november-lockdown-95002861

Kommentare

Schlagzeilen