Wirtschaft

Corona und Corpus Christi halten voestalpine in Verlustzone

Der Stahlkonzern voestalpine hat noch eine längere Durststrecke vor sich. Wegen hoher Sonderabschreibungen wird das Unternehmen auch im gesamten Geschäftsjahr 2020/21 erneut einen Nettoverlust einfahren. "Da wird sich wahrscheinlich kein Jahresüberschuss ausgehen", räumte Finanzchef Robert Ottel am Dienstag in einer Telefonkonferenz ein. Im ersten Halbjahr summierte sich der Fehlbetrag bereits auf 276 Mio. Euro. In der Steiermark verlieren derzeit 550 Mitarbeiter ihren Job.

Der Stahlkonzern kommt nicht ungeschoren an der Krise vorbei SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Der Stahlkonzern kommt nicht ungeschoren an der Krise vorbei

Den voraussichtlichen Nettoverlust im Gesamtjahr begründete der Finanzvorstand mit den Abschreibungen, die der Konzern vornehmen muss. Zu den üblichen Wertberichtigungen von rund 800 Mio. Euro addierten sich nun im zweiten Quartal Sonderabschreibungen von rund 200 Mio. Euro. Der Großteil davon entfiel den Angaben zufolge mit 168 Mio. Euro auf das Roheisenwerk in Corpus Christi (Texas).

Die "mittelfristige Ergebniserwartung" sei angepasst worden. Das sei in der Sonderabschreibung eingepreist, so Ottel. Das Werk wurde nun dem Finanzchef zufolge auf 448 Mio. Euro abgewertet. Alles in allem gekostet hat die Eisenschwammanlage am Golf von Mexiko, das vor vier Jahren eröffnet wurde, bisher 1,5 Mrd. Euro, wie auf der jüngsten Hauptversammlung im Sommer bekannt wurde.

Der Konzernumsatz schmolz heuer im Zeitraum April bis September im Vergleich zur Vorjahresperiode um fast 22 Prozent auf 5,1 Mrd. Euro zusammen. "Allein durch Covid haben wir 1,4 Mrd. Euro, ein Fünftel unseres Umsatzes, verloren", betonte Ottel. Bei den Zulieferungen für die Luftfahrt- sowie für die Öl- und Gasindustrie seien die Verkaufserlöse um fast 30 Prozent zurückgegangen.

Das operative Ergebnis (EBIT) der voestalpine drehte heuer während der ersten sechs Coronamonate von plus 230 Mio. Euro auf minus 215 Mio. Euro in den negativen Bereich. Grund dafür seien neben der rein operativen Entwicklung vor allem die genannten Sonderabschreibungen von in Summe rund 200 Mio. Euro in Texas und bei der voestalpine Tubulars im steirischen Kindberg, wo der Konzern Nahtlosrohre für die Öl- und Gasindustrie herstellt.

Während sich die Konzernbereiche Bahninfrastruktur sowie Lagersysteme auch in der Krise stabil entwickelten, sei die Situation in den Zuliefersegmenten Luftfahrt sowie Öl und Gas, die besonders hart von den Folgen der Pandemie betroffen seien, "unverändert schwierig". "Wir sind jetzt hauptsächlich dran, die Verwerfungen am Öl- und Gasmarkt zu bewältigen und neue Märkte zu suchen", so voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner. "Die Nachfrage in der Luftfahrt wird noch längere Zeit schwach bleiben, aber es gibt auch eine Zeit nach Covid", ist sich der CEO sicher. "Wir rechnen schon noch mit einer Dürreperiode, einer Durststrecke von eineinhalb bis zwei Jahren", ergänzte Ottel. Erst dann sei wieder eine normale Produktionsrate zu erwarten.

Um die Auswirkungen der Coronakrise und die Verluste in den Griff zu bekommen, baut die voestalpine auch massiv Personal ab und schickt Tausende Beschäftigte in Kurzarbeit. An zwei steirischen Standorten werden derzeit insgesamt rund 550 Stellen gestrichen - rund 250 bei voestalpine Tubulars in Kindberg und 300 bei voestalpine Böhler Aerospace in Kapfenberg. "Der Sozialplan ist im Wesentlichen abgeschlossen und es gibt jetzt unterschiedliche Kündigungsfristen", sagte Konzernchef Eibensteiner.

In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres wurde der Mitarbeiterstand (per Ende September) gegenüber dem Vorjahr weltweit um 6,5 Prozent auf 47.917 Arbeitnehmer zurückgefahren. Die Reduktion sei über den "Abbau von Urlaub, Zeitguthaben, Zeitarbeitern, aber leider auch eigenen Mitarbeitern" erfolgt, so Eibensteiner. Natürlich gebe es noch da und dort "Personalanpassungen" - "aber in Österreich nicht", stellte der CEO in Aussicht.

Für Österreich rechnet der Konzern "aktuell mit 2.500 Mitarbeitern in der dritten Kurzarbeitsregelung" - zu Beginn der Covid-Pandemie seien es über 10.000 gewesen. In Deutschland seien derzeit rund 1.200 Arbeitnehmer in Kurzarbeit, in weiteren Ländern mit kurzarbeitsähnlichen Modellen kämen nochmals 1.800 hinzu.

Quelle: APA

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