Wirtschaft

Corona-"Zwangssparen" ließ Vermögen auf Höchststand klettern

Das Finanzvermögen der Austro-Haushalte ist in die Höhe geschnellt. Grund dafür ist ein "Zwangssparen" in der Coronakrise mit Lockdowns und Reisebeschränkungen, so die Nationalbank. Die verfügbaren Mittel kletterten 2020 demnach auf 38,6 Mrd. Euro. Davon aus Einkommen angespart wurden 32,1 Mrd. Euro. Weitere 5,5 Mrd. Euro kamen aus Krediten, der Rest aus Erbschaften und Schenkungen. Das Geldvermögen stieg heuer im Juni auf den Rekordwert von 799 Mrd. Euro.

Während der Pandemie wurden die Sparschweine fetter SN/APA/THEMENBILD/GEORG HOCHMUTH
Während der Pandemie wurden die Sparschweine fetter

Der private Konsum brach voriges Jahr um 7,2 Prozent ein - ein Minus von rund 15 Mrd. Euro. Die netto verfügbaren Einkommen entwickelten sich negativ (minus 0,7 Prozent). Die Sparquote kletterte auf den Höchstwert 14,4 Prozent. Von den verfügbaren Mitteln flossen 28,5 Mrd. Euro (2019: 16,8 Mrd. Euro, plus 70 Prozent) in finanzielle Veranlagungen. Somit gab es 2020 ein Geldvermögen von knapp 780 Mrd. Euro. Im Juni 2021 wurde gar ein historischer Höchststand von 799 Mrd. Euro erreicht - ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Pandemiebeginn Ende 2019. Fürs laufende Jahr erwartet die Nationalbank einen Rückgang der Sparquote auf etwa 10 oder 11 Prozent und sieht darin eine "gute Nachricht".

"Das Phänomen einer gestiegenen Sparleistung ergibt sich aus einem massiven Konsumverzicht und darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Pandemie österreichische Privathaushalte wirtschaftlich vor große Herausforderungen stellte", sagte Johannes Turner, Direktor der OeNB-Hauptabteilung Statistik, bei einer Online-Pressekonferenz am Donnerstag. Der Experte betonte die Gesamtheit der Daten, die ein Makro-Bild liefern - ohne Strukturinformationen und Verteilungshinweise: "Trotz Rekordhoch beim Geldvermögen gibt es zahlreiche Haushalte, die weit weg sind von Rekorden."

Im Durchschnitt standen jedem österreichischen Haushalt 2020 aufgrund des deutlichen Konsumrückgangs um 310 Euro pro Monat 275 Euro mehr im Monat zur Verfügung als 2019. Diese zusätzlichen Mittel flossen im Ausmaß von 244 Euro in den Aufbau des Geldvermögens. 31 Euro gingen in realwirtschaftliche Investitionen wie etwa Immobilien - das Immobilienvermögen liegt etwa bei einer guten Billion Euro - oder Edelmetalle. Die Pandemie führte bei vielen Haushalten auch zu einer verstärkter Nachfrage nach Bargeld. Das war nicht nur in Österreich, sondern im gesamten Euroraum zu beobachten. Hierzulande wurden pro Haushalt monatlich im Durchschnitt um 32 Euro mehr an Bargeldreserven angelegt als im Jahr 2019.

Einlagen blieben die dominante Veranlagungsform. Täglich fällige Einlagen gewannen aber zulasten von gebundenen Spareinlagen und beliefen sich 2020 auf 21 Mrd. Euro. Börsennotierte Aktien und Investmentzertifikate wurden im Verlauf der Pandemie verstärkt genutzt. Diese erzielten auch gute Gewinne - im Gegensatz zum Sparen. Denn dort wird im Niedrigstzinsumfeld real Geld verloren. Wie viel Geld hierbei von den Österreicherinnen und Österreichern in den Wind geschrieben wird, ist aufgrund fehlender Mikro-Daten aber nicht konkret bezifferbar, sagte Turner.

Die Nachfrage nach Aktien und Investmentzertifikaten stieg voriges Jahr gegenüber 2019 um 88 Prozent: Gekauft wurde im Ausmaß von 6,5 Mrd. Euro. Wenig Interesse zeigten private Anlegerinnen und Anleger 2020 hingegen an verzinslichen Wertpapieren. Dies ist neben den derzeit ungünstigen Renditeerwartungen auch mit einem geringen Emissionsangebot zu erklären.

Heuer im ersten Halbjahr kam es laut Turner zu einer weiteren Umschichtung Richtung Aktien. Die Gründe hierfür seien "vielschichtig" und lägen unter anderem im Niedrigzinsumfeld und greifenden Werbemaßnahmen der Finanzinstitute. Ob das so bleibe sei "schwierig zu beurteilen" und hänge stark von der Marktentwicklung ab.

Die Verschuldung der Haushalte blieb wie schon im vorigen Jahrzehnt im bisherigen Verlauf der Covid-19-Pandemie auf stabilem Niveau. Voriges Jahr belief sie sich auf 209 Mrd. Euro. Weiterhin mit Abstand größter Verschuldungspart sind Wohnbaukredite. Die Nachfrage nach Konsumkrediten fiel über die vergangenen Jahre.

"Aus privaten Gründen" kurzfristig nicht bei der Pressekonferenz dabei war OeNB-Vizegouverneur Gottfried Haber, wie es zu Beginn der Veranstaltung hieß.

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